Akademien

Christoph Wilhelmi

Europäische Akademien
seit der Renaissance bis ca. 1800

Siehe hierzu auch den Essay

Der Begriff Akademie ist seit seinem Ursprung in Florenz in der Renaissance durchgängig verwendet worden. Allerdings hat sich der Begriff dann im Laufe der Jahrhunderte erheblich gewandelt. Er entstand aus einer bürgerschaftlichen Initiative im Florenz der Medici.
Unglaublich schnell breitete sich dieses Modell als säkulare ´Bruderschaft´ in West- und Mitteleuropa aus. Bis ins 19. Jahrhundert hinein soll es einige tausend solcher Gründungen gegeben haben.

Will man sich nun einen Überblick der Ausbreitung verschaffen, bietet sich dafür im Netz wikipedia an. 532 Namen (Stand Anfang 2020) aus mehreren Jahrhunderten (von der Renaissance bis 1800) stehen dort zur Verfügung; aber weniger als 5%, nur 23 dieser Akademien, sind mit erklärendem Text hinterlegt; alle anderen Akademie-Namen bleiben bislang inhaltsleere Hülsen. Dieser Mangel ist darauf zurückzuführen, daß diese Gruppierungen sozusagen privat agierten und daher kaum etwas von Historiographen über ihre Tätigkeit überliefert wurde. Daraus erklärt sich, weswegen trotz ihrer Vielfalt über die frühen Akademien kaum berichtet worden ist.

Das hatte zur Folge, daß ihre Bedeutung für die Ausbreitung der Renaissance von den Historiographen wie Jacob Burckhardt erheblich unterschätzt worden ist. Dabei handelt es sich bei dieser Gesellschaftsform eigentlich um ein Erfolgsmodell. »Academies became important forums for the dissemination of ideas in 16th century Italy and also served as models for associations of various kinds in later times and different places*« (Howard Mayer Brown/Iain Fenlon). Auch die Interaktion in den Akademien, z.T. auch zwischen den einzelnen Akademien, blieb somit verborgen. Dabei wechselten Mitglieder von einer zur anderen Akademie. Daher stellt sich das Zusammenspiel mancher Akademien als ein weitgehend unerforschtes europäisches Netzwerk dar, das der Aufklärung harrt. Aus diesen Gründen wird allgemein die rasche Ausbreitung der Renaissanceideen den Printmedien des damals entstandenen Buchgewerbes zugeschrieben ─ insofern nicht zu Unrecht, aber das Volumen der mündlichen Kommunikation, der Dialog in den zahlreichen Gesprächskreisen, kam in der Historiographie bisher zu kurz, weil meist nicht zur Sprache.

Leider läßt sich das bestehende Vakuum in diesem Bereich heutzutage nicht einfach auffüllen; die wenigen Angaben sind weit gestreut. Es ist allenfalls eine teilweise Rekonstruktion dadurch möglich, daß wenigstens die Beteiligten ermittelt werden, Aus den biografischen Angaben zu diesen Persönlichkeiten lassen sich aber viele Rückschlüsse ziehen. Durch das Fehlen von Mitgliederlisten lassen sich solche auch nicht mehr komplett wiederherstellen, zumal die Fluktuation unter den Beteiligten erheblich war. Bei der Rekonstruktion ergab sich aber z.B., daß einige Schlüsselfiguren in mehreren Akademien auftraten. Diese Zusammenhänge aufzudecken, ist vielfach nur über die Viten der Beteiligten zu bewältigen. Immerhin ergeben sich aus ihrem Beitrag und ihren Funktionen Rückschlüsse darauf, womit sich die Gruppen beschäftigt haben und welche Projekte auf sie zurückgehen. Allerdings war die Fahndung nach Beteiligten nicht immer erfolgreich, da naturgemäß auch die biographischen Lexika nicht auf Vollständigkeit angelegt sind.

Dieser Weg war und ist enorm arbeitsintensiv und nicht kurzfristig begehbar, soll ab jetzt aber mit dem sich ergebenden Material als work in progress in Angriff genommen werden. Dabei wurde auf die zur Zeit des Historismus erstellten Biographien prominenter europäischer Persönlichkeiten zurückgegriffen. Aus ihnen geht hier und da der Zusammenhang mit einer oder mehreren Akademien hervor. So lassen sich vielleicht peu à peu etliche Wissenslücken in diesem Bereich schließen und die Umrisse der Akademien sich abzeichnen. Sobald dieses Projekt allgemein wahrgenommen wird, beteiligen sich vielleicht der /die eine oder andere als Mitwirkende. So könnte das Zustandekommen beschleunigt werden.

*Howard Mayer Brown/Iain Fenlon in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians

Beachten Sie bitte, daß die Abfolge der Akademien bzw. akademieähnlichen Gruppierungen vom üblichen alphabetischen Schema abweicht, da hier ein Alphabet aus den jeweiligen Kernnamen gebildet wurde.