Accademia Platonica
dt. Platonische Akademie
1459/62 ─ 1522 Florenz

platoniker 240Marsilio Ficino, Cristoforo Landino,
Angelo Poliziano und Demetrios
Chalkondyles Wandgemälde (Ausschnitt)
von Domenico Ghirlandaio 1486/90 in der
Tornabuoni-Kapelle, Florenz
»Im Jahr 387 v. Chr. eröffnete er [Platon] in einem Garten seiner Heimatstadt eine Schule. Die nach seinem Tode als ´Platonische Akademie´ noch jahrhundertelang bestehen sollte. Hier unterrichtete er unentgeltlich einen sich allmählich sammelnden Kreis von Schülern«.
(Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. München 1963 S. 135)
»Der Legende nach soll Platon über der Tür zur Akademie in Athen die Anweisung haben anbringen lassen: Keiner, der nicht der Geometrie kundig ist, möge eintreten. Geometrie gehörte zu den vier Fächern des Quadriviums: Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik« (Bernd Roeck: Leonardo. München 2019)
Das Konzil von Florenz, einem Versuch einer Wiedervereinigung der Kirche, brachte byzantinische Gelehrte nach Florenz, darunter Γεώργιος Γεμιστός (Gemistos Plethon 1355/60 ─ 1452/54). Während in der Antike römische Intellektuelle zum Studium nach Athen gingen, brachte er das in Byzanz bewahrte antike Wissen nach Florenz, vorrangig das Œuvre Platons. Diese Mittlerfunktion gab den Anstoß, einen philosophischen Gesprächskreis zu bilden. Kernthema war die Ideenlehre Platons.
Die Auffassung von Geometrie war jedoch nicht so umrissen wie heutzutage, sondern unter Geometrie verstand man damals den Zugang zum Kosmos. Der philosophische Laie Cosimo I. de’Medici engagierte Marsilio Ficino als Leibarzt. Sie freundeten sich an, da sich beide für die Ideenlehre Platons interessierten. Cosimo öffnete das Zwiegespräch zur Gesprächsrunde durch weitere Laien sowie seine Söhne. Höhepunkt war die jährliche Feier des Geburtstags von Platon. Zu einer Schulbildung kam es nicht; aber das Beispiel machte Schule, zumal Auswärtige und Ausländer besuchsweise an den Sitzungen teilnehmen durften.
»In der Lehre des Ficino kommt dem Künstler wesentliche Bedeutung zu, da er durch seine gestalterische Kraft die Schönheit der von Gott geschaffenen Welt genauso erkennbar macht wie der die Gesetze der Natur erforschende Gelehrte«. (Fedja Anzelewsky: Dürer. Erlangen 1988 S. 69)
Die Gruppe ging in →Orti Oricellai auf.

Gründer
Marsilio Ficino (1435 ─ 1499) 
war Arzt und Philosoph, Anhänger des Neuplatonismus und später Bischof.

Mitbegründer
Cosimo I. de’Medici (1389 ─ 1464) 
wurde der Alte genannt.

Protektor
Lorenzo de’Medici (1449 ─ 1492) 
wurde der Prächtige genannt.

Teilnehmer
Donato Acciaiuoli (1429 ─ 1492) 
Schriftsteller

Pietro del Riccio Baldi / Pietro Baldi del Riccio *1474 
war Schüler von Poliziano.
Gentile de‘Becchi (1420/30 ─ 1497) 
war Lehrer von Lorenzo de’Medici, später Bischof von Arregio.
Bernardo Bembo (1433 ─ 1519) 
war Politiker, der um eine Beteiligung nachsuchte.
Amerigo Benci (nach 1431 ─ 1474) 
Sein Vater war ein enger Mitarbeiter von Cosimo de’Medici.
Tommaso Benci (1427 ─ 1470) 
war Bruder des oberen.
Giovanni Andrea Bussi 1417 ─ 1475 
arbeitete als Sekretär von Nikolaus von Cues.
Demetrios Chalkondyles (1423 ─ 1511) 
kam 1449 von Athen nach Perugia und lehrte dort Philosophie und Griechisch.
William Grocyn + 1519 
studierte Theologie in Oxford und 1485-90 in Florenz.
Cristoforo Landino (1425 ─ 1498) 
war Philosoph und Dichter.
Thomas Linacre ca. 1460 ─ 1524 
aus Canterbury studierte 1488-90 in Florenz und traf damals mit Poliziano und Chalcondyles zusammen.
Michelangelo Buonarrotti (1475 ─ 1564) 
war Bildhauer und Maler, er wurde von Lorenzo de‘Medici persönlich herangezogen
Giovanni Pico della Mirandola (1463 ─ 1494) 
studierte in Ferrara und Padua und kam 1486 nach Florenz.
Angelo Poliziano (1454 ─ 1494) 
wurde Hauslehrer von Lorenzo de’Medicis Sohn Piero und Poet.
Luigi Pulci (1432 Florenz ─ 1492) 
war ein
burlesker Poet.

Besucher
Johannes Reuchlin (1455 ─ 1522) 
1495 und 1498

Bildnachweis
wikipedia.org/wiki/Domenico_Ghirlandaio#/media/File:Angel_Appearing_to_Zacharias_(detail)_-_1486-90.JPG (3.5.2020)


Accademia dei Pellegrini
dt. der Pilger

1549 ─ 1595 Venedig

Ausgangspunkt waren sechs Intellektuelle mit Auslandserfahrung, teilweise waren sie vorher schon in anderen Gruppen vertreten. Ihr Leitbild war der Wanderfalke. Auf ihrem Siegel stand die Devise FINIVNT PARITER RENOVANTQUE LABOREI (Sie beenden die Arbeit und machen sie zugleich aufs Neue). 
Paris Bordone (1500 ─ 1571) bezeichnete sich als Gründer und gab drei ´Ratgeber´ bzw. Vorbilder vor: den Viandante/Wanderer, den Pellegrino/Pilger und den Romeo. Für jeden ´Pilger´ galt das Motto: Tendanda via est = Der Versuch ist der Weg. Untereinander benutzen sie Decknamen wie Dubbioso, Disparato, Sbandito u.a.
Doni entwickelte hochfliegende Pläne, in die er ganz Europa: Deutschland, Frankreich, Spanien u.a. einbezog. Darüber wollte er mit den Fürsten der Großmächte verhandeln. Im abgelegenen Arca Petrarca schwebte ihm ein Theater vor, das mit einer Marmorgalerie von Statuen berühmter italienischer Dichter versehen werden sollte. Dazu versuchte er junge Patrizier zu begeistern, die er als Schriftsteller ausbildete. Einmal schien es ihm zu gelingen, Alfonso II. d’Este als Sponsor für eine würdige Tomba Petrarca zu gewinnen. Doch auch dieses kleinere Projekt wurde nicht verwirklicht. Dennoch hatte die Akademie eine lange Lebensdauer.
Doni richtete eine Presse ein, in der u.a. zwei Schriften von ihm gedruckt wurden.
1694 wurde in Rom in den Räumen der Accademia degli Infecondi eine gleichlautende Akademie gegründet.

Mitbegründer
Ercole Bentivoglio 1507 ─ 1973
schrieb Satiren und ´Sogno amoroso´.
Francesco Coccio + nach 1557
war Drucker und Übersetzer.
Lodovico Dolce 1508 ─ 1568
veröffentlichte 1557 das Werk ´L’Aretino´.
Anton Francesco Doni 1513 ─ 1574 Fr.D.oct.4863
war Mönch bzw. Kleriker und studierte in Florenz Jura. Ihm wurde ein ´ingegno bizzaro´ nachgesagt. Doni stieß mit der Erfahrung der →Accademia degli Ortolani I zu der Gruppe. 1568 veröffentlichte er die Schrift: MondiCelesti, Terresti et Infernali, worin er die Gruppe beschrieb.
Giason de Nores ca. 1530 auf Zypern ─ 1590
war als Aristoteliker Privatgelehrter und stiftete Stipendien für mittelose Studenten.
Francesco Sansovino Tatti 1486 ─ 1570
wurde einer der führenden Architekten seiner Zeit.

Teilnehmer
PellegriniTitelblatt der Rime di Madonna Gaspara
Stampa. 1554
Giulio Camillo

Bernardino Feliciano
Domizio Gavardi
Paolo Giaxieh
stammte aus Zara.
Francesco Marcolini ca. 1500 ─ 1559
wurde als Buchdrucker Sekretär der Akademie.
Jacopo Nardi
Sebastiano Serlio 1475 ─ 1554
war ein namhafter Architekt und zeitweilig in Frankreich tätig.
Gaspara Stampa 1523 ─ 1554
Ihre´ Rime´ wurden erst posthum veröffentlicht.
Filippo Terzi
Tiziano Vecelli 1476/77 ─ 1489/90
wurde einer der bedeutendsten Porträtisten in Venedig.
Ema Vico 1523 ─ 1567
war Schriftsteller.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30

Bildnachweis
wikipedia.org/wiki/Gaspara_Stampa#/media/File:Rime_di_Madonna_Gaspara_Stampa_(1554).jpg (2.12.2020)



La Pléiade
dt. Siebengestirn
auch: La Brigade
1549/1556 Paris

Der informelle Dichterkreis »hat aus der antiken und italienischen Literatur geschöpft und versucht, diese nachzuahmen, jedoch ─ und das ist das Neue ─ in der eigenen Sprache der Zeit« (Edwin Klingner). »Gegenüber den lateinisch schreibenden Humanisten hat sich die Gruppe der Pléiade um die Durchsetzung des Französischen als Literatursprache verdient gemacht, dessen Ausdrucksvermögen sie zu erweitern suchte« (H. Vondrášková S. 58). Das mittelalterliche Volkstheater verachteten sie. Die anfänglichen Dramen basierten daher auf griechischen und lateinischen Vorlagen.
La Pléiade trat mit einem Manifest hervor: La défense et illustration de la langue française (Verteidigung und Verherrlichung der französischen Sprache), das als Vorwort zur ersten gemeinsamen Anthologie erschien. Es geht auf Jean du Bellay zurück. Bloße Verskunst wie in der höfischen Poesie lehnten sie ab. Sie waren bestrebt, in allen antiken Gattungen aktiv zu sein und im Sonett.
Die Gruppe blieb bei der Anzahl von sieben, weil sie sich auf das Sternbild bezog sowie eine antike Dichtergruppe in Alexandria.

Beteiligte
Jean-Antoine de Baïf 1532 ─ 1589
war der Sohn eines Diplomaten, sehr gebildet und eiferte Vergil nach. Er war mit Pierre de Ronsard befreundet. Zusammen mit dem Komponisten Joachim Thibault de Courville und de Ronsard bildete er in Paris die →Académie de musique et de poésie.
Joaquim du Bellay 1522 ─ 1560
knüpfte an Petrarca an und bildete den Kopf der Gruppe. Bei einem Romaufenthalt entstand seine erste Sonettsammlung ´Les antiquités de Rome´. Es gelang du Bellay, eine philosophische Kunstlyrik zu schaffen.
Remy Belleau 1528 ─ 1577
war von Jean Dorat ausgebildet und war für die Familie Guise tätig. Er trat als Übersetzer griechischer Lyrik hervor.
Jean Dorat 1508 ─ 1588
war ein Humanist und Hauslehrer bei de Baïf.
Étienne Jodelle 1532 ─ 1573
war Dramatiker. Von ihm stammt die erste französische Tragödie mit antikem Stoff ´Cleópâtre captive´. Bei seinen Komödien orientierte er sich an Plautus und Terenz.
Pierre de Ronsard 1524 ─ 1585
war Petrarkist und konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht Höfling werden. In seinen Gedichten verherrlichte er die Monarchie und war bestürzt über die Zerreißprobe des Konfessionsstreits. Er veröffentlichte u.a. einen Diskurs ´Les misères de ce temps´.
Pontus de Tyard 1512 ─ 1605
war Kleriker und Petrarkist, 1578 wurde er Bischof von Chalons-sur Saône. 1587 erschien sein ´Discours philosophique´.

Literatur
H. Vondrášková. In: Französische Literatur im Überblick. Leipzig 1977


Collegium poetarum et mathematicorum
dt. Kolleg der Dichter und Mathematiker
1502 ─ ca. 1508 Wien

poetarumHans Burgkmair d. Ä.: Konrad Celtis.
Holzschnitt 1507


Kaiser Maximilian I. war von dem Humanisten Konrad Celtis so angetan, der von seinem Vater Friedrich III. zum poeta laureatus gekrönt worden war, daß er neben der alten Universität, die noch scholastisch orientiert war, dieses Collegium installierte. »Das von Celtis konzipierte Programm verbindet mittelalterliche und neuplatonische Elemente« (Franz Machilek S. 105).

1502 schuf Albrecht Dürer den Holzschnitt Die Philosophie (B 130) als Illustration für Celtis‘ Publikation Quatuor libri amorum. »Die thronende Philosophia hatte für Celtis programmatische Bedeutung und erscheint… geeignet, eine Vorstellung des Celtischen Humanismusverständnis zu geben« (Franz Machilek S. 103). Darin ist von den SAPIENTES GERMANORUM mit einem Halbportrait des ALBERTVS (Albertus Magnus)und rechts gegenüber von GRECORUM PHILOSOPHI mit einem Bildnis von Plato die Rede.
Das Collegium bestand aus zwei Lehrstühlen: für Poetik und für Mathematik. Ersteren hatte Celtis inne, letztere Vincenz Lang. »Das Kolleg erhielt das Recht, den akademischen Grad eines ´poeta laureatus´ zu verleihen« (Franz Machilek). Celtis war jedoch dominant, weswegen das Collegium nach Celtis Tod zwar weiter existierte, aber 1530 durch Ferdinand I. in die Universität integriert wurde. Bedeutsam war der Modellcharakter: 1518 wurde von Jeroen van Busleyden das legendäre Collegium trilingue in Leuven gegründet, und 1530 entstand das College de France in Paris.

Initiatorpoetarum-IIAlbrecht Dürer:Thronende Philosophie.
Holzschnitt. Der Musenquell wird von
neun musizierenden Musen gespeist.
Die Philosophie befindet sich bei den
7 freien Künsten (unter der Brunnenschale)

Konrad Celtis / Protucius (ca. 1465 ─ 1524) 
wurde
1487 von Kaiser Friedrich III. als erster Deutscher zum poeta laureatus gekrönt worden.

Teilnehmer
Vincenz Lang (+ 1502) 
war
Professor für Mathematik.
Thomas Resch / Velocianus 
wurde
1504 zum poeta laureatus gekrönt.
Andreas Stiborius (ca. 1464 ─ 1515) 
war Theologe und Mathematiker.
Georg Tanstetter (1482 ─ 1535) 
war Professor für Angewandte Mathematik, königlicher Leibarzt. 1512/13 Rektor der Universität Wien.

Literatur
Dürer. Das graphische Werk. Wien/München 1964
Franz Machilek. In: Martin Luther und die Reformation in Deutschland. Frankfurt 1983
Bildnachweis
wikipedia.org/wiki/Conrad_Celtis (5.5.2020)
.wikipedia.org/wiki/Poetenkolleg#/media/Datei:Burgkmair_Reichsadler_mit_Collegium_poetarum.jpg (12.5.2020)


Accademia Pontaniana
dt. von Pontana
1471 ─ 1543 Neapel

Accademia-PontanianaJahrzehntelang bildeten Antonio Beccadelli und Giovanni Pontano den Kern der Accademia Panormita (→ Accademia Porticus Antoniana). Als Beccadelli 1471 starb, passte Pontano den Gruppennamen an, der über den Tod Pontanos 1503 erhalten blieb und lt. Statuten von 1972 neu als staatliche Akademie in fünf Klassen weiterhin existiert, die Wissenschaften, Literatur und Kunst kultiviert.
1501-1504 gab es kriegsbedingt eine Unterbrechung der Gruppenaktivität.
Wie im Humanismus üblich, gab sich die Gruppe eine Devise: Avdet redire virtvs (dt. Die Tugend wagt es zurückzugehen). Damit spielte die Gruppe auf das humanistische Prinzip an, zu den philologischen Quellen zurückzugehen. Die bildliche Vorstellung des Wilden Manns scheint auf die vorchristliche, antike Welt anzuspielen, die das Thema der Gruppe bildete.

Leiter
Giovanni Pontano / Gioviano 1429 ─ 1503 
war Berater des Königs von Neapel und Diplomat. Er publizierte zahlreiche neulateinische Gedichtsammlungen.
»Er ist einer der ganz wenigen Humanisten, die sich nie in bittere Polemiken  verstricken läßt und der von den unterschiedlichsten ZHeitgenossen sowohl für seine Werke als auch für seinen Chayrakter und seine Umgangsformen rückhaltlos gepriesen wird« (Tobias Roth: Welt der Renaissance. Berlin 2020 S. 185).

Teilnehmer
Girolamo Britonio ca, 1491 ─ 1550 
war Hausdichter der Familie Avalos (u.a. Costanza d’Avalos und Vittoria Colonna) und ab 1503 am Hof von Salerno.
Giovanni Francesco Caracciolo 1437 ─ 1506 
gehörte zum Zirkel um Isabella d’Aragon.
Benedetto Cariteo 1450 ─ 1514 
war Spezialist für das Provencal und mit Sannazzaro befreundet.
Antonio de Ferrariis 1444 ─ 1517
studierte Medizin in Nardò.
Pietro Iacopo de Gennaro ca. 1436 ─ 1508 
Poet, um 1482 capitano von Cosenza und verwaltete 1487-95 Cosenza sowie ab 1497 auch die Basilicata.
Aulo Giano Parrasio / Aulus Janus Parrhasius / Cosentius 1470 ─ 1522 
war Philologe und Griechischlehrer.
Giuliano de Perleoni / Rustico Romano ca.1440 ─ ca. 1500 
war Mitglied der →Accademia Romana und floh 1468 infolge der Schließung nach Neapel.
Jacopo Sannazaro / Actius Sincerus 1458 ─ 1530 
war ein erfolgreicher Poet am Hof von Neapel.
Iacopo Tolomei / Dionisotti ca. 1400/40 ─ 1491 
war als Poet an Dante und Petrarca orientiert.


Accademia Porticus Antoniana

dt. vom Porticus des Antonius
1458 ─ 1494 Neapel (1501 ─ 1504 kriegsbedingt unterbrochen)

Als Antonio Beccadelli 1434 vom bon roi René (1409 ─ 1480) als Berater und Diplomat engagiert wurde, begann er, interessierte Höflinge und Humanisten um sich dort zu versammeln. Auch der Sohn des kunstsinnigen Königs Alfonso I nahm daran teil.
Die Gruppierung heißt nach dem ursprünglichen Versammlungsort. Später setzte sich ein anderer Name durch: Accademia Panormita, der sich auf die Herkunft Beccadellis bezog.

Gründer
Antonio Beccadelli / Il Panormita (aus Palermo) 1394 ─ 1471  absolvierte ein vielseitiges humanistisches Studium. Er hielt sich in Padua, Florenz, Siena, Bologna (Jura) und Pavia auf. Von den antiken Autoren lag ihm vor allem der Lustspieldichter Plautus. 1425 dedizierte er Cosimo de’Medici seine Sammlung von satirischen Epigrammen Hermaphroditus. Hofdichter des Herzogs Filippo Maria Visconti in Mailand 1429, ab 1434 am Hof des Königs Alfonso d’Aragon in Neapel Historiograph und Erzieher seiner Kinder. Intellektueller Gegner von Lorenzo Valla.

Teilnehmer
Ferrante d’Aragon 1448 ─ 1495 
war Nachfolger des für seinen Kunstsinn berühmten Vaters Alfonso I., erzogen von Beccadelli und Pontano.
Giovanni Pontano / Gioviano 1429 ─ 1503 
war Berater des Königs von Neapel und Diplomat. Er publizierte zahlreiche neulateinische Gedichtsammlungen.
Jacopo Sannazaro / Actius Syncerus 1457/58 ─ 1530 
war Grundbesitzer und Dichter.


Accademia Reale Letteraria
dt. königlich-literarische
1678 Torino

Diese Akademie ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit sich Begriff bereits in zwei Jahrhunderten vom Ursprung entfernt hatte. Das Herzogtum Savoyen ragte von Frankreich her in das Gebiet von Piemont und dadurch ins italienische Sprachgebiet hinein. Somit ergab sich eine sprachliche Rivalität. Außerdem war der ´Gärungsprozeß´ der italienischen Sprache noch nicht abgeschlossen; es ging damals um mehr ´brutte´ oder mehr ´belle´. Bei Leichenfeiern kam das Problem besonders zutage.
In dieser Situation ergriff die Regentin Maria Giovanna Battista di Savoia-Nemours (1644─1724) die Initiative, »Ordnung zu schaffen«, und erließ ein Dekret für eine literarische Akademie. Sie regierte um die Zeit noch als Vormund für ihren Sohn Vittorio Amedeo II. Mit ihrem wortreichen Dekret wollte sie offenbar Bürgerbeteiligung vortäuschen und benutzte dazu das Etikett ´Akademie´ und delegierte dazu Höflinge.
Die Devise der Akademie lautete: LINGUIS UNA DUABUS (Aus zwei Sprachen eins).

Beteiligte
Carlos Filiberto d’Este, Graf Donero 1649 ─ 1703
war als Höfling Berater der Regentin.
Pietro Gioffredo 1629 ─ 1692
war ein Historiker und Experte der Regentin. Er stellte in Form eines veröffentlichten Epigramms das Problem dar (charakteristischerweise auf Latein) und riet zum Sich-Arrangieren.
Gabriele Pastorello
war Künstler und wurde neben anderen in dem Drama ´Il Poeta Disperato´ von Francesco Morlacchi auf diue Bühne gebracht. Er schrieb den Diskurs ´Che i bruti raggionano´.
Carlo Tana di Entraque
war von Adel und Höfling in Turin.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30