Erfurter Humanistenkreis
nachträglicher Name
1514 ─ 1526 Erfurt

Der in Italien ausgebildete Poetiklehrer Heinrich Boger (+1505) hatte den Boden vorbereitet.
Unter den Erfurter Kommilitonen bildete sich an der Universität ein Freundeskreis; ihr verbindendes Element bestand im faible für neulateinische Dichtung. Eobanus Hesse, »der „König der Poeten“ scharte dort Gleichgesinnte um sich, man zechte, las sich seine lateinischen Dichtungen vor, pflegte eine mal mehr, mal weniger tiefsinnige Geselligkeit« (Steffen Raßloff*). Von Eobanus Hesses publizistischem Erfolg profitierte die Gruppe und zog weitere Beteiligte an, von denen einige sich im späteren Konfessionsstreit profilierten: Hutten für die Reformation, Emser dagegen trat als heftiger Gegner Luthers an der Seite von Dr. Eck auf.

Gründer
Helius Eobanus Hesse 1488 ─ 1540
wurde von einem Zisterzienserabt erzogen und studierte in Erfurt. Maternus Pistoris führte ihn in die lateinische Poesie ein. Crotus Rubianus förderte ihn frühzeitig. Schon 1505 wurde eines seiner Studentengedichte gedruckt. 1509 Magister
Teilnehmer
Johann Bonemilch
Euricus Cordus 1484 ─ 1535
ab 1516 Rektor der Lateinschule in Erfurt. Freund von Mutianus
Johannes Crotus Rubianus 1480 ─ ca. 1545
Studium in Erfurt und befreundet mit Ulrich von Hutten. 1510 Leiter der Klosterschule in Fulda, Unterstützer Reuchlins
Heinrich Eberbach
Peter Eberbach
war ein Freund von Mutianus.
Hieronymus Emser 1479 ─ 1527
überarbeitete für Georg von Sachsen das Neue Testament in Luthers Übersetzung, indem er es der altkirchlichen Auffassung der Vulgata anglich.
Ulrich von Hutten 1488 ─ 1523
führender Vertreter der fränkischen Ritterschaft. Er gehörte der Hofgesellschaft des Kardinals Albrecht von Brandenburg an. 1517 poeta laureatus
Justus Jonas 1493 ─ 1555
Jurist, mit 16 Jahren Magister, nachgeholtes Theologiestudium. Kanoniker an St. Severin. Rektor der Universität 1519
Johann Lang + 1548
1508 Priester. Studium in Erfurt und Wittenberg, danach Lektor an der Universität. Er nahm teil an der Leipziger Disputation.
Herbort von der Marthen ca. 1480 ─ 1529
Humanist und Jurist. 1515 Rektor der Universität Erfurt. Kaiserlicher Rat. Freund von Mutianus
Conradus Mutianus Rufus 1470 ─ 1526
enge Zusammenarbeit mit Eobanus Hesse, befreundet mit Jonas
Georgius Spalatinus 1484 ─ 1545
Ausbildung an der Lateinschule in Nürnberg und Studium an der Universität Erfurt. Freund von Mutianus. 1502 ging er an die neugegründete Universität Wittenberg
Henricus Urbanus + 1538
Zisterzienser-Prokurator. Freund von Mutianus und Spalatin
Literatur
*erfurt-web.de/Dunkelmännerbriefe_Erfurter_Humanistenkreis(10.5.2020)
Briefe von Dunkelmännern. Berlin 1964


Accademia Ferrarese

dt. von Ferrara
1570 ─ 1590 Ferrara

Ferrara-002Andrea Bonzoni: Das Zentrum von Ferrara.
Stich von 1747
Ferrara gehörte unter der Herzogsfamilie d’Este zu den Höfen in Italien, die sich im internationalen Wettbewerb um Spitzenmusiker bemühten und dadurch einen wichtigen Platz in der musikalischen Entwicklung Italiens einnahmen. Nur ist in diesem Fall die geschichtliche Überlieferung bedauerlicherweise lückenhaft. Innerhalb der Gruppe wurden Dispute über die imperfettioni della moderna musica geführt.

In dieser Akademie schlossen sich diejenigen Akteure zusammen, welche die Musik bei Hofe und im kirchlichen Bereich vom Herzog zu organisieren beauftragt waren. Bischof Rosetti beklagte sich aber auch, daß im Duomo manchmal la musica era debole sei. Bei kulturellen Veranstaltungen fanden diese meist in der Casa Putti statt bzw. im Palazzo Schifanoia.
Außerdem gab es eine Accademia della Morte, eine Laienvereinigung in Ferrara, welche die Musiker bei prominenten Beerdigungen und Pilgerfahrten organisierte. Hierzu wurden Musiker aus der höfischen Capella herangezogen.

Teilnehmer
Lodovico Agostini
1572 beteiligt
Pietro da Breda
Claudio Buisetti
Ippolito Fiorini/o c. 1549 ─ 1621
war eigentlich Lautenist, aber vor allem Komponist und maestro di capella
1594-97 übernahm Fiorino für die Accademia della Morte die Organisation und verfügte dabei über bis zu 26 Musikern.
Antonio Goretti ca. 1570
war Assistent des Organisten Luigi Mazzi und Komponist von Messen und Gesangspartien.
Paolo Isnardi
war von 15733 – 1596 beteiligt
Luzzasco Luzzaschi
Organist
Alfonso della Viola
bis 1572 beteiligt
Literatur
Paolo Fabbri in: Storia di Ferrara VI. Ferrara 2000 S. 358/59


Die Fruchtbringende Gesellschafft
auch: der fruchtbringende Palmbaum
1617 Köthen/Anhalt und Weimar

FruchtbringendePeter Ißelburg: Fruchtbringende Gesellschaft.
Der Kupferstich zeigt eine Sitzung.
Zeitlich ganz knapp vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges kam es in Mitteldeutschland zu einer erweiterten Adelsversammlung aus König Carl Gustav von Schweden, 3 Churfürsten, 49 Herzögen, 59 Fürsten, 60 Grafen, 8 Pfalzgrafen, 10 Landgrafen, 4 Markgrafen und 45 Baronen. Der Kern jedoch bestand aus 12 Personen, die sich spielerisch-ironische Gesellschaftsnamen gegeben hatten. Insgesamt werden ihr 527 Anhänger zugerechnet, die nicht alle höfisch waren. Ausgangspunkt war ein Gespräch über italienische Akademien gewesen.

Die Initiatoren waren der Ansicht, die deutsche Sprache so verdorben und müsse gereinigt werden, vor allem von fremdländischen Ausdrücken. »… die Membra sich äusserst angelegene seyn lassen, die teutsche Sprache, von ihren Fehlern zu reinigen, und emporzuheben« (Zedler). Damals brachte Teutleben das Gespräch auf die Gefährdung der deutschen Sprache durch das Französische. »Er schlug vor, daß sich nach italienischem Muster eine Gesellschaft bilden möge, an deren Spitze ein deutscher Fürst als Vorsitzender trete, und die lediglich den Zweck haben sollte, die deutsche Sprache gegen fremdländische Einflüsse zu schützen« (Allgemeine Deutsche Biographie).
Auch die Orthographie sollte vereinheitlicht werden. Wolfgang Ratkes Appell, eines Pädagogen auf dem Frankfurter Reichstag 1612, zeigte Wirkung. frucht-farbigGesellschaftsschild der Fruchtbringenden
Gesellschaft: Palmenhain »Devise und
Wappen durften nicht fehlen. Es war der
Palmbaum mit der Umschrift „Alles zu
Nutzen“. Das allegorische Spiel mit Namen
und Sachen in der Blütezeiten hat Ludwig
von Anhalt, das Oberhaupt, in ein
gutgemeintes, aber groteskes Sonett gefaßt:
Kommt, lernt vom Palmbaum, Ihr, die Euch
begeben In die Gesellschaft wollt, wie Ihr
es stellet an, Daß Euch fruchtbringend
heiß‘ und halt ein Jedermann…«
(Werner Kohlschmidt S. 29).
Außerdem hatten die Beteiligten erkannt, daß die Zersplitterung der deutschen Lande diesen Prozeß befördert hatte und daß dringend gegengesteuert werden müsse. Sie trauten nur dem Mittelbau des Adels diese Durchsetzungskraft zu. Neben einem selbstgewählten Beinamen »sollte jedes Glied derselben sich von einem Baume, Pflantze, Blume oder andern Erd-Gewächse, ein Sinnbild erwählen« (Zedler).

Die Gesellschaft kam zwar zu Tafelrunden (u.a. auf Schloß Hornstein, genannt Wilhelmsburg) zusammen, führte aber auch untereinander ausgiebig Korrespondenzen (u.a. mit Auswärtigen wie J. Rist), die später veröffentlicht wurden. Die umfangreichen Akten lagern im Archiv in Weimar.

1.Vorsitzender
Wilhelm von Anhalt-Köthen, Herzog von Sachsen-Weimar 1598 ─ 1662
Birne / der Schmackhafte
2.Vorsitzender
August von Sachsen / der Wohlgerathene 1614 ─ 1680
übernahm 1662 den Vorsitz und war ab 1667 Administrator des Erzbistums Magdeburg. Nach seinem Tod erlahmte der Impuls der Gruppierung.
Teilnehmer
Ludwig von Anhalt-Köthen, Fürst / der Nährende 1579 ─ 1650
war Mitbegründer. Er stand sowohl mit → Crusca, als auch → Fiorentina in Kontakt.
Fürst Ludwig unterhielt eine eigene Druckerei, in der auch italienische Gedichte (T. Campanella u.a.) gedruckt wurden.
Sigmund von Birken 1626 ─ 1681
war Schriftsteller, Hofmeister und Übersetzer. Mitglied seit 1658. Seine publizistische Arbeit trug wesentlich zur Sprachförderung bei.
Hans Ernst von Borstel
stammte von einem Gut Borstel bei Hamburg.
Christoph zu Dohna / der Heilende 1583 ─ 1637
nach einem internationalen Studium wurde er Dipliomat.
Everwin von Droste zu Möllenbeck
der Labende 1592 ─ 1661 war zunächst Kammerjunker und Gutsherr bei Fürst Ludwig.
Friedrich Hortleder 1579 ─ 1640
war Erzieher der sächsischen Prinzen und später Hofrat.
Tobias Hübner / der Nutzbare 1578 ─ 1536
war Geheimer Rat in Dessau/Anhalt und Kursächsischer Geheimer Rat.
Friedrich von Kosboth / der Helfende 1630 ─ 1701
war Cammerrath in Weimar
Heinrich von Krage / der Gemästete 1583 ─ 1630
war Domherr in Halberstadt.
Christoph von Krosigk / der Wohlbekommende 1576 ─ 1638
wurde zum Hofmarschall in Dessau berufen.
Andreas von Randow / der Leimende *1580
war Hofmann in Dessau
Wolfgang Ratke 1571–1635
hatte als Pädagoge schon 1612 vor dem Frankfurter Reichstag für eine Sprachgesellschaft plädiert.
Johann Casimir von Sachsen-Coburg / der Durchdringende 1564 ─ 1633
regierte zusammen mit Johann Ernst in Sachsen-Weimar.
Albrecht von Sachsen-Eisenach / der Unansehnliche 1599 ─ 1644
war einige Jahre Regent in Eisenach.
Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg / der Bittersüße 1601 ─ 1675
wurde erzogen von Caspar von Teutleben und und Hofrat Friedrich Horetleder.
Bernhard von Sachsen-Weimar / der Austrucknende 1604 ─ 1639
war Heerführer im Dreißigjährigen Krieg.
Friedrich von Sachsen-Weimar
studierte an der Universität Jena, war Mitbegründer und wurde Heerführer im Dreißigjährigen Krieg.
Johann Ernst d.J. 1594 ─ 1626
übernahm 1615 die Regentschaft in Sachsen-Weimar und war Mitbegründer.
Johann Friedrich von Sachsen-Weimar / der Entzündete 1600 ─ 1628
war ´aus der Art geschlagen´ und wurde von seinen Brüdern verhaftet.
Caspar von Teutleben / der Mehlreiche 1576 ─ 1629
nahm die →Accademia della Crusca zum Vorbild und war Oberhofmarschall in Weimar.
Dietrich von dem Werder / der Vielgekrönte 1584 ─ 1657
war von Adel und lebte als Übersetzer (u.a., Torquato Tasso) und Liederdichter.
Curt Dietrich aus dem Winkel
weitere Teilnehmer bzw. Gäste
Johann Valentin Andreae 1586 ─ 1654
seit 1638 Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart. 1646 Mitglied der Gruppe
Johannes Rist / der Rüstige 1607–1667
war Pfarrer und Poet (→ Elbschwanenorden) in Wedel bei Hamburg.
Literatur
Allgemeine Deutsche Biographie. Berlin
Werner Kohlschmidt: Geschichte der Deutschen Literatur vom Barock bis zur Klassik. Stuttgart 1965
Johann Heinrich Zedler: Das Grosse vollständige Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste. Bd. IX Leipzig
Bildnachweis
wikipedia.org/wiki/Fruchtbringende_Gesellschaft#/media/Datei:FruchtbringendeGesellschaft.jpeg (14.9.2020)

Werner Kohlschmidt: Geschichte der Deutschen Literatur vom Barock bis zur Klassik. Stuttgart 1965

 
sodalitas litterarum Hungaria
dt. Ungarischer Freundschaftskreis
ca. 1517 ─ ca. 1520 Buda

1482 reiste Konrad Celtis nach Buda und traf sich mit dem ungarischen König Matthias Corvinus, einem Büchersammler und gebildeten Humanisten. 1486 hatte dieser den Bruder von Isabella d’Este aus Ferrara, Ippolito d’Este (1479 ─ 1520), zum Bischof von Gran ernannt. Beide Geschwister waren von namhaften Humanisten ausgebildet worden.
Celio Calcagnini begleitete den späteren Kardinal Ippolito d’Este als Berater ab 1517 und freundete sich mit einigen ungarischen Humanisten an.

Gründer
Celio Calcagnini (1479 ─ 1541)
lehrte Griechisch und Latein in Ferrara.
Teilnehmer
Sebestyen Mághy
Ferenc Perény (1498/99 ─ 1526 bei Mohacs gefallen)
László Szalkái (1475 ─ 1526 bei Mohacs gefallen)
Jakob Ziegler (+1549)
hatte bei Konrad Celtis in Ingolstadt studiert und kam 1514 nach Buda.


Accademia degli Infiammati
dt. der Entzündbaren
1540 ─ 1545/50 Padua

Es gab gemeinsame, abendliche Arbeitsessen mit gelehrten Gesprächen. Die Gruppierung setzte sich für die Volkssprache ein, wobei die lingua thoscana bevorzugt wurde.
Bei den sog. Lektionen wurden auch auswärtige Autoren wie Pietro Bembo bzw. Ariost und Antonio Forteguerri vorgelesen. Vergils Aeneis galt als großes Vorbild. Außerdem wurden Debatten über Sprache geführt.
Emblem der Gruppe war Herkules am Monte Olite/Oita in Flammen. Nach erfolgreichem Abschluß aller seiner Taten ließ sich Herkules auf einem Scheiterhaufen verbrennen und erreichte auf diese Weise die Unsterblichkeit.

Initiator
Sperone Speroni 1500 ─ 1588
war Philosoph, Mediziner und hatte den Lehrstuhl für Logik in Padua inne. Er schrieb 1546 die Tragödie Canace.
Teilnehmer
Luigi Alamanni 1495 ─ 1556
war ab 1559 Sekretär des Kardinals Ippolito d’Este und als Gegner der Medici längere Zeit in Frankreich.
Pietro Aretino 1492 ─ 1556
war Satiriker, Polemiker und Provokateur in Venedig.
Daniele Barbaro 1513 ─ 1570
war Politiker (Senator und u.a. podestà von Verona) und Wissenschaftler (insbesondere Optik). Er hatte Vitruv studiert und ließ zusammen mit seinem Bruder die Palladio-Villa Maser erbauen.
Angelo Beolco / el Ruzzante 1496 ─ 1542
war Gutsverwalter und Dramaturg. Er stand mit Pietro Bembo und Sperone Speroni in Verbindung.
Marcello Cervini 1501 ─ 1555
war Kardinalbibliothekar und 1555 kurzzeitig Papst Marcello II.
Galeazzo Gonzaga 1509 ─ 1562
hielt sic h lange am Hof in Ferrara auf und war um 1547 governatore von Modena.
Antonfrancesco Grazzini / il Lasca 1503 ─ 1584
Kaufmann, Poet und Dramatiker
Bartolomeo Lombardi
übersetzte zusammen mit Maggi die Poetik des Aristoteles.
Vincenzo Maggi ca. 1498 ─ 1564
war Philosoph und Übersetzer.
Niccolò Martelli 1498 ─ 1555
war Kaufmann und Literat.
Giovanni Mazzuoli da Strada / padre ca. 1480 ─ 1549
wurde volkstümlicher Schriftsteller und schrieb Spontan-Literatur. Als die Medici nach Florenz zurückkamen, wurde er provveditore von Pisa, stand im Dienst von Lucrezia de’Medici und arbeitete als Informant für Lorenzo de’Medici.
Leone Orsini 1512 ─ 1564
war Kleriker und ab 1525 Bischof von Fréjus.
Alessandro Piccolomini 1508 ─ 1578/79
war Kleriker und Astronom, publizierte und wurde später Titularerzbischof von Patras. Er hatte ab 1540 einen Lehrstuhl für Philosophie inne.
Bernardino Tomitano 1517 ─ 1576
trat als Cicero-Übersetzer für die lingua thoscana ein. Durch sein Studium war er Mediziner und Philosoph. Er las bis 1563 an der Universität in Padua über Aristoteles. Außerdem publizierte er über Kosmographie auf der Basis von Ptolemäus. 1554 geriet er in ein Verfahren bei der Inquisition, da man in einer anonymen Schrift ihn als Autor vermutete. Wohl deswegen erhielt er nicht den erhofften Lehrstuhl für Philosophie in Padua. Deshalb kehrte er nach Venedig zurück und praktizierte als Arzt. Er verfügt über eine lange Publikationsliste.
Benedetto Varchi 1502/03 ─ 1565
studierte, obwohl Florentiner, an den Universitäten Pisa, Padua und Bologna zum Notar. Er wurde als Schriftsteller von Piero Strozzi protegiert. Seine storia fiorentina war nicht im Sinne der Medici und wurde daher nicht gedruckt.
Literatur
Isabetta Selmi. In Dizionario Biografico Italiano. Roma


Accademia degl‘ Intronati
dt. der Betäubten
1525/27 ─ 1568/1603 Siena

Intronati-Siena Titzelblatt der Komödie von 1532Theaterliebhaber der Stadt taten sich zusammen und traten 1532 mit der Aufführung einer Komödie Gl’Ingannati (die Betrogenen) zu Ende der Karnevalszeit an die Öffentlichkeit. Am Text waren mehrere Autoren beteiligt, und das Spiel von der Gruppe selbst erarbeitet worden. Die Handlung spiegelte in gewisser Weise städtisches Leben wider.
Das Motto der Aufführung lautete meliora atent d.h. wohl das Bessere achten?
Höhepunkt war 1531 die kollektive Erarbeitung der an Plautus orientierten Komödie  L’ingannati, die Betrogenen. Der Holzschnitt enthält eine Schweinsblase, wohl weil diese gern zum Jux benutzt wurde. Ihr hinterlegt sind gekreuzte Schlägel d.h. hölzerne Hämmer.
Im Zuge der Gegenreformation erkannten die Jesuiten die Notwendigkeit, dem Geschmack der Bevölkerung durch volkstümliche Unterhaltung entgegenzukommen. Das Jesuitentheater ist sogar ein fester Begriff der Literaturgeschichte geworden.
In Erinnerung an die Akademie wurde von der Sieneser Bürgerschaft im 18.Jahrundert ein eigenes Theater errichtet und benannt Teatro Grande della Nobilisssima Accademia degl’Intronati.

Schirmherr
Ippolito de’Medici
wurde 1529 zum Kardinal erhoben.
Vorsitz
Marcello Cervini 1501 ─ 1555
war Kardinalbibliothekar und 1555 kurzzeitig Papst Marcello II.
Teilnehmer
Laura Battiferri Ammanati 1523 ─ 1589
war eine namhafte Poetin und Verfasserin von Sonetten. Sie setzte sich zunehmend für die Gegenreformation ein. Sie war mit dem Architekten Bartolomeo Ammanati verheiratet.
Girolamo Bargagli 1537 ─ 1612
war Dramatiker und Autor von La pellegrina. Dieses Stück wurde auch anläßlich der Medici-Hochzeit 1589 von den Teilnehmern der Gruppe in Florenz aufgeführt.
Elena Lucrezia Cornaro Piscopia 1646 ─ 1684
Girolamo Gigli / Economico 1660 ─ 1722
war zeitweilig Sekretär. Er schätzte Molière und schrieb über Caterina von Siena (→ Accesi. Crusca, Timidi).
Vincenzo Leonio 1650 ─ 1720
war als Petrarkist auch Librettist. Er hatte in Spoleto Philosophie, Grammatik und Rhetorik studiert.
Orazio Lombardelli / Sbigottito (der Betroffene/Bestürzte) ca. 1545 ─ 1608
schrieb Diskurse.
Alessandro Piccolomini 1508 ─ 1578
übersetzte Ovid, schrieb Komödien und veröffentlichte Sonette (→ Infiammati, Padua)
Adriano Politi 1542 ─ 1625
arbeitete als Sekretär bei verschiedenen Kardinälen und war zugleich Übersetzer und Lexikograph.
Claudio Tolomei / Adriano Franci 1492 ─ 1556
war als Drucker/Verleger und Schriftsteller Mitbegründer, beruflich jedoch Diplomat und Bischof von Curzola und Toulon.