Elbschwanenorden
1656 ─ ca. 1667 Wedel bei Hamburg (damals war Wedel dänisches Staatsgebiet.)

Der vielseitig interessierte und begabte Johannes Rist überstand, obwohl infiziert, eine Pestepidemie; er hatte Theaterblut. Es gelang ihm, Gleichgesinnte zu finden und mit ihnen Theater zu spielen. »Mitglied durften nur Männer werden, die der deutschen Sprache so mächtig waren, dass sie Gedichte schreiben konnten« (Stahn).Insofern handelt es sich überwiegend um korrespondierende Mitglieder.
Sein erstes Stück verfaßte Rist zusammen mit Ernst Stapel (s.u.). Er schrieb zeitnah, denn gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges veröffentlichte er das Stück Das Friedewünschende Teutschland und 1653 Das Friedejauchzende Teutschland. Insgesamt schrieb er 30 Stücke und fand für sein Projekt 46 Mitwirkende. »Rist`s Elbschwanenorden war an seine Person geknüpft und erlosch nach einem Jahrzehnt mit dem Tode dieses ersten eigentlichen Literaten der Barockzeit« (Werner Kohlschmidt S. 33).
2005 erfolgte die Neugründung des ´Ordens` durch den VDS (Verein Deutsche Sprache).

Gründer
Johannes Rist / Palatin 1607–1667 
Trotz des Dreißigjährigen Krieges absolvierte er sein breit angelegtes Studium - nicht nur Theologie, sondern auch orientalischen Sprachen, Botanik, Mathematik, Chemie und Heilkunde – und war als Pastor sowie als Poet tätig. 1653 wurde er zum ´poeta laureatus´ gekrönt (daher der Ehrenname). Anfangs schrieb er zusammen mit Ernst Stapel seine Theaterstücke und trat darin auch selbst als Schauspieler auf.


Teilnehmer
Daniel Bärholz / Philoclythus 1641 ─ 1688 
war Ratsherr und Poet.
Franz Joachim Burmeister / Sylvander  1633 ─ 1672 war Pastor und hat einige Kirchenlieder gedichtet.
Constantin Christian Dedekind / ConCorD 1628 ─ 1715 
war Poet und Komponist geistlicher Konzerte.
Michael Franck / Staurophilos 1609 ─ 1667
war Bäcker, aber auch ´poeta laureatus´ und Komponist. Von ihm stammt u.a.´ Ach wie flüchtig, ach wie nichtig…´
Georg Greflinger / Celadon ca. 1620 ─ 1677 
war ein Poet.
Conrad von Höveln / Candorin 1630 ─ 1689 
war ein Poet.
Friedrich Hofmann / Epigrammatocles
Martin von Kempe / Kleodor 1642 ─ 1683 
war Literarhistoriker, Dichter und Übersetzer.
Balthasar Kindermann / Kurandor 1636 ─ 1706 
war ein Poet. 
Mathäus Merian d. J. 1621 ─ 1687 
war Schüler von Jachim von Sandrart und führte das Unternehmen seines Vaters in Frankfurt fort.
Johannes Prätorius / Prophulidor 1630 ─ 1680 
war ein vielseitiger Schriftsteller.  
Gottfried Wilhelm Sacer / Hierophilo 1635 ─ 1699 
war ein evangelischer Liederdichter.

Jacob Schwieger / Philosophander ca. 1629 ─ 1663 
war sog. Schäferdichter. 
Ernst Stapel + 1635
befreundete sich mit Johannes Rist, als sie in Rostock zusammentrafen. J. Rist wurde sein Schwager und trug bei der Trauerfeier 1635 ein Klagegedicht über seinen Freund vor.
Johann Wilhelm von Stubenberg 1619 ─ 1663
war ein österreichischer Schriftsteller.
Jacob Sturm /Soliander

Gotthilf Treuer / Fidelidor 1632 ─ 1711 
war ein Poet.

Literatur
Werner Kohlschmidt: Geschichte der Deutschen Literatur vom Barock bis zur Klassik. Stuttgart 1965
L. Stahn: www.wedel.de/kultur-bildung/kuenstler-und-kunstfoerderer/johann-rist/rist-biographie (8.9.2020)


Accademia degli Elevati
auch: Accademia Elevatorum
dt. der Auserwählten
vor 1560 ─ ca.1565 Padua

Die Akademie wurde nicht gleichzeitig mit der in Ferrara gegründet. Sie bildete sich um den Kanoniker Scardeone, der das Werk De Antiqvitate Vrbis Patavii erarbeitete, das 1560 in Basel gedruckt wurde. Wahrscheinlich hat es weitere Buchprojekte gegeben; darüber liegen aber keine Mitteilungen vor. Die Devise der Gruppe lautete mit Bezug auf Petrarca: Levan di terra al ciel nostro intelletto.
Die Akademie bestand aus einem Zusammenschluß von Adligen und Patriziern der Stadt. Die Gesamtmitgliederliste wird in der Biblioteca Communale aufbewahrt.

Protektor
Marco Mantoa

Principe
Bartolommeo Zacco

Teilnehmer
Albertino Barisoni + 1667
war Prälat und ab 1553 Bischof von Ceneda.
Francesco Capodivacca
Ottonello Descalzo
war der Neffe von Conte Giacomo Zabarella.
Benedetto Dottori
Gaspare Fabiano
Giovanni Fasolo
war Professor für Rhetorik in Padua.
Gianfrancesco Mussato
Aus Anlaß seines Todes gab es Grabreden.
Girolamo da Panico, Conte +1558
war ein paduanischer Poet, Musiker und Münzsammler. Es existiert eine bronzene Bildnismedaille von ihm.
Bartolommeo Salvatico
Bernardino Scardeone 1478 ─ 1574
war Kanoniker und arbeitete an seinem oben genannten Werk.
Sperone Speroni 1500 ─ 1588
war nur in der Gründungsphase beteiligt und ging nach Rom. Der Humanist arbeitete über Vergil und Ariost.
Bernardino Tomitano 1517 ─ 1576
wurde Professor für Poetik in Padua.
Bernardino Trevisano, Conte
war Professor für Mathematik in Padua.
Giacomo Zabarella, Conte 1533 ─ 1589
hatte einen Lehrstuhl für Logik und Philosophie inne.
Bartolomeo Zacco
war später Präses der Akademie.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Erfurter Humanistenkreis
nachträglicher Name
1514 ─ 1526 Erfurt

Der in Italien ausgebildete Poetiklehrer Heinrich Boger (+1505) hatte den Boden vorbereitet.
Unter den Erfurter Kommilitonen bildete sich an der Universität ein Freundeskreis; ihr verbindendes Element bestand im faible für neulateinische Dichtung. Eobanus Hesse, »der „König der Poeten“ scharte dort Gleichgesinnte um sich, man zechte, las sich seine lateinischen Dichtungen vor, pflegte eine mal mehr, mal weniger tiefsinnige Geselligkeit« (Steffen Raßloff*). Von Eobanus Hesses publizistischem Erfolg profitierte die Gruppe und zog weitere Beteiligte an, von denen einige sich im späteren Konfessionsstreit profilierten: Hutten für die Reformation, Emser dagegen trat als heftiger Gegner Luthers an der Seite von Dr. Eck auf.

Gründer
Helius Eobanus Hesse 1488 ─ 1540 
wurde von einem Zisterzienserabt erzogen und studierte in Erfurt. Maternus Pistoris führte ihn in die lateinische Poesie ein. Crotus Rubianus förderte ihn frühzeitig. Schon 1505 wurde eines seiner Studentengedichte gedruckt. 1509 Magister

Teilnehmer
Johann Bonemilch
Euricus Cordus 1484 ─ 1535 
ab 1516 Rektor der Lateinschule in Erfurt. Freund von Mutianus
Johannes Crotus Rubianus 1480 ─ ca. 1545 
Studium in Erfurt und befreundet mit Ulrich von Hutten. 1510 Leiter der Klosterschule in Fulda, Unterstützer Reuchlins
Heinrich Eberbach
Peter Eberbach 
war ein Freund von Mutianus.

Hieronymus Emser 1479 ─ 1527 
überarbeitete für Georg von Sachsen das Neue Testament in Luthers Übersetzung, indem er es der altkirchlichen Auffassung der Vulgata anglich.

Ulrich von Hutten 1488 ─ 1523 
war ein
führender Vertreter der fränkischen Ritterschaft. Er gehörte der Hofgesellschaft des Kardinals Albrecht von Brandenburg an. 1517 poeta laureatus
Justus Jonas 1493 ─ 1555 
war
Jurist, mit 16 Jahren Magister, nachgeholtes Theologiestudium. Kanoniker an St. Severin. Rektor der Universität 1519
Johann Lang + 1548 
war 1508 Priester. Studium in Erfurt und Wittenberg, danach Lektor an der Universität. Er nahm teil an der Leipziger Disputation.
Herbort von der Marthen ca. 1480 ─ 1529 
war Humanist und Jurist. 1515 Rektor der Universität Erfurt. Kaiserlicher Rat. Freund von Mutianus
Conradus Mutianus Rufus 1470 ─ 1526 
enge Zusammenarbeit mit Eobanus Hesse, befreundet mit Jonas
Georgius Spalatinus 1484 ─ 1545 
Ausbildung an der Lateinschule in Nürnberg und Studium an der Universität Erfurt. Freund von Mutianus. 1502 ging er an die neugegründete Universität Wittenberg
Henricus Urbanus + 1538 
war
Zisterzienser-Prokurator sowie Freund von Mutianus und Spalatin

Literatur
Briefe von Dunkelmännern. Berlin 1964
*erfurt-web.de/Dunkelmännerbriefe_Erfurter_Humanistenkreis(10.5.2020)


Accademia degli Ermatenaici
auch: Ermatena
ca. 1609 ─ ca. 1640 Mailand

Als Kardinal Federico Borromeo, der als ´gran letterato ecclesiastico´ galt und Cousin des Hl. Carlo Borromeo war, den Eindruck gewann, das Priesterseminar in Mailand befinde sich im Abstieg, ergriff er die Initiative für die Gründung einer Akademie. Dabei nahm er sich die → Accademia die Gelati in Bologna zum Vorbild und kaperte dazu den Namen von deren Theater ´Ermatena´. Auf diese Weise wollte er das Niveau des Seminars anheben, weil der Priesternachwuchs oft ungebildet war. Um dem Schliff zu geben, pfropfte er den Seminaristen die Antike auf. Auch bei dem Wappen der Schule griff er auf die Antike zurück: AMΦOIN ENEKA█. Der Leiter des Seminars war damals Gianpietro Puricelli.

Gründer
Federico Borromeo 1564 ─ 1631
wurde schon 1587 Kardinal. Er begründete die Biblioteca Ambrosiana.

Teilnehmer
Giulio Cesare Carcano
Pietro Francesco Casati*
Carlo9 Ceresoli*
Francesco Ferrari*
Carlo Francesco Invernitij*
Carlo Lampugnani*
Vitaliani Oldrati*
Carlo Francesco Orsini
Giovanni Pietro Puricelli
Giovanni Andrea Rho
Stefano Sclaterie*

*war in der ersten Anthologie vertreten.


Accademia degli Eterei
dt. die Ätherischen
1560/65 ─ ca. 1568 Padua

Die Animatoren waren 11 ´neueste´ Poeten; insgesamt aber 20 Mitbegründer. Bedauerlicherweise ist über die Aktivitäten wenig überliefert. Um 1567 wurde der Duchessa di Savoia ein Band ‚Rime degli Accadenici Eterei‘ überreicht.
Absicht der Gruppe war, den Petrarkismus à la veneto zu kreieren, d.h. sowohl lyrisch als auch musikalisch. Ihr Motto lautete: VICTOR SE TOLLIT AD AVRAS / Ein Sieger erhebt sich zum Himmel.
Auch Auswärtige aus Salò und Vicenza gehörten ihr an.

Vorsitzender
Scipione Gonzaga 1542 ─ 1593
war Kardinal und später Patriarch von Jerusalem. Er lud Guarini ein nach Padua. Mit Tasso war er eng befreundet.

Teilnehmer
Giovanandrea Anguillara 1517 ─ 1570
war Poet und als Übersetzer (u.a. Ovid) tätig.
Orazio Ariosto 1555 ─ 1593
war befreundet mit Tasso und schuf den Orlando furioso. Ab 1587 Kanoniker
Ridolfo Arlotti 1546 ─ 1613
war Sänger.
Annibale Buonagente
Orsina Cavaletta
war eine Sängerin an der Bühne in Ferrara.
Ottavio de‘Conti Capra
Jacopo Cornaro
Cesare Cremonini
war beruflich Philosoph (Aristoteliker) und betätigte sich als Dramaturg. Er schrieb La riforma di regno d’amore 1591.
Guido Galai
Vincenzo Gradenigo
Battista Guarini / Costante 1538 ─ 1612
war als Jurist zunächst Sekretär der Gruppe. Er hatte 1580 Erfolg mit seinem Stück Pastor fido. »Durch Il Pastor fido regte er eine bis zur Frz. Revolution andauernde Blüte der Pastoral-Dichtung an« (Rolf Fath). ─ Guarini las an der Universität Padua über Philosophie und Rhetorik und ging mit Kardinal Gonzaga nach Rom.
eFrancesco Molino
Lazzaro Mocenigo 1624 ─ 1657
Giovanfrancesco Mussato
Tarquinio Molza 1542 ─ 1617
war ein vielseitiger Sänger, Komponist und Poet.
Giuseppe de’Signori di Pertistagno
Stefano Santini
Gioacchino Scaino / Ioachyno Scayno
publizierte 1631 ´Decisiones´/ Entscheidungen (s. Abbildung).
Torquato Tasso 1544 ─ 1595
war am Hof der d’Este in Ferrara tätig und erfolgreich, u.a. durch sein Werk Il Gerusalemme liberata. Seit Frühjahr 1564 war er beteiligt.
Bernardino Tomitano 1517 ─ 1576
war Arzt und Aristoteles- und Cicero-Kenner sowie Poet in volgare.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30
wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4d/Scaino%2C_Gioacchino_–_Decisiones_Rotae_Bononiensis%2C_1631_–_BEIC_14143047.jpg (19.12.2020)


Accademia dei Fantastici
dt, der Fantasievollen
ca. 1625 ─ 17█Rom

Nach dem Ende der → Accademia dei Umoristi bestand der Wunsch nach einer neuen Formation für Literaten und Künstler. Diese Gruppierung löste die Accademia dei Umoristi ab und bestand vorwiegend aus Literaten. bei denen der Erneuerungswunsch stark war. Bedauerlicherweeie sind kaum Ajtivitäten bekannt geworden. Sie legten 1637 einen Sammelband ihrer Dichtung vor: Poesie degli Accademia dei Fantastici. Ihr Motto war: Quidlibet Audendi (wozu immer man Lust hat). Dementsprechend wurde die Gruppe zu einem Sammelbecken von sehr unterschiedlichen Literaten.

Teilnehmer
Claudio Achillini 1574 ─ 1640
wae ein vieleitiger Humanist: Philosoph´, Poet,Mathematiker, Theologe.
Francesco Balducci
Andrea Barbazza / il Ritoso
war vordem Anführer der ´Accademia dei Gelati´ in Bologna gewesen.
Benedetto Benedetti 1629/36
war Bischof von Caorle.

Francesco Benedetti
Antonio Bruni
Francesco Carducci
Giovanni Battista Caroli
Tiberio Ceuli
Paolo Cittadonio
Alfonso Confidati
war Poet.

Bernardo Evangelista
Giuseppe Ferretti
Girolamo Garopoli
Berlingherio Gessi 1563 ─ 1639
hatte eine eigene →´Accademia Gessiana´ gegründet.

Giovanni Battista Giobbe
Giovanni Antonio Goffredi
Lodovico Grignani
druckte 1637 eine Anthologie ´Poesie degli Accademia dei Fantastici di Roma´ und 1655 eine weitere unter dem Titel ´In lode d'Alesdsandro VII´.

Giacopo Guglielmi
Girolamo Laniana
Giovanni Martino Longo 
schuf 1637 ein programmatisches Madrigal.
P. M. Bonaventura Malvasia 1598 ─ 1666
Stefano Marini
Gabriel Marino

Giovanni Marzino Longo
lieferte ein programmatisches Madrigal.
Francesco Masucci
Giovanni Francesco Materdona
veröffentlichte 1711 in Venedig ´L'utile Spavento del Peccatore´.
Decio Mazze
i
Pietro Michiele
de Montereu

Cesare Panimolle
publizierte über Kirchenrecht.
Pietro Pannini
Francesco Paoli
Virginio Patriarchi
Giovanni Battista Piacenza

Bartolomeo Piazza 
trat 1625 mit dem Traktat ´Eusevologio Romano´ hervor.
Marco Piccarelli
Lodovico Prosperi
Napoleone Ricci
Benedetto Rivogli
publizierte zum Thema Pferdeballett.
Giovanni Maria de'Rossi
Giovanni Salzilli
war Poet und Übersetzer von Milton.
Scipione Santacroce, Duca di san Gemini 1681 ─ 1747
Vincenzo Maria Savarelli
Claudio Scoppa
Carlo Spada
Niccolò Strozzi + 1655
wurde Sekretär von Bischof Massini und danach von Kardinal Cesarini. Er verstand sich als Vermittler spanischer Dramen ins Toskanische. Durch Kardinal Mazzarin und Maria de'Medici stieg er zum regierenden Misnister in Florenz auf.
Anton Freancesco Tempestini
Fulvio Testi 1593 ─ 1646
war Diplomat für die Este sowie Poet.
Clemente Tosi

war Benediktinerabt. Nach einer Asien-Missionsreise 1669 publizierte er ´L'India Orientale´ 1678.
Giulio Cesare Valentini
Viviano Vellori
Vittorio Venturelli
 
Initiator 2. Phase
bzw. Wiederbegründer
Giuseppe Malatesta Garuffi 1649/55 ─ 1727 
warb um Maler und Poeten, konnte aber seine vollmundige Ankündigung nicht wahrmachen.
Durch seine Publikation ´L'Italia Accademica´ wurde er kulturgeschichtlich bedeutsam. Garuffi gab 1705-08 die Zeitschrift ´Il Genio de'Letterati´ heraus und versuchte eine erste Gesamtdarstellung der Akademien zu schreiben.

 
Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accadenmie d'Italia. Bologna 1926-30


Accademia Ferrarese

dt. von Ferrara
1570 ─ 1590

Ferrara-002Andrea Bonzoni: Das Zentrum von Ferrara.
Stich von 1747
Ferrara gehörte unter der Herzogsfamilie d’Este zu den Höfen in Italien, die sich im internationalen Wettbewerb um Spitzenmusiker bemühten und dadurch einen wichtigen Platz in der musikalischen Entwicklung Italiens einnahmen. Nur ist in diesem Fall die geschichtliche Überlieferung bedauerlicherweise lückenhaft. Innerhalb der Gruppe wurden Dispute über die imperfettioni della moderna musica geführt.
In dieser Akademie schlossen sich diejenigen Akteure zusammen, welche die Musik bei Hofe und im kirchlichen Bereich vom Herzog zu organisieren beauftragt waren. Bischof Rosetti beklagte sich aber auch, daß im Duomo manchmal la musica era debole sei. Bei kulturellen Veranstaltungen fanden diese meist in der Casa Putti statt bzw. im Palazzo Schifanoia.
Außerdem gab es eine Accademia della Morte, eine Laienvereinigung in Ferrara, welche die Musiker bei prominenten Beerdigungen und Pilgerfahrten organisierte. Hierzu wurden Musiker aus der höfischen Capella herangezogen.

Teilnehmer
Lodovico Agostini
war 1572 beteiligt.
Pietro da Breda
Claudio Buisetti
Ippolito Fiorini/o c. 1549 ─ 1621 
war eigentlich Lautenist, aber vor allem Komponist und maestro di capella.
1594-97 übernahm Fiorino für die Accademia della Morte die Organisation und verfügte dabei über bis zu 26 Musiker.
Antonio Goretti ca. 1570 
war Assistent des Organisten Luigi Mazzi und Komponist von Messen und Gesangspartien.
Paolo Isnardi
war von 15733 – 1596 beteiligt
Luzzasco Luzzaschi
war
Organist.
Alfonso della Viola
war
bis 1572 beteiligt.

Literatur
Paolo Fabbri in: Storia di Ferrara VI. Ferrara 2000 S. 358/59


Accademia dei Filarmonici
ca. 1480 Bologna

Der Nährboden für diese noch heute bestehende Lehr-Institution wurden geschaffen, als nach 1420 die Universität, die älteste in Europa, einen Lehrstuhl für Musiktheorie einrichtete. Dazu berief sie aus Salamanca Bartolomé Ramos de Pareja (ca. 1440 ─ ca. 1521). Dieser schrieb 1482 die ´Música práctica´ zusammen mit seinem Kommilitonen Giovanni Spartaro. Sie brachen mit dem pythagoreischen System.
Um diesen bildete sich ein Kreis, über dessen Aktivitäten leider kaum Informationen vorliegen. Ramos de Pareja siedelte 1484 nach Rom über.
Im 17.Jahrhundert wurde die Akademie mit dem Schulbetrieb der Collegiata di S. Petronio zusammengelegt.

Teilnehmer
Gian Maria Artusi ca. 1540 ─ 1613
wurde von Zarlino ausgebildet und komponierte mehrstimmige Canzonette.
Ercole Bottrigari 1531 ─ 1612
war vielseitig tätig als Architekt, Mathematiker und Poet. Er veröffentlichte Madrigale und hatte Kontakt mit Tasso und Zarlino.
Giovanni Spartaro 1458 ─ 1541
publizierte 1482 zusammen mit Ramos de Pareja ´Música práctica´.
Bartolomeo Spontone 1530 ─ 1592
studierte in Rom, war Sänger und wurde maestro die Capella an S. Petronio in Bologna.
Lodovico Spontone 1555 ─ 1609

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia dei Filarmonici
ca. 1480 Bologna

Der Nährboden für diese noch heute bestehende Lehr-Institution wurden geschaffen, als nach 1420 die Universität, die älteste in Europa, einen Lehrstuhl für Musiktheorie einrichtete. Dazu berief sie aus Salamanca Bartolomé Ramos de Pareja (ca. 1440 ─ ca. 1521). Dieser schrieb 1482 die ´Música práctica´ zusammen mit seinem Kommilitonen Giovanni Spartaro. Sie brachen mit dem pythagoreischen System.
Um diesen bildete sich ein Kreis, über dessen Aktivitäten leider kaum Informationen vorliegen. Ramos de Pareja siedelte 1484 nach Rom über.
Im 17.Jahrhundert wurde die Akademie mit dem Schulbetrieb der Collegiata di S. Petronio zusammengelegt.

Teilnehmer
Gian Maria Artusi ca. 1540 ─ 1613
wurde von Zarlino ausgebildet und komponierte mehrstimmige Canzonette.
Ercole Bottrigari 1531 ─ 1612
war vielseitig tätig als Architekt, Mathematiker und Poet. Er veröffentlichte Madrigale und hatte Kontakt mit Tasso und Zarlino.
Giovanni Spartaro 1458 ─ 1541
publizierte 1482 zusammen mit Ramos de Pareja ´Música práctica´.
Bartolomeo Spontone 1530 ─ 1592
studierte in Rom, war Sänger und wurde maestro die Capella an S. Petronio in Bologna.
Lodovico Spontone 1555 ─ 1609

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30



Camerata Fiorentina

dt. Florentiner Camerata
1573 ─ 1587 Florenz

Der Kreis von Florentiner Prominenten, die z. T. bereits in der →Accademia degli Alterati zusammengearbeitet hatte, beschäftigte sich mit antiker Musik. Sie hatten die Vorstellung, »einer Wiederbelebung der griechischen Tragödie. Die Musik sollte dabei auf monodische Weiser zur Hebung des Textes beitragen, Rhythmus und Melodie sich der Sprache anpassen. Galilei schloß sich Girolamo Meis Theorie an, daß die antiken Dramen durchgehend gesungen wurden.

Gründer
Giovanni Bardi, Conte di Vernio 1534 ─ 1612
war Cembalist und stellte sein Haus für die Treffen zur Verfügung; 1592 ging er nach Rom.

Teilnehmer
Giulio Caccini 1551 ─ 1618
war Gesangslehrer.
Gabriele Chiabrera 1552 ─ 1638
war ein Poet, der sich an Anacreon und Pindar orientierte.
Jacopo Corsi 1561 ─ 1602
förderte Komponisten und löste Bardi ab.
Vincenzo Galilei ca. 1520 ─ 1591
war Musiktheoretiker und Komponist von Madrigalen, Lautensätzen und Monodien. Er legte 1581 den ´Dialogo della musica antica e moderna´ vor. Sein Sohn war der berühmte Astronom.
Jacopo Peri 1561 ─ 1633
komponierte Opern und Kantaten. Er vertonte Rinuccinis Oper ´La Dafne´.
Ottavio Rinuccini 1562 ─ 1621
war Poet und Librettist u.a. der Oper ´La Dafne´. Ab 1589 arbeitete er mit Jacopo Corsi zusammen.
Pietro Strozzi
war eigentlich condottiere, aber sehr musikalisch. Obwohl mit einer Medici verheiratet, war er Gegner der Politik der Medici.

Literatur
Rolf Fath: Reclams Opernlexikon. Stuttgart 1989



Die Fruchtbringende Gesellschafft
auch: der fruchtbringende Palmbaum
1617 Köthen/Anhalt und Weimar

FruchtbringendePeter Ißelburg: Fruchtbring. Gesellschaft.
Der Kupferstich zeigt eine Sitzung.
Zeitlich ganz knapp vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges kam es in Mitteldeutschland zu einer erweiterten Adelsversammlung aus König Carl Gustav von Schweden, 3 Churfürsten, 49 Herzögen, 59 Fürsten, 60 Grafen, 8 Pfalzgrafen, 10 Landgrafen, 4 Markgrafen und 45 Baronen. Der Kern jedoch bestand aus 12 Personen, die sich spielerisch-ironische Gesellschaftsnamen gegeben hatten. Insgesamt werden ihr 527 Anhänger zugerechnet, die nicht alle höfisch waren. Ausgangspunkt war ein Gespräch über italienische Akademien gewesen.
Die Initiatoren waren der Ansicht, die deutsche Sprache so verdorben und müsse gereinigt werden, vor allem von fremdländischen Ausdrücken. »… die Membra sich äusserst angelegene seyn lassen, die teutsche Sprache, von ihren Fehlern zu reinigen, und emporzuheben« (Zedler). Damals brachte Teutleben das Gespräch auf die Gefährdung der deutschen Sprache durch das Französische. »Er schlug vor, daß sich nach italienischem Muster eine Gesellschaft bilden möge, an deren Spitze ein deutscher Fürst als Vorsitzender trete, und die lediglich den Zweck haben sollte, die deutsche Sprache gegen fremdländische Einflüsse zu schützen« (Allgemeine Deutsche Biographie).
Auch die Orthographie sollte vereinheitlicht werden. Wolfgang Ratkes Appell, eines Pädagogen auf dem Frankfurter Reichstag 1612, zeigte Wirkung. frucht-farbigGesellschaftsschild der Fruchtbringenden
Gesellschaft: Palmenhain »Devise und
Wappen durften nicht fehlen. Es war der
Palmbaum mit der Umschrift „Alles zu
Nutzen“. Das allegorische Spiel mit Namen
und Sachen in der Blütezeiten hat Ludwig
von Anhalt, das Oberhaupt, in ein
gutgemeintes, aber groteskes Sonett gefaßt:
Kommt, lernt vom Palmbaum, Ihr, die Euch
begeben In die Gesellschaft wollt, wie Ihr
es stellet an, Daß Euch fruchtbringend
heiß‘ und halt ein Jedermann…«
(Werner Kohlschmidt S. 29).
Außerdem hatten die Beteiligten erkannt, daß die Zersplitterung der deutschen Lande diesen Prozeß befördert hatte und daß dringend gegengesteuert werden müsse. Sie trauten nur dem Mittelbau des Adels diese Durchsetzungskraft zu. Neben einem selbstgewählten Beinamen »sollte jedes Glied derselben sich von einem Baume, Pflantze, Blume oder andern Erd-Gewächse, ein Sinnbild erwählen« (Zedler).
Die Gesellschaft kam zwar zu Tafelrunden (u.a. auf Schloß Hornstein, genannt Wilhelmsburg) zusammen, führte aber auch untereinander ausgiebig Korrespondenzen (u.a. mit Auswärtigen wie J. Rist), die später veröffentlicht wurden. Die umfangreichen Akten lagern im Archiv in Weimar.

1.Vorsitzender
Wilhelm von Anhalt-Köthen, Herzog von Sachsen-Weimar / Birne / der Schmackhafte 1598 ─ 1662

2.Vorsitzender
August von Sachsen / der Wohlgerathene 1614 ─ 1680
übernahm 1662 den Vorsitz und war ab 1667 Administrator des Erzbistums Magdeburg. Nach seinem Tod erlahmte der Impuls der Gruppierung.

Teilnehmer
Ludwig von Anhalt-Köthen, Fürst / der Nährende 1579 ─ 1650
war Mitbegründer. Er stand sowohl mit → Crusca, als auch → Fiorentina in Kontakt.
Fürst Ludwig unterhielt eine eigene Druckerei, in der auch italienische Gedichte (T. Campanella u.a.) gedruckt wurden.
Sigmund von Birken 1626 ─ 1681 
war Schriftsteller, Hofmeister und Übersetzer. Mitglied seit 1658. Seine publizistische Arbeit trug wesentlich zur Sprachförderung bei.
Hans Ernst von Borstel
stammte von einem Gut Borstel bei Hamburg.
Christoph zu Dohna / der Heilende 1583 ─ 1637
nach einem internationalen Studium wurde er Diplomat.
Everwin von Droste zu Möllenbeck / der Labende 1592 ─ 1661
war zunächst Kammerjunker und Gutsherr bei Fürst Ludwig.
Friedrich Hortleder 1579 ─ 1640 
war Erzieher der sächsischen Prinzen und später Hofrat.
Tobias Hübner / der Nutzbare 1578 ─ 1536
war Geheimer Rat in Dessau/Anhalt und Kursächsischer Geheimer Rat.
Friedrich von Kosboth / der Helfende 1630 ─ 1701
war Cammerrath in Weimar
Heinrich von Krage / der Gemästete 1583 ─ 1630
war Domherr in Halberstadt.
Christoph von Krosigk / der Wohlbekommende 1576 ─ 1638
wurde zum Hofmarschall in Dessau berufen.
Andreas von Randow / der Leimende *1580
war Hofmann in Dessau
Wolfgang Ratke 1571–1635
hatte als Pädagoge schon 1612 vor dem Frankfurter Reichstag für eine Sprachgesellschaft plädiert.
Johann Casimir von Sachsen-Coburg / der Durchdringende 1564 ─ 1633
regierte zusammen mit Johann Ernst in Sachsen-Weimar.
Albrecht von Sachsen-Eisenach / der Unansehnliche 1599 ─ 1644
war einige Jahre Regent in Eisenach.
Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg / der Bittersüße 1601 ─ 1675
wurde erzogen von Caspar von Teutleben und und Hofrat Friedrich Horetleder.
Bernhard von Sachsen-Weimar / der Austrucknende 1604 ─ 1639
war Heerführer im Dreißigjährigen Krieg.
Friedrich von Sachsen-Weimar
studierte an der Universität Jena, war Mitbegründer und wurde Heerführer im Dreißigjährigen Krieg.
Johann Ernst d.J. 1594 ─ 1626
übernahm 1615 die Regentschaft in Sachsen-Weimar und war Mitbegründer.
Johann Friedrich von Sachsen-Weimar / der Entzündete 1600 ─ 1628
war ´aus der Art geschlagen´ und wurde von seinen Brüdern verhaftet.
Caspar von Teutleben / der Mehlreiche 1576 ─ 1629
nahm die →Accademia della Crusca zum Vorbild und war Oberhofmarschall in Weimar.
Dietrich von dem Werder / der Vielgekrönte 1584 ─ 1657
war von Adel und lebte als Übersetzer (u.a., Torquato Tasso) und Liederdichter.
Curt Dietrich aus dem Winkel

weitere Teilnehmer bzw. Gäste
Johann Valentin Andreae 1586 ─ 1654
seit 1638 Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart. 1646 Mitglied der Gruppe
Johannes Rist / der Rüstige 1607–1667
war Pfarrer und Poet (→ Elbschwanenorden) in Wedel bei Hamburg.

Literatur
Allgemeine Deutsche Biographie. Berlin
Werner Kohlschmidt: Geschichte der Deutschen Literatur vom Barock bis zur Klassik. Stuttgart 1965
Johann Heinrich Zedler: Das Grosse vollständige Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste. Bd. IX Leipzig
Bildnachweis
wikipedia.org/wiki/Fruchtbringende_Gesellschaft#/media/Datei:FruchtbringendeGesellschaft.jpeg (14.9.2020)
Werner Kohlschmidt: Geschichte der Deutschen Literatur vom Barock bis zur Klassik. Stuttgart 1965


Accademia della Fvcina
dt. der Schmiede
auch: Accademia dei Fucinanti
1639 ─ 1678 Messina

Eine Gruppe von Gebildeten in Messina traf sich zur ´conversazione letteraria´ im Palazzo di Grigorio. Alle Teilnehmer hatten promoviert und veranstalteten literarische und philosophische Gesprächsrunden. Sizilien stand damals unter spanischer Herrschaft. Die Politik wurde in den Diskussionen nicht ausgeklammert und von den freiheitlichen Tendenzen beflügelt. 1647 kam es zu einer Revolte in Messina.
Daß man heute den Personenkreis der ´Fucinanti´ kennt, geht auf die Akribie von Giacomo Nigido-Dionisi zurück. Die umfangreiche Namenliste der zweiten Blüte der Akademie findet sich auf S. 66 bei M. Maylender.
Die Akademie ließ einige Broschüren drucken; 1656, 1658 und 1660 erschienen kleine Anthologien von Lyrik in volgare. 1665 wurde eine Geschichte des trojanischen Krieges von Guido delle Colonne gedruckt. Das Motto der Akademie lautete: FORMAS VERTIT IN OMNES (er/sie/es verwandeln sich in alle Formen) und wurde von Vergil übernommen.

D. Niccolò Lipsò
D. Carlo Musarra
D. Antonio Prosimi
D. Silvestro Risica
D. Francesco Rubbà
D. Alessandro Staiti
D. Francesco Tornesi
D. Giovanni Ventimiglia
stammte aus einer Familie von adligen Politikern.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30
Giacomo Nigido-Dionisi: L‘Accademia della Fvcina di Messina. Catania 1903