sodalitas Celtica
auch: sodalitas litteraria Germaniae, sodalitas Staupiziana
dt. literarischer Freundeskreis in Deutschland
1501 ─ nach 1516 Nürnberg

Die meisten Nürnberger dieser Gruppe kannten sich schon vorher, zumal einige von ihnen öffentliche Ämter in der Stadt bekleideten. Das Auftreten von Johann von Staupitz in Nürnberg ließ sie jedoch zur Gruppe zusammenrücken. Der reise- und kontaktfreudige Johann von Staupitz hatte in Rom die →Accademia Pomponiana um Pomponius Laetus kennengelernt. Daraufhin initiierte er bei seiner Rückkehr in den deutschen Sprachraum nach dem Vorbild weitere Gruppenbildungen zum geistigen Austausch unter der lateinischen Bezeichnung sodalitas (Bruderschaft). Die Humanisten hatten die Erfahrung gemacht, daß sie nur gegenseitige Anregung und Gedankenaustausch in ihrer Entwicklung weiterbringen würden. Durch Staupitz wurde aus dem losen Kreis von Humanisten die sodalitas.

Wenig beachtet wurde bisher, daß das Kupferstichkabinett, Berlin, über einen von Albrecht Dürer 1501 geschaffenen Holzschnitt zu den Opera Hroswite von Celtis verfügt mit dem Herausgebervermerk sodalitas Celtica. Demnach operierte die Gruppe mit mehreren Bezeichnungen.

»Der Kreis um Staupitz, den Scheurl als „sodalitas Staupiziana“ bezeichnete, hatte sich zusammengefunden, nachdem Staupitz in der Adventszeit 1516 unter großem Zulauf gepredigt hatte, daß die Nürnberger Augustinerkirche die Andächtigen nicht zu fassen vermochte« (lt. Alfred Jeremias). Der Freundeskreis, der sich mit Staupitz zu geselligem Beisammensein im Augustinerkloster oder während seiner Abwesenheit im Hause eines Freundes traf, beurteilte daher den Thesenanschlag Luthers zunächst nur als das mutige Vorgehen eines Staupitz-Schülers (lt. Fedja Anzelewsky).

Gründer
Johann von Staupitz (ca. 1465 ─ 1524)
begegnete 1488 dem Philosophen Marsilio Ficino in Florenz. 1503 Professor in Nürnberg. 1503-1530 Generalvikar der Augustiner. Da er an verschiedenen Orten als Initiator genannt wird, trifft auf ihn die Bezeichnung Wander-Humanist (lt. Max Wehrli) zu.

Teilnehmer
Martin Behaim (1459 ─ 1507 Lisboa)
Aus Nürnberg stammender Geschäftsmann; vor allem Kosmograph. Als solcher entwickelte er 1492 den ältesten erhaltenen Globus, den nach ihm benannten Erdapfel.
Konrad Celtis / Protucius (ca. 1465 ─ 1524)
1487 war er von Kaiser Friedrich III. als erster Deutscher gekrönt worden. Der Wanderhumanist Celtis war jedoch nur sporadisch in Nürnberg und wohnte dann bei Sebald Schreyer. 1502 legte er mit Norimberga eine Städtebeschreibung vor.
Peter Dannhauser
Jurist
Albrecht Dürer (1471 ─ 1528)
»Die Bekanntschaft mit Celtis [1496/97] muß den Künstler bestärkt haben, die von Barbari empfangenen Anregungen zum Studium der menschlichen Proportionen fortzusetzen« (Fedja Anzelewsky S. 71). ─
»Der Humanist [Celtis] und der Maler sind [in dem Gemälde Marter der 10.000 Christen. 1508] in die Betrachtung der Leiden der Märtyrer vertieft, stellen also im Sinne Ficinos eine platonische Freundschaft dar. Nur aus dieser Sicht gewinnen die beiden Figuren im Bildzusammenhange wirklich Sinn« (Anzelewsky S. 140)
Hieronymus Ebner (1477 ─ 1532)
war Jurist und humanistisch gebildeter Patrizier und Losunger.
Konrad Heinfogel (+ 1517)
Ein Astronom, der eine Sternkarte in Zusammenarbeit mit Dürer fertigte.
Hieronymus Holzschuher (1469 ─ 1529)
war Ratsherr und zeitweilig Oberster Hauptmann.
Sebastian Kammermeister (+ 1503)
war Ratsherr und Grubenbesitzer, Schwager von Schreyer und förderte die Weltchronik.
Anton Kolb (*1470 Nürnberg)
Unternehmer und Ratsherr in Nürnberg, vielfach tätig in Venedig. Er entwarf für die serenissima eine Baggermaschine und organisierte eine Arbeitsgruppe von Fachkräften für die große ´Luftaufnahme´ von Venedig, einen mehrteiligen Holzschnitt von 1500, der fälschlich Jacopo de Barbari zugeschrieben wird.
Johann Löffelholz (1448 ─ 1509)
Jurist und Poet, Pseudonym Cocles (dt. einäugig)
Hieronymus Münzer (1437/47 ─ 1508 Nürnberg)
1480 Stadtarzt in Nürnberg; vor allem Geograph und Astronom. Mitarbeiter an der Weltchronik von Schedel durch seine Deutschlandkarte
Kaspar Nützel (1471 Nürnberg ─ 1529)
war Ratsherr und Bürgermeister von Nürnberg. Er übersetzte Luthers Lateinisch abgefaßte Thesen und publizierte sie.
Willibald Pirckheimer (1470 ─ 1530)
war Geschäftsmann und Ratsherr in Nürnberg. Bedeutender publizierender Humanist ohne akademische Karriere, weil diese ihn daran gehindert hätte, in den Rat der Stadt Nürnberg aufgenommen zu werden. Europaweite Korrespondenz
Hartmann Schedel (1440 ─ 1514)
Stadtphysikus und Unternehmer, vor allem Autor und Organisator der Weltchronik von 1493, dem »größten Buchunternehmen der Dürerzeit«. Seine Bibliothek umfaßte 670 Druckwerke und rd. 400 Handschriften.
Christoph II. Scheurl (1481 Nürnberg ─ 1542)
organisierte 1504 in Nürnberg ein Nachrichtenzentrum, das die neusten Informationen auf allen Gebieten mit Express-Extrapost an Regierungen, Kanzleien und Höfe verschickte (Karl Ipser: Venedig und die Deutschen. München 1976 S. 39). 1525 Präses im Rat der Stadt Nürnberg
Sebald Schreyer (1446 Nürnberg ─ 1520)
vermögender Pelzhändler und häufig Gastgeber der Gruppe. Er war humanistisch geschult, aber wissenschaftlich nicht tätig, und nahm in der Gruppe eine Sonderstellung ein.
Lazarus Spengler (1479 ─ 1534)
Liederdichter. Ratsschreiber und Delegierter Nürnbergs auf dem Reichstag. 1518 veröffentlichte er in Augsburg anonym seine Schutzrede für Martin Luther.
Anton Tucher (1458 ─ 1524)
Großkaufmann und Erster Losunger
Dietrich Ulsen /Theodoricus Ulsenius (1460 ─ 1508)
Arzt
Bernhard Walther (ca. 1430 ─ 1504 Nürnberg)
Kaufmann und Astronom.
Ratsherr in Nürnberg und Lehrer von Heinfogel
Johannes Werner (1468 Nürnberg ─ 1522)
Theologe, Mathematiker und Astronom. 1500 entdeckte er einen Kometen.

Literatur
Fedja Anzelewsky: Dürer. Werk und Wirkung. Erlangen o.J.


Ciceroniani
etwa seit 1506

Erasmus von Rotterdam führte bekanntlich eine ausgedehnte Korrespondenz mit Gleichgesinnten d.h. Humanisten über philologische Fragen und Themen der Zeit. Das biographische Lexikon seiner Briefpartner füllt drei Bände. Das Volumen seiner erhalten gebliebenen Briefe umfaßt etwa 3000.

Diese Gruppierung ist insofern ein Sonderfall, als nicht von einer institutionalisierten Akademie gesprochen werden kann, dafür aber von einer korrespondierenden. Unter den europäischen Philologen war damals ein viel diskutiertes Thema, welchem Standard die wissenschaftliche Umgangssprache, Latein, zu genügen hätte. Dazu hatte sich schon Francesco Petrarca Gedanken gemacht. Der schloß sich Quintilian an in der Auffassung, daß an Cicero die Rhetorik bzw. der Schreibstil zu messen sei. Auch Erasmus hielt es für erforderlich, das damals vorherrschende Latein wieder auf das Sprachniveau Ciceros zu bringen. Dazu hat Erasmus 1528 auch sein Werk Ciceronianus publiziert.

In einem Brief an Alciati erwägt er, die mit ihm korrespondierenden Philologen zu einer Gruppierung, also einer Accademia, zusammenzuführen. Organisatorische Schritte dazu scheint Erasmus jedoch nicht unternommen zu haben, zumal er oft seinen Standort wechselte, vielleicht aber auch, weil er auf diesem Gebiet ohnehin Widersachern wie Marcus Musurus weniger Angriffsfläche bieten wollte.

Initiator
Erasmus von Rotterdam 1466/69 ─ 1536
war als Privatgelehrter Philologe und griff in seinen Werken Themen der Zeit auf, indem er sie zur Diskussion stellte. Parallel führte er eine überaus ausgedehnte Korrespondenz, auch mit den politischen Größen der Zeit, und beeinflußte dadurch in starkem Maße die öffentliche Debatte. 1528 veröffentlichte er ´Ciceronianus´.

Gleichgesinnte
Andrea Alciato 1492 ─ 1550
galt als großer Interpret Römischen Rechts. Ab 1533 lehrte er in Pavia.
Girolamo Aleandro 1480 ─ 1542
war 1507/08 bei Aldus Manutius als Lektor tätig und wohnte zeitweilig zusammen mit Erasmus. Seine Karriere führte ihn nach Rom; er wurde Nuntius in Deutschland.
Romolo Querino Amaseo 1489 ─ 1552
studierte Latein und Griechisch in Bologna und schuf lateinische Übersetzungen griechischer Autoren. »one of the greatest latinists of his day« (lt. Thomas B. Deutscher)
Pietro Bembo 1470 ─ 1547
war Schüler von Leoniceno und ab 1501 selbst Lehrstuhlinhaber in Padua sowie ab 1530 Bibliothekar Venedigs. Als Poet und Förderer des Toskanischen wurde er und seine Veröffentlichungen sehr geschätzt, sogar zum Kardinal erhoben. »Erasmus saluted the Venetian as one of the heroes oft he literary world« (lt. Danilo Aguzzi-Barbagli)
Giulio Camillo + 1544
wohnte 1506/09 zeitweilig zusammen mit Erasmus von Rotterdam und war lebenslang in Europa unterwegs.
Gaspare Contarini 1483 ─ 1542
stammte aus einer Patrizierfamilie in Venedig, war umfassend gebildet und wurde Chef des Rats der Zehn.
Giambattista Egnazio / Cipelli 1478 ─ 1553
ausgebildet in alten Sprachen in Venedig betrieb er dort zeitweilig eine Grammatik-Schule und lehrte Rhetorik.
Giano Lascaris 1445 ─ 1534
wohnte und arbeitete seit 1509 zunächst bei Aldus Manutius. Später wohnte Erasmus bei Lascaris. 1513 übernahm er das Griechisch-Kolleg in Rom. Für die Medici beschaffte Lascaris viele antike Textausgaben.
Niccolò Leoniceno 1428 ─ 1524
promovierte in Padua zum Arzt und lehrte Mathematik und Griechisch. Bei Aldus Manutius betreute er die Ausgaben von Galen und Hippokrates,
Aldus Manutius + 1515
war Druckunternehmer und humanistischer Philologe. Durch seine Druckerpresse wurde er zum wichtigsten Editor griechischer antiker Werke (→ Accademia Aldina).
Benedetto Ramberto
war Bibliothekar von S. Marco in Venedig.
Giovanni Pierio Valeriano Bolzanio 1477 ─ 1558
erhielt er durch Papst Clemens VII. die cattedra d’eloquenza am Collegio Romano. 1529 wurde er Sekretär von Kardinal Ippolito de’Medici.
Fabrizio da Varanno + 1508
war Bischof von Camerino.
Viglius Zuichimus 1507 ─ 1577
studierte am Trilingue in Leuven, hatte europaweite Kontakte und lehrte u.a. in Padua 1532
Zivilrecht. 1549 wurde er als Vorsitzender des Geheimen Rats in Flandern eingesetzt.

Literatur
Contemporary of Erasmus. Toronto Buffalo London 1985/87


Accademia della Crusca
dt. der Wurfschaufel
auch: Brigata dei Cruscioni / Cruscati
1583 Florenz

Während die Akademiker anderer Gruppen in Florenz einen gelehrten Anspruch pflegten, wollten die Cruscioni Spaß an ihrer Sache haben und pflegten discorsi giocosi. Ihre ´Sache´ bestand aus einem sprachlichen Projekt, dem Vocabolario degli Accademici della Crusca. Während die anderen debattierten, konnten sie es, wenn auch nach langer Vorlaufzeit, fertigstellen: Es erschien 1612 im Druck. Daraufhin legte Beni im Gegenzug 1613 l‘Anticrusca o vero il Paragone dell’italiana lingua vor. Dabei gingen die Cruscioni von dem Sprachstand Dantes, Boccaccios und Petrarcas (le tre corone) aus. Ihnen war auch Pietro Bembo gefolgt. Außerdem inszenierten sie die gemeinsame Komödie L’amico fido.

Noch 1811 war die Gruppe aktiv; sie bestand aus 12 Residenti und 20 Correspondenti.
»Was vom Mehl, wenn es gebeutelt wird, übrig bleibt, wodurch der Fleiß soll angezeiget werden, den diese Academie anwendet, die Toscanische Sprache zu säubern (Zedler).«
»Eine jegliche Academie hat einen besonderen Name der nach der Sache, womit er umgeht, ausgerichtet ist. Ihre Sitze sind auf die Art gemacht, wie ein Brod- oder Speise-Korb, und derselben Lehnen sehen wie Schauffeln au (Zedler)«.
Jedes Mitglied verfügte über eine Wurfschaufel, von denen einige erhalten blieben. Sie diente im übertragenen Sinn für den Vorgang, wie in der Landwirtschaft praktiziert: Die Spreu vom Weizen zu trennen. Ihr Symbol war dementsprechend eine Mehl- bzw. Kleiemühle.
Ihre Devise entlehnten sie bei Petrarcas Canzoniere: Il più bel fior ne coglie (auch die schönsten Blüten) bzw. Separare il fior di farina (=la lingua) dalla crusca.

Gründer
Leonardo Salviati / Infarinato 1540 ─ 1589
war Übersetzer, wurde in die Akademie gewählt und betreute das ´Vocabolario degli Accademici della Crusca´.

Mitglieder
Lodovico Adimari 1644 ─ 1708
war Satikriker und wurde 1694 aufgenommen.
Vincenzo d’Ambra / il Nudrito
Giovanni Battista Attendolo ca. 1536 ─ 1592
war Aristoteliker und hatte 1583 den Titel eines Abts von S. Marcello Maggiore in Capua erhalten. Er war offenbar korrespondierendes Mitglied.
Volumnio Bandinelli / Rimpastato / Lacero 1598
wurde 1657 Kanoniker am Petersdom.
Giovanni Maria de‘Bardi 1534 ─ 1612
war Graf, Poet und Komponist, vor allem aber Mäzen. → camerata fiorentina.
Lorenzo Bellini 1645 ─ 1704 
war Mathematiker und wurde 1663 Professor für theoretische Medizin sowie 1691 Mitglied.
Uberto Bentivoglienti
Jacopo Cambi
war Kleriker.

wurstschaufel Die Schaufel des Mitglieds
Bernardo Canigiani / Gramolato.
Bernardo Canigiani / Gramolato 1524 ─ 1604
war als Petrarkist Mitbegründer und 1566 befreundet mit Torquato Tasso, vor allem Diplomat, u.a. in Ferrara und in Ungarn. 1583 wurde er Botschafter der Medici bei Philipp II.
Francesco Cionacci
Giovambattista Compagni
Giovan Battista Deti / Sollo 1578/81 ─ ca. 1630
war Neffe des Kardinals Aldobrandini und Mitbegründer. Er gehörte dem Jesuitenorden an.
Francesco Doni
Pierandrea Forzoni Accolti / il Sincero 1619 ─ 1719
arbeitete für Francesco Maria de' Medici, den späteren Kardinal. Obwohl er Sekretär der Accademia degli Apatisti war, trat er der Gruppe bei.
Girolamo Gigli / Economico 1660 ─ 1722
war Komödienautor und Petrarkist. Er hatte in Siena eine Professur für ´lettere toscane´. 1708 nach Rom, aber er geriet in Streit mit Crescembeni (→ Arcadia), wurde ausgestossen und wich nach Viterbo aus.
Benedetto Gori / il Quieto
Antonio Francesco Grazzini / il Lasca 1504 ─ 1584
war Apotheker, Mitbegründer und hatte schon 1540 die →Accademia degli Umidi gegründet. Vincenzo Leonio 1650 ─ 1720 hatte in Spoleto Philosophie, Grammatik und Rhetorik studiert. Als Petrarkist war er auch Librettist.
Lorenzo Magalotti / il Sollevato 1584 ─ 1637
rückte zum Kardinal auf.
C. M. Maggi █
Marco Martelli
Pietro Mozzi
Tommaso del Nero 1545 ─ 1572

Pandolfo Pandolfini
Adriano Politi 1542 ─ 1625
arbeitete am gemeinsamen Vocabulario mit, gab aber (lt. Max Pfister) als Sienese 1614 ein eigenes Wörterbuch heraus, das auch die Besonderheiten der Region Siena enthielt. um 1614 das ´Vocabulario della Crusca´ in Rom heraus.
Federigo de’Ricci
Giovanlorenzo Ricci
Bastiano de' Rossi / Inferigno 1550/60 ─ 1627
war Mitbegründer und wurde zum Sekretär der Gruppe bestimmt. Seither führte er bis 1588 das Diario. Er stand kontrovers zu Torquato Tasso.
Luigi Rucellai / il Propagginato
Andrea Salvadori + 1634 wurde 1591
aufgenommen, stand aber kontrovers zu Francesco Cacchini.

Alamanno Salviati / l’Informe 1669 ─ 1733
wurde 1730 zum Kardinal erhoben.
Leonardo Salviati / Infarinato 1540 ─ 1589
wurde 1583 in die Akademie aufgenommen und war linguistisch tätig.
Antonmaria Salvini 1653 ─ 1729
war Professor für Altgriechisch in Florenz.

Alessandro Tassoni 1565 ─ 1635
war Jurist und Poet (La secchia rapita). Seit 1589 bei Crusca. Er kritisierte die Petrarkisten
Luigi Strozzi / l‘Imbianchito
Torquato Tasso 1544 ─ 1595
Der berühmte Poet wurde erst 1590 aufgenommen.
Domenico Tornaquinci / l’Immaturo
Bernardo Zanchini / Macerato + 1584
war Mitbegründer.

Auswärtiger
Ludwig von Anhalt-Köthen, Fürst 1579 ─ 1650 
war erstes deutsches Mitglied der Akademie als L'Acceso (Der Entzündete) → Fruchtbringende Gesellschaft, auch ´Crusca Germanica´ genannt.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30
Johann Heinrich Zedler: Das Grosse vollständige Universal-Lexicon der Wissenschaften und Künste. Leipzig 1732-54
www.grin.com/document/427759 (6.10.2020)

Bildnachweis
commons.wikimedia.org/wiki/File:Pale_degli_accademici_della_crusca,_gramolato_(bernardo_canigiani),_post_1582,_pasta_sotto_la_gramola.jpg (6.10.2020)


Accademia de‘Desiosi
ca. 1623 Roma ─ 1657

Die Gründung der Gruppe ging von Kardinal Maurizio di Savoia, aus.
Von Cesare di Saluzzo existiert ein Diario der Akademie aus dem Jahr 1626. Demnach bestand sie aus Adligen seines Gebiets sowie einigen Monsignori. Lt. Diario beschäftigte man sich bei den Treffen u.a. mit Festungsbau.
Mit dem Tod von Maurizio di Savoia erlosch die Gruppe. Graf Emanuele Tesauro veröffentlichte einen Nachruf, in dem der Fürst wegen seiner philosophischen Neigung und der Verdienste der Solinghi (vor 1623) gerühmt wird. Dabei wurde die Gruppe mit der Stoa und →Liceo verglichen.
Gleichlautende Akademien gab es in Bologna, Capodistria (Koper), Florenz, Genua, Padua, Pavia, Siena, Turin und Venedig ─ offenbar ohne direkte Kontakte untereinander.

Gründer
Maurizio di Savoia 1593 ─ 1657
war 1607 Kardinal geworden und hatte schon in Turin die Akademie Solinghi bzw. Solitarii initiiert.

Beteiligte
Biaggio Amedeo Asinari
Carlo d‘Asti
Ludovico di Beinette
Pontio Ceva
de Grilly, Monsignore
Ludovico Gromo, Conte di Ternengo█
war Botschafter des Vatikans in Persien gewesen und berichtete darüber bei Treffen. Seine Imprese lautete: Nullo sollicitante (keinem schmeicheln).
Gubernati
Paolo Millietto
█ della Montà, Conte
Carlo di Passerano, Conte
Ponziglione, Monsignore
Provana
Cesare di Saluzzo
Valfray


Hochpreiswürdige Deutschgesinnte Genossenschaft
auch: das Hochdeutsche Helikonische Rosenthal
1644 ─ 1705 Hamburg

»In Zesens Deutschgesinnter Genossenschaft sind sowohl Schäfer- und Blumentändelei als auch der Purismus des Palmenordens auf die Spitze getrieben… Geht man nämlich von der Verwilderung der deutschen Sprache gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus, so erkennt man, daß die bewußte Sprachpflege, die diese Gesellschaften sich zum Ziel gesetzt hatten, einfach notwendig war (Werner Kohlschmidt S. 34). Im Unterschied zur → Fruchtbringenden Gesellschaft kamen 83% aus der Beteiligten aus dem Bürgertum. Immerhin wurden zwei adlige Damen in die Genossenschaft aufgenommen. Geplant waren 144 Mitglieder; es sollen im Laufe der Zeit über 200 Mitglieder beteiligt gewesen sein. Allerdings erfuhren manche ´Mitglieder´ erst nachträglich von ihrer ´Aufnahme´. »Nach ihrer Hänselung erhielten alle Mitglieder des Helikonischen Rosenthals einen Gesellschaftsnamen, einen Wahlspruch und ein Emblem« (Hermand S. 31).
»Hier ist freilich alles ´gemacht´ und Handwerk, beispielhaft für die synästhetische Modeform dieser emblematischen Gedichte« (Werner Kohlschmidt S. 70).

Gründer
Philipp von Zesen / der Färtige 1619 ─ 1689
hatte 1643 die ´Hochdeutsche Sprachübung´ publiziert. Diesen Regeln folgten seine Romane und Gedichte.

Teilnehmer
Hans Ulrich Bachofen / der Süße 1643 ─ 1700
war Pfarrer u.a. in Zürich.
Daniel Bärholz 1641 ─ 1688 .
war Schriftsteller und Ratsherr in Elbing.
Sigmund von Birken / der Rüchende 1626 ─ 1681
war Schriftsteller und Übersetzer.
Matthias Christophori
war Jurist und publizierte zum Zivilrecht.
Catherina Regina von Greiffenberg / Freifrau von Seyssenegg / Die Tapfere 1633 ─ 1694
schrieb geistliche Lieder und neigte zur Mystik. Sie war mit dem Schriftseller Sigmund von Birken befreundet.
David Hanisius 1630/35 ─ 1681
war dänischer Hofprediger in Skandinavien.
Johann Klaj / der Fremde 1616 ─ 1656
kam vom Pegnesischen Blumenorden.
Christian Knorr von Rosenroth / der Schamhaftige 1636 ─ 1689
war vielseitiger Forscher, Minister des Pfalzgrafen von Sulzbach und wurde geadelt.
Theodor Kornfeld / der Kreuzduldende 1636 ─ 1698
wurde 1667 zum ´poeta laureatus´ gekrönt.
Hans Kristof von Liebenau / der Emsige
Johann Michael Moscherosch / der Träumende 1601 ─ 1669
war Jurist und Politiker sowie Schriftsteller.
Christian Gottlieb Nüssler ca. 1618 ─ 1678
war Schüler von Johann Georg Heinsius und in der preußischen Justiz tätig.
Johann Gottfried Olearius 1604 ─ 1685
war evangelischer Theologe und schrieb geistliche Lieder.
Johann Heinrich Ott / der Zeugende 1617 ─ 1682
war reformierter Theologe, Hebraist und Philologe.
Christian Otter / der Erhaltende 1598 ─ 1660
war Mathematiker, baute Festungen in Preußen und Musikinstrumente.
Johann Michael Moscherosch / Philander von Sittewald 1601 ─ 1669
war Jurist und Politiker sowie Schriftsteller.
Johann Peisker / der Ungemeine 1631 ─ 1711
war Lyriker.
Dietrich Petersohn / der Verharrende
Wenzel Scherffer von Scherffenstein / der Verlangende ca. 1603 ─ 1674
war ein an Opitz orientierter schlesischer Dichter.
Johann Philipp Schmid ca. 1629 ─ ca. 1663
Jacob Schwieger / Philosander / der Flüchtige
wurde 1654 aufgenommen als Autor zahlreicher Lyrikbände.
Malachias Siebenhaar 1616 ─ 1685
war Musikdirektor und Kantor an der Stadtschule in Magdeburg. Er war befreundet mit Philipp von Zesen.
Ursula Hedwig von Veltheim + 1684
war sprachgewandt und eine ´stattliche Poetin´ (Zedler).

Literatur
Jost Hermand: Die deutschen Dichterbünde. Köln u.,a. 1998


Accademia dei Disinvolti
dt. der Unbefangenen
1645 ─ 1657 Pesaro

Zur Gründung dieser Gruppe kam es, als Menchenio sein Traktat Charlataneria eruditorum (Scharlatanerie der Bildungsbeflissenen) erscheinen ließ. Im Zuge der Emblematik legte sich die Gruppe eine Imprese zu: ein Labyrinth mit dem Faden der Ariadne.
Über die Aktivitäten der Gruppe ist wenig überliefert, z.B. eine Debatte über die Poetica dell’Accademia dei Concordi in Ravenna. Gedichte aus der eigenen Gruppe erschienen 1649: Poesie dei Signori Accademici Disinvolti di Pesaro. 1646 gaben sie Capitoli e Precetti Morali da pratticarsi... in Druck.
Die vereinzelt überlieferten Herkunftsorte lassen den Einzugsbereich der Akademie erkennen.

Initiator
Pietro Bonarelli della Rovere (di Ancona), Conte / l’Aggiunto

Teilnehmer
Luc’Antonio Abbati / l’Avolto
Simeone Ardizj D. / il Semplice
Giuseppe Barignani / il Minimo
Gregorio Fanti, D. / il Rustico
Bartolommeo Griffi / l’Unito
Valerio Montanari / l’Impolito
Giuseppe Montani / l’Imperfetto
Carlo Moscheni (di Ancona) / il Pronto
Nicola Pichi / l’Arido
Domenico Pompei / l’Inviluppato
Carlo Rapaccioli (da Terni) / il Caricato
Francesco Maria Santinelli, Conte / il Fievole
Lodovico Santinelli, Conte / il Rozzo
Die Grafen Santinelli standen mit der Ex-Königin Cristina von Schweden (→ Accademia d’Arcadia) in Kontakt und schieden 1657 aus.
Alessandro Tamburino / il Perplesso
war Sekretär der Gruppe.
Michelangelo Ugolini (da Gubbio) / il Ritenuto

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. 1926/30



Accademia dei Disinvolti
dt. der Unbefangenen
1648 Venedig

Der aus Pesaro stammende Graf Francesco Maria Santinelli besaß einen Palazzo in Venedig und rief dort eine gleichnamige Akademie ins Leben. Er hatte an Veranstaltungen der → Accademia d’Arcadia teilgenommen und war daher dazu motiviert.
Um sich versammelte er vor allem interessierte Patrizier der serenissima.
Offenbar beschränkte sich die Aktivität der Gruppe 1648 auf im Druck erschienene Nachrufe zu den prominenten Bestattungen von Conte Aurelio Corbole und Carlo Abriani D.

Initiator
Francesco Maria Santinelli, Conte

Teilnehmer
Camillo Contarini
Luca Contarini
Antonio Loredan
Antonio Ottobon