sodalitas Celtica
auch: sodalitas litteraria Germaniae, sodalitas Staupiziana
dt. literarischer Freundeskreis in Deutschland
1501 ─ nach 1516 Nürnberg

Die meisten Nürnberger dieser Gruppe kannten sich schon vorher, zumal einige von ihnen öffentliche Ämter in der Stadt bekleideten. Das Auftreten von Johann von Staupitz in Nürnberg ließ sie jedoch zur Gruppe zusammenrücken. Der reise- und kontaktfreudige Johann von Staupitz hatte in Rom die →Accademia Pomponiana um Pomponius Laetus kennengelernt. Daraufhin initiierte er bei seiner Rückkehr in den deutschen Sprachraum nach dem Vorbild weitere Gruppenbildungen zum geistigen Austausch unter der lateinischen Bezeichnung sodalitas (Bruderschaft). Die Humanisten hatten die Erfahrung gemacht, daß sie nur gegenseitige Anregung und Gedankenaustausch in ihrer Entwicklung weiterbringen würden. Durch Staupitz wurde aus dem losen Kreis von Humanisten die sodalitas.

Wenig beachtet wurde bisher, daß das Kupferstichkabinett, Berlin, über einen von Albrecht Dürer 1501 geschaffenen Holzschnitt zu den Opera Hroswite von Celtis verfügt mit dem Herausgebervermerk sodalitas Celtica. Demnach operierte die Gruppe mit mehreren Bezeichnungen.

»Der Kreis um Staupitz, den Scheurl als „sodalitas Staupiziana“ bezeichnete, hatte sich zusammengefunden, nachdem Staupitz in der Adventszeit 1516 unter großem Zulauf gepredigt hatte, daß die Nürnberger Augustinerkirche die Andächtigen nicht zu fassen vermochte« (lt. Alfred Jeremias). Der Freundeskreis, der sich mit Staupitz zu geselligem Beisammensein im Augustinerkloster oder während seiner Abwesenheit im Hause eines Freundes traf, beurteilte daher den Thesenanschlag Luthers zunächst nur als das mutige Vorgehen eines Staupitz-Schülers (lt. Fedja Anzelewsky).

Gründer
Johann von Staupitz (ca. 1465 ─ 1524)
begegnete 1488 dem Philosophen Marsilio Ficino in Florenz. 1503 Professor in Nürnberg. 1503-1530 Generalvikar der Augustiner. Da er an verschiedenen Orten als Initiator genannt wird, trifft auf ihn die Bezeichnung Wander-Humanist (lt. Max Wehrli) zu.

Teilnehmer
Martin Behaim (1459 ─ 1507 Lisboa)
Aus Nürnberg stammender Geschäftsmann; vor allem Kosmograph. Als solcher entwickelte er 1492 den ältesten erhaltenen Globus, den nach ihm benannten Erdapfel.
Konrad Celtis / Protucius (ca. 1465 ─ 1524)
1487 war er von Kaiser Friedrich III. als erster Deutscher gekrönt worden. Der Wanderhumanist Celtis war jedoch nur sporadisch in Nürnberg und wohnte dann bei Sebald Schreyer. 1502 legte er mit Norimberga eine Städtebeschreibung vor.
Peter Dannhauser
Jurist
Albrecht Dürer (1471 ─ 1528)
»Die Bekanntschaft mit Celtis [1496/97] muß den Künstler bestärkt haben, die von Barbari empfangenen Anregungen zum Studium der menschlichen Proportionen fortzusetzen« (Fedja Anzelewsky S. 71). ─
»Der Humanist [Celtis] und der Maler sind [in dem Gemälde Marter der 10.000 Christen. 1508] in die Betrachtung der Leiden der Märtyrer vertieft, stellen also im Sinne Ficinos eine platonische Freundschaft dar. Nur aus dieser Sicht gewinnen die beiden Figuren im Bildzusammenhange wirklich Sinn« (Anzelewsky S. 140)
Hieronymus Ebner (1477 ─ 1532)
war Jurist und humanistisch gebildeter Patrizier und Losunger.
Konrad Heinfogel (+ 1517)
war ein Astronom, der eine Sternkarte in Zusammenarbeit mit Dürer fertigte.
Hieronymus Holzschuher (1469 ─ 1529)
war Ratsherr und zeitweilig Oberster Hauptmann.
Sebastian Kammermeister (+ 1503)
war Ratsherr und Grubenbesitzer, Schwager von Schreyer und förderte die Weltchronik.
Anton Kolb (*1470 Nürnberg)
Unternehmer und Ratsherr in Nürnberg, vielfach tätig in Venedig. Er entwarf für die serenissima eine Baggermaschine und organisierte eine Arbeitsgruppe von Fachkräften für die große ´Luftaufnahme´ von Venedig, einen mehrteiligen Holzschnitt von 1500, der fälschlich Jacopo de Barbari zugeschrieben wird.
Johann Löffelholz (1448 ─ 1509)
Jurist und Poet, Pseudonym Cocles (dt. einäugig)
Hieronymus Münzer (1437/47 ─ 1508 Nürnberg)

1480 Stadtarzt in Nürnberg; vor allem Geograph und Astronom. Mitarbeiter an der Weltchronik von Schedel durch seine Deutschlandkarte
Kaspar Nützel (1471 Nürnberg ─ 1529)
war Ratsherr und Bürgermeister von Nürnberg. Er übersetzte Luthers Lateinisch abgefaßte Thesen und publizierte sie.
Willibald Pirckheimer (1470 ─ 1530)
war Geschäftsmann und Ratsherr in Nürnberg. Bedeutender publizierender Humanist ohne akademische Karriere, weil diese ihn daran gehindert hätte, in den Rat der Stadt Nürnberg aufgenommen zu werden. Europaweite Korrespondenz
Hartmann Schedel (1440 ─ 1514)
Stadtphysikus und Unternehmer, vor allem Autor und Organisator der Weltchronik von 1493, dem »größten Buchunternehmen der Dürerzeit«. Seine Bibliothek umfaßte 670 Druckwerke und rd. 400 Handschriften.
Christoph II. Scheurl (1481 Nürnberg ─ 1542)
organisierte 1504 in Nürnberg ein Nachrichtenzentrum, das die neusten Informationen auf allen Gebieten mit Express-Extrapost an Regierungen, Kanzleien und Höfe verschickte (Karl Ipser: Venedig und die Deutschen. München 1976 S. 39). 1525 Präses im Rat der Stadt Nürnberg
Sebald Schreyer (1446 Nürnberg ─ 1520)
vermögender Pelzhändler und häufig Gastgeber der Gruppe. Er war humanistisch geschult, aber wissenschaftlich nicht tätig, und nahm in der Gruppe eine Sonderstellung ein.
Lazarus Spengler (1479 ─ 1534)
Liederdichter. Ratsschreiber und Delegierter Nürnbergs auf dem Reichstag. 1518 veröffentlichte er in Augsburg anonym seine Schutzrede für Martin Luther.
Anton Tucher (1458 ─ 1524)
Großkaufmann und Erster Losunger
Dietrich Ulsen /Theodoricus Ulsenius (1460 ─ 1508)
Arzt
Bernhard Walther (ca. 1430 ─ 1504 Nürnberg)
Kaufmann und Astronom. Ratsherr in Nürnberg und Lehrer von Heinfogel
Johannes Werner (1468 Nürnberg ─ 1522)
Theologe, Mathematiker und Astronom. 1500 entdeckte er einen Kometen.

Literatur
Fedja Anzelewsky: Dürer. Werk und Wirkung. Erlangen o.J.


Ciceroniani
etwa seit 1506

Erasmus von Rotterdam führte bekanntlich eine ausgedehnte Korrespondenz mit Gleichgesinnten d.h. Humanisten über philologische Fragen und Themen der Zeit. Das biographische Lexikon seiner Briefpartner füllt drei Bände. Das Volumen seiner erhalten gebliebenen Briefe umfaßt etwa 3000.
Diese Gruppierung ist insofern ein Sonderfall, als nicht von einer institutionalisierten Akademie gesprochen werden kann, dafür aber von einer korrespondierenden. Unter den europäischen Philologen war damals ein viel diskutiertes Thema, welchem Standard die wissenschaftliche Umgangssprache, Latein, zu genügen hätte. Dazu hatte sich schon Francesco Petrarca Gedanken gemacht. Der schloß sich Quintilian an in der Auffassung, daß an Cicero die Rhetorik bzw. der Schreibstil zu messen sei. Auch Erasmus hielt es für erforderlich, das damals vorherrschende Latein wieder auf das Sprachniveau Ciceros zu bringen. Dazu hat Erasmus 1528 auch sein Werk Ciceronianus publiziert.
In einem Brief an Alciati erwägt er, die mit ihm korrespondierenden Philologen zu einer Gruppierung, also einer Accademia, zusammenzuführen. Organisatorische Schritte dazu scheint Erasmus jedoch nicht unternommen zu haben, zumal er oft seinen Standort wechselte, vielleicht aber auch, weil er auf diesem Gebiet ohnehin Widersachern wie Marcus Musurus weniger Angriffsfläche bieten wollte.

Initiator
Erasmus von Rotterdam 1466/69 ─ 1536
war als Privatgelehrter Philologe und griff in seinen Werken Themen der Zeit auf, indem er sie zur Diskussion stellte. Parallel führte er eine überaus ausgedehnte Korrespondenz, auch mit den politischen Größen der Zeit, und beeinflußte dadurch in starkem Maße die öffentliche Debatte. 1528 veröffentlichte er ´Ciceronianus´.

Gleichgesinnte
Andrea Alciato 1492 ─ 1550
galt als großer Interpret Römischen Rechts. Ab 1533 lehrte er in Pavia.
Girolamo Aleandro 1480 ─ 1542
war 1507/08 bei Aldus Manutius als Lektor tätig und wohnte zeitweilig zusammen mit Erasmus. Seine Karriere führte ihn nach Rom; er wurde Nuntius in Deutschland.
Romolo Querino Amaseo 1489 ─ 1552
studierte Latein und Griechisch in Bologna und schuf lateinische Übersetzungen griechischer Autoren. »one of the greatest latinists of his day« (lt. Thomas B. Deutscher)
Pietro Bembo 1470 ─ 1547
war Schüler von Leoniceno und ab 1501 selbst Lehrstuhlinhaber in Padua sowie ab 1530 Bibliothekar Venedigs. Als Poet und Förderer des Toskanischen wurde er und seine Veröffentlichungen sehr geschätzt, sogar zum Kardinal erhoben. »Erasmus saluted the Venetian as one of the heroes oft he literary world« (lt. Danilo Aguzzi-Barbagli)
Giulio Camillo + 1544
wohnte 1506/09 zeitweilig zusammen mit Erasmus von Rotterdam und war lebenslang in Europa unterwegs.
Gaspare Contarini 1483 ─ 1542
stammte aus einer Patrizierfamilie in Venedig, war umfassend gebildet und wurde Chef des Rats der Zehn.
Giambattista Egnazio / Cipelli 1478 ─ 1553
ausgebildet in alten Sprachen in Venedig betrieb er dort zeitweilig eine Grammatik-Schule und lehrte Rhetorik.
Giano Lascaris 1445 ─ 1534
wohnte und arbeitete seit 1509 zunächst bei Aldus Manutius. Später wohnte Erasmus bei Lascaris. 1513 übernahm er das Griechisch-Kolleg in Rom. Für die Medici beschaffte Lascaris viele antike Textausgaben.
Niccolò Leoniceno 1428 ─ 1524
promovierte in Padua zum Arzt und lehrte Mathematik und Griechisch. Bei Aldus Manutius betreute er die Ausgaben von Galen und Hippokrates,
Aldus Manutius + 1515
war Druckunternehmer und humanistischer Philologe. Durch seine Druckerpresse wurde er zum wichtigsten Editor griechischer antiker Werke (→ Accademia Aldina).
Benedetto Ramberto
war Bibliothekar von S. Marco in Venedig.
Niccolò Strozzi + 1645
wurde durch Kardibal Mazzarin und Maria de'Medici regierender Minister in Florenz. 1644-48 war er Mitglied.
Giovanni Pierio Valeriano Bolzanio 1477 ─ 1558

erhielt er durch Papst Clemens VII. die cattedra d’eloquenza am Collegio Romano. 1529 wurde er Sekretär von Kardinal Ippolito de’Medici.
Fabrizio da Varanno + 1508
war Bischof von Camerino.
Viglius Zuichimus 1507 ─ 1577
studierte am Trilingue in Leuven, hatte europaweite Kontakte und lehrte u.a. in Padua 1532
Zivilrecht. 1549 wurde er als Vorsitzender des Geheimen Rats in Flandern eingesetzt.

Literatur
Contemporary of Erasmus. Toronto Buffalo London 1985/87

Accademia dei Cimento
dt. des Wagnis
1634/57 ─ 18. Jahrhundert Florenz

Mitte des 17. Jahrhunderts gab es zwei philosophische Lager: die Scholastiker in Rom und die Aristoteliker in Florenz. Dementsprechend fühlten sich letztere als Hort des Rinascimento. (Die Namensfindung der Akademie hängt deutlich mit diesem Begriff zusammen.) Sie wurde beschrieben als »Phönix aus der Asche von →Lincei und eingestuft als illustre sodalizio.
Die Gruppierung war auf die praktische Physik orientiert, damals noch als Experimentalphilosophie bezeichnet. Ihre Zusammenarbeit wurde vom Großherzog Ferdinando II und seinem Bruder, Kardinal Leopoldo de’Medici, begünstigt. Letzterer entwarf das Motto: PROVANDO E RIPROVANDO. welches auf Lukrez zurückgeht. Ihr späteres Motto ging auf Lukrez zurück und lautete: VESTIGIA LVSTRAT (Spuren mustern). Vollkommen sachorientiert verzichteten die Beteiligten auf die sonst üblichen ´bizarren´ Phantasienamen. Man traf sich in dem Saal, der an die Bibliothek Leopoldos anschloß.
In dieser Akademie sammelten sich vorwiegend Naturwissenschaftler. Die Akademiker trieben die experimentelle Physik voran und zwar auf den Gebieten Astronomie, Meterologie sowie elektrischen und magnetischen Phänomenen. Sie unterhielten im Herzogtum mehrere Beobachtungsstationen: im Palazzo Pitti in Boboli, Vallombrosa und Cutigliano. Es wurden Hygrometer installiert in Bologna, Innsbruck, Mailand, Parma und Warschau.
Ab 1659 führten sie über die Vorgänge ein Tagebuch. Um 1660 legten sie
eine Zusammenfassung ihrer Arbeitsergebnisse unter dem Titel ´Saggi di Naturali Esperienze…´ im Druck vor. Dieses Werk wurde 1731 von Pieter van Musschenbroek ins
Lateinische übersetzt. Es ergab sich 1668 eine Verbindung zur Royal Academy in London und ab 1684 zur Universität Nürnberg (Altdorf).

Protektoren
Ferdinando II de’Medici 1610 ─ 1670
Leopoldo de’Medici 1615 ─ 1675

Teilnehmer
Niccolò Aggiunti 1600 ─ 1635
war Mathematiker.
Nicolò Arighetti 1586 ─ 1639
war Philosoph und Mathematiker.
Giovanni Alfonso Borelli 1608 ─1679
war Physiker, Mathematiker und Astronom.
Candido del Buono 1618 ─ 1676
war Priester, verwaltete ein Krankenhaus und war arbeitete mit seinem Bruder zusammen.
Paolo del Buono 1659 ─ 1659
war Instrumentenbauer u,a. eines Aerometers.
Giovanni Domenico Cassini 1625 ─ 1712
wurde 1669 an die Académie Royale des Sciences in Paris berufen.
Benedetto Castelli 1578 ─ 1643
war Benediktiner und Mathematikprofessor.
Bonaventura Cavalieri
war Mathematiker und Astronom.
Carlo Roberto Dati 1619 ─ 1676
war Schüler von Galilei und arbeitete mit Torricelli zusammen.
Onorato Fabbri 1608 ─ 1688
war Mathematiker und Theologe.
war Astronom.
Andrea Falconieri ca. 1585 ─ 1656
war Lautenspieler, Sänger und Komponist.
Ottavio Falconieri 1636 ─ 1675
war Prälat.
Lorenzo Magalotti, Conte 1637 ─ 1712
war der 2. Sekretär.
Raffaello Magiotti 1597 ─ 1656
war Physiker, Mathematiker und Astronom; er untersuchte die Inkompressibilität von Wasser.
Francesco Marchetti
war Rechtsanwalt.
Alessandro Marsili 1601─ 1670
Famiano Michelini 1604 ─ 1665
war Kleriker, aber auch Mathematiker und Ingenieur.
Geminiano Montanari 1633 ─ 1687
studierte Jura, war aber an Naturwissenschaften interessiert.
Antonio Nardi 1598 ─ ca. 1648
arbeitete auf dem Gebiet der Geometrie.
Antonio Oliva 1624 ─ 1689
Dino Peri
Francesco Redi 1626–1697
war Arzt und Toxikologe.
Michelangelo Ricci 1519 ─ 1682
war Mathematiker und wurde Kardinal.
Carlo Rinaldini 1615–1698
publizierte mehrere Werke zur Mathematik.
Rossetti
Alessandro Segni 1625–1659
war der 1. Sekretär.
Jacopo Soldani 1579 ─ 1641
wirkte mit an der Sammlung ´Ditirambici e Satirici´.
Evangelista Toricelli 1608 ─ 1647
war befreundet mit Dati und beschäftigte sich mit Hydraulik.
Cristiano Ughello
war Astronom.
Vincenzo Viviani 1622 ─ 1703
beobachtete die Drehung der Erde.

Literatur

Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia degli Concordi
dt. der Einigen
auch: dei in Classe
1683 Ravenna

Die Themenfelder der Akademie betrafen Landwirtschaft, Künste und Wirtschaft. Aber sie publizierte 1687 auch Miscellanea Poetica degli Accademici Concordi di Ravenna.
Lt. Überlieferung gab es schon in der Antike in Ravenna eine →Accademia dei Informi, die sich in Classe gebildet hatte. Das Motto der Akademie war ─ selbstverständlich lateinisch ─ vox omnibus una.
Die Gruppe bestand aus Humanisten und fühlte sich den Schönen Künsten verpflichtet; es gehörte eine Fakultät der Rhetorik und Poesie dazu sowie für Geschichte, Moralphilosophie. Die Übermittlung des Wissens an die Nachfolgenden in ganz Italien war ihnen wichtig. Ob damals schon eine Art Fernleihe praktiziert wurde, wird leider nicht erwähnt.
In einem Sonett von Francesco Fulvio Frugo (1620 ─ 1686) heißt es im Schlußvers:
V’unite a rinovar gli antichi vanti
Del Saper Elementi, e Sfere, e Stelle

Ehrenvorsitzender
Fabio Guinigi 1628 ─ 1691
wurde als ´avvocato in terra´ bezeichnet und war 1674 – 1691 Erzbischof von Ravenna.

Teilnehmer
Ein Verzeichnis der Mitglieder aus dem Jahr 1687 umfaßte 242 Namen aus dem ganzen Land.
Pietro (Giambattista) Canneti / l’Indifferente 1659 ─ 1730
war als Camaldolensermönch Sekretär der Gruppe und wurde als ´buon gusto letterario‘ bezeichnet.
Michele Capellari
Giovanni Mario Crescimbeni 1663 ─ 1728
war Literaturwissenschaftler, Historiker und Petrarkist (→ Accademia dell‘Arcadia). Außerdem schrieb er über Della bellezza della volgar poesia.
Vincenzo da Filicaia 1642 ─ 1707
schrieb ´poesie toscane´ und war Politiker d.h. er war u.a. Statthalter von Pisa.
Giuseppe Malatesta Garuffi 1649/55 ─ 1727
war Poet und arbeitete als Bibliothekar ((s. → Fantastici).
Francesco Lemene D. 1634 ─ 1709
war Schriftsteller und Librettist (u.a. favola per musica Endimione).
Carlo Maria Maggi 1630 ─ 1699
schrieb für die commedia dell’arte in Mailänder Dialekt.
Antonio Magliabechi 1633 ─ 1714
wurde als Goldschmied ausgebildet, Durch Selbststudium und sein phänomenales Gedächtnis stieg er zum Bibliothekar von Cosimo III. de’Medici auf. Er selbst besaß eine Bibliothek von rd. 30.000 Bänden. Diese wurden Bestandteil des Grundstocks der italienischen Nationalbibliothek. Damals wurde die Bibliothek als Repubblica Letteraria bezeichnet.
Giovanni Giuseppe Orsi, marquese
Francesco Redi D. 1626 ─ 1697
war Mediziner und Leibarzt von Fernando de' Medici sowie Apotheker des Herzogs.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia de’Concordi
dt. der Einigen
1608 Rovigo

Conte Gasparo Campo war ein Freund der Schönen Künste und Förderer von Musik und Literatur. Dazu stellte er sein Anwesen zur Verfügung und scharte Studenten und kluge Köpfe seiner Umgebung um sich. Leider sind über die Frühzeit der Akademie kaum Angaben über die Aktivitäten vorhanden; gleiches gilt auch für die zweite Phase unter Alessandro Campo. Die Statuten wurden von Scipione Boldù 1648 aufgesetzt.
Um 1734 taten sich 16 Aktive unter Führung von Giovanni Alvise Naselli zusammen und bewirkten eine Neugründung im Hause des Marchese Alfonso Manfredini. Die Interessierten wurden in drei Gruppen aufgeteilt: die Würdigen, die Berufenen und die Ordinierten. In Erinnerung an den Gründer wurde mit Reden und Lesungen die Neueröffnung gefeiert. Es fehlen aber detaillierte Angaben über den weiteren Verlauf.
Das spätere Motto (bis 1746) lautete: Musice volvuntur (Sie werden bewegt von der Kunst der Musen). Die Imprese zeigt den Globus mit den Sphären.

Initiator
Gasparo Campo, conte + 1629

Teilnehmer
Alessandro Campo + 1650
war der Sohn und Nachfolger des Gründers. Nach ihm gab es eine neue Phase.
Scipione Boldù
war damals podestà und capitano in Rovigo.
Baldassarre Bonifacio 1585 ─ 1659
war Jurist, Historiker und Monsignore. Er machte sich 1632 einen Namen durch das Werk ´De archivis liber singularis´, worin die Vorgaben für die Einrichtung eines Archivs dargelegt werden.

Vorsitz ab 1697
Niccolò Casalini
war Adliger.

Teilnehmer
Giovanni Grimani
Carlo Labia 1624 ─ 1701
wurde Bischof von Adria.
Giovan Paolo Vidman, Conte
war podestà und capitano von Rovigo.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d'Italia. Bologna 1926-30



Accademia Cosentina
1588 ─ 1603 Cosenza/Kalabrien

Aus der →Accademia Telesiana ging nach dem Tod ihres Oberhaupts Sertorio Quattromani hervor. Er initiierte, obwohl auch Philosoph, eine eigene, stärker literarisch orientierte, hochrangige Akademie. In den späteren Jahrhunderten erschienen verschiedentlich Publikationen über die Akademie.

Gründer
Sertorio Quattromani 1541 ─ 1603/11
war ein vielseitiger Schriftsteller und Lyriker in der Nachfolge von Pietro Bembo.

Teilnehmer
Giovanni Carlo Andreotti
war Rechtsberater.
Bernardinio Bombino ca. 1523 ─ nach 1588
war Rechtsberater. Er publizierte über Kriegsrecht und häusliches Recht.
Marcello de Bonis
war Arzt und Poet.
Tiberio Cortese 1578 ─ 1602
war Prälat, aber auch ein rimatore leggiadro.
Augustino Donio
war Arzt.
Marcello Firao
war Astronom, Philosoph und Poet.
Giacomo di Gaeta
war Schüler von Telesio und Rechtsberater.
Giantommasio Martirano
war Philosoph und Mathematiker.
Claudio Migliarese
war Philosoph.
Celso Molli
war Arzt, Philosoph und Epigrammatiker.
Flaminio Parisio 1563 ─ 1603
war Jurist für kanonisches Recht und lehrte in Rom.
Giacobbe Puderico
war Arzt und Philosoph.
Lodovico Riso
war Rechtsberater.
Francesco Antonio Rossi
war Sammler von Vierfüßlern.
Luigi Rossi

war Poet.
Giovanni Battista Sambiase
war Poet.
Giovanni Francesco Scaglione
war Rechtsberater und publizierte zum Familienrecht.
Lelio Sersale
war Altphilologe.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia della Crusca

dt. der Wurfschaufel
auch: Brigata dei Cruscioni / Cruscati
1582/83 Florenz

Während die Akademiker anderer Gruppen in Florenz einen gelehrten Anspruch pflegten, wollten die Cruscioni Spaß an ihrer Sache haben und pflegten discorsi giocosi. Ihre ´Sache´ bestand aus einem sprachlichen Projekt, dem Vocabolario degli Accademici della Crusca. Während die anderen debattierten, konnten sie es, wenn auch nach langer Vorlaufzeit, fertigstellen: Es erschien 1612 im Druck. Daraufhin legte Beni im Gegenzug 1613 l‘Anticrusca o vero il Paragone dell’italiana lingua vor. Dabei gingen die Cruscioni von dem Sprachstand Dantes, Boccaccios und Petrarcas (le tre corone) aus. Ihnen war auch Pietro Bembo gefolgt. Außerdem inszenierten sie die gemeinsame Komödie L’amico fido.

Noch 1811 war die Gruppe aktiv; sie bestand aus 12 Residenti und 20 Correspondenti.
»Was vom Mehl, wenn es gebeutelt wird, übrig bleibt, wodurch der Fleiß soll angezeiget werden, den diese Academie anwendet, die Toscanische Sprache zu säubern (Zedler).«
»Eine jegliche Academie hat einen besonderen Name der nach der Sache, womit er umgeht, ausgerichtet ist. Ihre Sitze sind auf die Art gemacht, wie ein Brod- oder Speise-Korb, und derselben Lehnen sehen wie Schauffeln au (Zedler)«.
Jedes Mitglied verfügte über eine Wurfschaufel, von denen einige erhalten blieben. Sie diente im übertragenen Sinn für den Vorgang, wie in der Landwirtschaft praktiziert: Die Spreu vom Weizen zu trennen. Ihr Symbol war dementsprechend eine Mehl- bzw. Kleiemühle.
Ihre Devise entlehnten sie bei Petrarcas Canzoniere: Il più bel fior ne coglie (auch die schönsten Blüten) bzw. Separare il fior di farina (=la lingua) dalla crusca.

Gründer
Leonardo Salviati / Infarinato 1540 ─ 1589
war Übersetzer, wurde in die Akademie gewählt und betreute das ´Vocabolario degli Accademici della Crusca´.

Mitglieder
Lodovico Adimari 1644 ─ 1708
war Satikriker und wurde 1694 aufgenommen.
Vincenzo d’Ambra / il Nudrito
Giovanni Battista Attendolo ca. 1536 ─ 1592
war Aristoteliker und hatte 1583 den Titel eines Abts von S. Marcello Maggiore in Capua erhalten. Er war offenbar korrespondierendes Mitglied.
Volumnio Bandinelli / Rimpastato / Lacero 1598
wurde 1657 Kanoniker am Petersdom.
Giovanni Maria de‘Bardi 1534 ─ 1612
war Graf, Poet und Komponist, vor allem aber Mäzen. → camerata fiorentina.
Lorenzo Bellini 1645 ─ 1704 
war Mathematiker und wurde 1663 Professor für theoretische Medizin sowie 1691 Mitglied.
Uberto Bentivoglienti
Jacopo Cambi
war Kleriker.

wurstschaufel Die Schaufel des Mitglieds
Bernardo Canigiani / Gramolato.
Bernardo Canigiani / Gramolato 1524 ─ 1604
war als Petrarkist Mitbegründer und 1566 befreundet mit Torquato Tasso, vor allem Diplomat, u.a. in Ferrara und in Ungarn. 1583 wurde er Botschafter der Medici bei Philipp II.
Francesco Cionacci
Giovambattista Compagni
Giovan Battista Deti / Sollo 1578/81 ─ ca. 1630
war Neffe des Kardinals Aldobrandini und Mitbegründer. Er gehörte dem Jesuitenorden an.
Francesco Doni
Pierandrea Forzoni Accolti / il Sincero 1619 ─ 1719
arbeitete für Francesco Maria de' Medici, den späteren Kardinal. Obwohl er Sekretär der Accademia degli Apatisti war, trat er der Gruppe bei.
Girolamo Gigli / Economico 1660 ─ 1722
war Komödienautor und Petrarkist. Er hatte in Siena eine Professur für ´lettere toscane´. 1708 nach Rom, aber er geriet in Streit mit Crescembeni (→ Arcadia), wurde ausgestossen und wich nach Viterbo aus.
Benedetto Gori / il Quieto
Antonio Francesco Grazzini / il Lasca 1504 ─ 1584
war Apotheker, Mitbegründer und hatte schon 1540 die →Accademia degli Umidi gegründet.
Vincenzo Leonio 1650 ─ 1720 hatte in Spoleto Philosophie, Grammatik und Rhetorik studiert. Als Petrarkist war er auch Librettist.
Lorenzo Magalotti / il Sollevato 1584 ─ 1637
rückte zum Kardinal auf.
C. M. Maggi █
Marco Martelli
Pietro Mozzi
Tommaso del Nero 1545 ─ 1572

Pandolfo Pandolfini
Adriano Politi 1542 ─ 1625
arbeitete am gemeinsamen Vocabulario mit, gab aber (lt. Max Pfister) als Sienese 1614 ein eigenes Wörterbuch heraus, das auch die Besonderheiten der Region Siena enthielt. um 1614 das ´Vocabulario della Crusca´ in Rom heraus.
Federigo de’Ricci
Giovanlorenzo Ricci
Bastiano de' Rossi / Inferigno 1550/60 ─ 1627
war Mitbegründer und wurde zum Sekretär der Gruppe bestimmt. Seither führte er bis 1588 das Diario. Er stand kontrovers zu Torquato Tasso.
Luigi Rucellai / il Propagginato
Andrea Salvadori + 1634 wurde 1591
aufgenommen, stand aber kontrovers zu Francesco Cacchini.

Alamanno Salviati / l’Informe 1669 ─ 1733
wurde 1730 zum Kardinal erhoben.
Leonardo Salviati / Infarinato 1540 ─ 1589
wurde 1583 in die Akademie aufgenommen und war linguistisch tätig.
Antonmaria Salvini 1653 ─ 1729
war Professor für Altgriechisch in Florenz.

Alessandro Tassoni 1565 ─ 1635
war Jurist und Poet (La secchia rapita). Seit 1589 bei Crusca. Er kritisierte die Petrarkisten
Luigi Strozzi / l‘Imbianchito
Niccolò Strozzi +1655
war Sekretär der Kurie und verrstand sich als Vermittler spanischer Dramen ins Toskanische.
Torquato Tasso 1544 ─ 1595
Der berühmte Poet wurde erst 1590 aufgenommen.
Domenico Tornaquinci / l’Immaturo
Bernardo Zanchini / Macerato + 1584
war Mitbegründer.

Auswärtiger
Ludwig von Anhalt-Köthen, Fürst 1579 ─ 1650 
war erstes deutsches Mitglied der Akademie als L'Acceso (Der Entzündete) → Fruchtbringende Gesellschaft, auch ´Crusca Germanica´ genannt.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30
Johann Heinrich Zedler: Das Grosse vollständige Universal-Lexicon der Wissenschaften und Künste. Leipzig 1732-54
www.grin.com/document/427759 (6.10.2020)

Bildnachweis
commons.wikimedia.org/wiki/File:Pale_degli_accademici_della_crusca,_gramolato_(bernardo_canigiani),_post_1582,_pasta_sotto_la_gramola.jpg (6.10.2020)