Accademia degli Infiammati
dt. der Entzündbaren
1540 ─ 1545/50 Padua

Es gab gemeinsame, abendliche Arbeitsessen mit gelehrten Gesprächen. Die Gruppierung setzte sich für die Volkssprache ein, wobei die lingua thoscana bevorzugt wurde.
Bei den sog. Lektionen wurden auch auswärtige Autoren wie Pietro Bembo bzw. Ariost und Antonio Forteguerri vorgelesen. Vergils Aeneis galt als großes Vorbild. Außerdem wurden Debatten über Sprache geführt.
Emblem der Gruppe war Herkules am Monte Olite/Oita in Flammen. Nach erfolgreichem Abschluß aller seiner Taten ließ sich Herkules auf einem Scheiterhaufen verbrennen und erreichte auf diese Weise die Unsterblichkeit.

Initiator
Sperone Speroni 1500 ─ 1588 
war Philosoph, Mediziner und hatte den Lehrstuhl für Logik in Padua inne. Er schrieb 1546 die Tragödie Canace.

Teilnehmer
Luigi Alamanni 1495 ─ 1556 
war ab 1559 Sekretär des Kardinals Ippolito d’Este und als Gegner der Medici längere Zeit in Frankreich.
Pietro Aretino 1492 ─ 1556 
war Satiriker, Polemiker und Provokateur in Venedig.
Daniele Barbaro 1513 ─ 1570 
war Politiker (Senator und u.a. podestà von Verona) und Wissenschaftler (insbesondere Optik). Er hatte Vitruv studiert und ließ zusammen mit seinem Bruder die Palladio-Villa Maser erbauen.
Angelo Beolco / el Ruzzante 1496 ─ 1542 
war Gutsverwalter und Dramaturg. Er stand mit Pietro Bembo und Sperone Speroni in Verbindung.
Marcello Cervini 1501 ─ 1555 
war Kardinalbibliothekar und 1555 kurzzeitig Papst Marcello II.
Galeazzo Gonzaga 1509 ─ 1562 
hielt sich lange am Hof in Ferrara auf und war um 1547 governatore von Modena.
Antonfrancesco Grazzini / il Lasca 1503 ─ 1584 
Kaufmann, Poet und Dramatiker
Bartolomeo Lombardi 
übersetzte zusammen mit Maggi die Poetik des Aristoteles.
Vincenzo Maggi ca. 1498 ─ 1564 
war Philosoph und Übersetzer.
Niccolò Martelli 1498 ─ 1555 
war Kaufmann und Literat.
Giovanni Mazzuoli da Strada / padre ca. 1480 ─ 1549 
wurde volkstümlicher Schriftsteller und schrieb Spontan-Literatur. Als die Medici nach Florenz zurückkamen, wurde er provveditore von Pisa, stand im Dienst von Lucrezia de’Medici und arbeitete als Informant für Lorenzo de’Medici.
Leone Orsini 1512 ─ 1564 
war Kleriker und ab 1525 Bischof von Fréjus.
Alessandro Piccolomini 1508 ─ 1578/79 
war Kleriker und Astronom, publizierte und wurde später Titularerzbischof von Patras. Er hatte ab 1540 einen Lehrstuhl für Philosophie inne.
Bernardino Tomitano 1517 ─ 1576 
trat als Cicero-Übersetzer für die lingua thoscana ein. Durch sein Studium war er Mediziner und Philosoph. Er las bis 1563 an der Universität in Padua über Aristoteles. Außerdem publizierte er über Kosmographie auf der Basis von Ptolemäus. 1554 geriet er in ein Verfahren bei der Inquisition, da man in einer anonymen Schrift ihn als Autor vermutete. Wohl deswegen erhielt er nicht den erhofften Lehrstuhl für Philosophie in Padua. Deshalb kehrte er nach Venedig zurück und praktizierte als Arzt. Er verfügt über eine lange Publikationsliste.
Benedetto Varchi 1502/03 ─ 1565 
studierte, obwohl Florentiner, an den Universitäten Pisa, Padua und Bologna zum Notar. Er wurde als Schriftsteller von Piero Strozzi protegiert. Seine storia fiorentina war nicht im Sinne der Medici und wurde daher nicht gedruckt.

Literatur
Isabetta Selmi. In Dizionario Biografico Italiano. Roma


Accademia degl‘ Intronati
dt. der Betäubten
1525/27 ─ 1568/1603 Siena

Theaterliebhaber der Stadt taten sich zusammen und traten 1532 mit der Aufführung einer Komödie Gl’Ingannati (die Betrogenen) zu Ende der Karnevalszeit an die Öffentlichkeit. Am Text waren mehrere Autoren beteiligt, und das Spiel von der Gruppe selbst erarbeitet worden. Die Handlung spiegelte in gewisser Weise städtisches Leben wider.

Das Motto der Aufführung lautete meliora atent d.h. wohl das Bessere achten?
Höhepunkt war 1531 die kollektive Erarbeitung der an Plautus orientierten Komödie  L’ingannati, die Betrogenen. Der Holzschnitt enthält eine Schweinsblase, wohl weil diese gern zum Jux benutzt wurde. Ihr hinterlegt sind gekreuzte Schlägel d.h. hölzerne Hämmer.
Im Zuge der Gegenreformation erkannten die Jesuiten die Notwendigkeit, dem Geschmack der Bevölkerung durch volkstümliche Unterhaltung entgegenzukommen. Das Jesuitentheater ist sogar ein fester Begriff der Literaturgeschichte geworden.
In Erinnerung an die Akademie wurde von der Sieneser Bürgerschaft im 18.Jahrundert ein eigenes Theater errichtet und benannt Teatro Grande della Nobilisssima Accademia degl’Intronati.

SchIntronati-Siena Titelblatt der Komödie von 1532irmherr
Ippolito de’Medici 
wurde 1529 zum Kardinal erhoben.

Vorsitz
Marcello Cervini 1501 ─ 1555 
war Kardinalbibliothekar und 1555 kurzzeitig Papst Marcello II.

Teilnehmer
Laura Battiferri Ammanati 1523 ─ 1589 
war eine namhafte Poetin und Verfasserin von Sonetten. Sie setzte sich zunehmend für die Gegenreformation ein. Sie war mit dem Architekten Bartolomeo Ammanati verheiratet.
Girolamo Bargagli 1537 ─ 1612 
war Dramatiker und Autor von La pellegrina. Dieses Stück wurde auch anläßlich der Medici-Hochzeit 1589 von den Teilnehmern der Gruppe in Florenz aufgeführt.
Elena Lucrezia Cornaro Piscopia 1646 ─ 1684
Girolamo Gigli / Economico 1660 ─ 1722 
war zeitweilig Sekretär. Er schätzte Molière und schrieb über Caterina von Siena (→ Accesi. Crusca, Timidi).
Vincenzo Leonio 1650 ─ 1720 
war als Petrarkist auch Librettist. Er hatte in Spoleto Philosophie, Grammatik und Rhetorik studiert.
Orazio Lombardelli / Sbigottito (der Betroffene/Bestürzte) ca. 1545 ─ 1608 
schrieb Diskurse.
Alessandro Piccolomini 1508 ─ 1578 
übersetzte Ovid, schrieb Komödien und veröffentlichte Sonette (→ Infiammati, Padua)
Adriano Politi 1542 ─ 1625 
arbeitete als Sekretär bei verschiedenen Kardinälen und war zugleich Übersetzer und Lexikograph.
Claudio Tolomei / Adriano Franci 1492 ─ 1556 
war als Drucker/Verleger und Schriftsteller Mitbegründer, beruflich jedoch Diplomat und Bischof von Curzola und Toulon.



Königsberger Kreis
auch: KürbsHütte, Königsberger Dichterbund
1638 ─ 15650 Königsberg/Preußen

»Diese Gesellschaft bildete eine Begräbnisfraternität für Pestzeiten mit dem verbindenden geistigen Element der Dichtung und Musik«, um Begräbnisfeiern würdig auszugestalten zu können. Sie war keine Sprachgesellschaft und hatte sich auf zwölf Mitglieder festgelegt.
»Albert gilt als der Begründer des Sololiedes mit Begleitung in Deutschland, wo bisher vor allem das Chorlied gepflegt worden war. Damit bekommt das Lied, bezeichnend für die Eigenart des Königsberger Kreises überhaupt, eine neue intime gesellige Funktion; es wird Mittelpunkt eines mit einfachen Mitteln pflegbaren Hauskonzertes«
(Werner Kohlschmidt: Geschichte der Deutschen Literatur vom Barock bis zur Klassik. Stuttgart 1965 S. 55).

Gründer
KönigsbergerUnbekannter Künstler: Die Kürbshütte.
Stich von 1645
Heinrich Albert 1604 ─ 1651

gilt als der Begründer des Sololiedes mit Begleitung. Er war Domorganist, verwandt mit dem Komponisten Heinrich Schütz und wurde von diesem ausgebildet. Die italienischen Arien nahm er sich zum Vorbild.
Die als Tagungsort benutzte Laube war sein Eigentum. Der Dichter Martin Opitz besuchte hier 1638 seinen Freund Simon Dach.


Teilnehmer
Andreas Adersbach + 1640
Michael Adersbach
war Kurfürstlicher Rat.
Simon Dach / Chasmindo 1605 ─ 1659
galt als Haupt des Kreises und war Lehrer an der Domschule, später Professor für Dichtkunst. Er dichtete unter vielen anderen Texten ´Jesu meine Freude…´
Johann Franck 1618 ─ 1677
war Rechtsanwalt und Liederdichter. Er dichtete ´O wie selig seid ihr doch...´
Christoph Kaldenbach / Celadon
war Lehrer und Musiker.
Robert Roberthin 1600 ─ 1648
war weitgereist und als Justizbeamter tätig.
Christian Rose 1609–1677
Johann Stobäus 1580 ─ 1646
war Kantor am Dom und später Kapellmeister der Schloßkirche. Er vertonte ´Such, wer da will…´
Valentin Thilo 1607 ─ 1662
war Professor für Beredsamkeit in Königsberg. Er dichtete u.a. ´Mit Ernst, o Menschenkinder…´
Johann Peter Tietz
wurde Professor in Königsberg.
Christoph Tinctorius 1609–1677
war Mediziner und wurde 1649/50 und 1659/60 Rektor der Universität.
Gottfried Zamel 1629–1684
war Ratsherr in Elbing.
Georg Weissel 1590–1635
war zunächst Lehrer, dann Rektor und Pastor. Er dichtete u.a. ´Such, wer da will…´
Georg Werner 1581/89 ─1643/61
war zunächst Lehrer, dann Rektor und Pastor. Er dichtete u.a. ´Freut euch ihr Christen alle…´

Literatur und Bildnachweis
Jost Hermand: Die deutschen Dichterbünde. Köln u.a. 1998 S. 44ff