Accademia Olimpica
dt. Olympische Akademie
1555 ─ █ Vicenza

»Eine Vorliebe für das Theater kennzeichnet die Haltung der Vicentiner Aristokratie, die darauf gerichtet war, ihre Hegemonie zu behaupten (Vicenza war 1404 der Seerepublik Venedig eingegliedert worden). Es ist bezeichnend, daß die Leitung des Theaters von der Olympischen Akademie übernommen wurde, eine Einrichtung, die dazu bestimmt war, die kulturelle Vermittlerrolle der machthabenden Klasse zu fördern, zu bestimmen und zu artikulieren« (Puppi S. 294/95). Die Akademie widmete sich den Künsten, insbesondere der Bühnenkunst, der Literatur und den Wissenschaften später auch der Agrikultur. Treffpunkt der Gruppierung waren in der frühen Zeit die Casa Todeschini a Portanova und die Gärten del Porto lungo, wo auch die Herkules-Figur stand.

Am 1.12.1560 erfolgte der Beschluß der 21 Mitbegründer der Akademie, für den nächsten Karneval »die schöne und angesehene Komödie von Herrn Alessandro Piccolomini [1508 ─ 1579] mit dem Titel ´L’Amor Costante´ zu inszenieren« (Puppi S. 295). Am gleichen Tag erging der Auftrag zum Bau des ´Theaters aus Holz´ an Andrea Palladio (1508 ─ 1580). »Die für die Aufführungen in den Jahren 1561/62 entworfene Konstruktion ´aus Holz´ entspringt in erster Linie dem zwischen 1541 und 1554 entwickelten archäologischen Engagement Palladios, der dem Problem der Art des Theaters große Aufmerksamkeit schenkte«. »Die Prüfung der genannten Quellen beweisen, daß Palladio im ´Theater aus Holz´ … das vor fünfzehn Jahren gegründete System des Proszeniums in seinen wesentlichen Linien (doppelte Säulenordnung, Türen, Statuen und Basreliefs) … mit einigen zweckmäßigen Abänderungen, wiederaufnahm und verwirklichte« (Puppi S. 295/96).

In dieser Weise entstand der erste ständige Theaterbau seit der Antike. Ihr erster Vorsitzender war Giangiorgio Trissino. Unter den späteren 44 Vorsitzenden wurde hin und wieder auch ein Nachfahre aus der Familie gewählt. Marcantonio Trissino publizierte 1862 einen Rückblick auf die Akademie. 1557 wurde Terenz‘´Andria´ aufgeführt, 1562 ´Sofonisba` von Trissino und 1564 ´Mandragora´ █. 1786 wird Goethe als Assistent der Regie erwähnt.

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»Die betont antikisierende Gestaltung des Theaters spiegelt den humanistischen Geist, der die Vicentiner Akademie beherrschte« (Wladimir Timofiewitsch in Reclams Kunstführer Italien Bd. II, 2, S. 723). Das Bauwerk ist glücklicherweise bis heute erhalten geblieben. »In den von Ädikulen gerahmten Nischen der Szenenfront stehen Stuckstatuen, die Mitglieder der Akademie in antikisierenden Gewändern darstellen... In der Attika sieht man Reliefs von Agostono Caneva mit Darstellungen der Taten des Herkules, des Patrons der Vicentiner ´Accademia Olimpica´« (S. 724). »Das Theater aus Holz wurde mit so großer Sorgfalt errichtet, daß es in allem dem der alten Römer ähnelt« (A. Magrini S. 42).

Mitbegründer
Anton Maria Angiolelli
Elio Belli
Silvio Belli
war Ingenieur und Mathematiker sowie am Bau beteiligt,
Elio Bellotti
steuerte die Imprese bei. Das Motto lautete: HIC OPUS HIC LABOR EST.
Valerio Chiericato
Giambattista Graziani█
Vincenzo Magré
da Monte, Conte
Giuseppe Ovetari
Giacomo Pagello
Andrea Palladio
Girolamo da Schio
Todeschini █
Bernardino Trinagio █
Giangiorgio Trissino 1478 ─ 1550
war als Diplomat wie als Humanist hochangesehen; er schrieb die Stücke ´Sophonisba´ und ´L’Italia liberata dai Goti´. 1537 hatte er seine eigene humanistische Akademie → Accademia Trissiana´ gegründet.

Literatur
A. Magrini. Memorie intorno al vita e le opere di Andrea Palladio. Padua 1845
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Ìtalia. Bologna 1926-30

Lionello Puppi: Andrea Palladio. München 1982
Reclams Kunstführer Italien Bd. II. Stuttgart 1981

Bildnachweis
wikipedia.org/wiki/Teatro_Olímpico#/media/Archivo:Interior_of_Teatro_Olimpico_(Vicenza).jpg
wikipedia.org/wiki/Teatro_Olímpico#/media/Archivo:Interior_of_Teatro_Olimpico_(Vicenza).jpg
Das Proszenium des Teatro Olimpico


Accademia degli Ortolani I

dt. der Gartenliebhaber
1543 ─ 1545 Piacenza

Die Beteiligten waren keine Freunde der Gartenarbeit, sondern ergingen sich bei ihren Treffen in einem Garten der Stadt. Nach dem Florentiner Vorbild nannten sie sich so. In diesem Stück kultivierter Natur ´regierte der Dio degli Horti´ / Gott des Gartens, und sie erörterten dort ihre Themen, deren Spektrum aus Philosophie, Logik, Rhetorik, lateinischer Poesie und dem Toskanischen bestand. Von daher könnte der Topos ´Arkadien auf kleinem Raum´ wichtig gewesen sein. Jedenfalls spielte die Gestalt des phrygischen Gottes Priapos für sie eine Rolle, Sohn der Aphrodite, der in Griechenland erst zur Zeit der makedonischen Herrschaft Fuß faßte.
Ihr Motto lautete: Se l’Humor non vien meno █. Untereinander redeten sie sich mit ihrem Phantasienamen an, der auch bei den kleineren Schriften, die sie verfaßten, verwendet wurde. Die Gruppe, an der auch Frauen beteiligt gewesen sein sollen, hatte einen Decknamen: la Semenza/Samen

Gründer
-14-Lud
Tintoretto: Portrait Lodovioc Domenichi
Lodovico Domenichi 1515 ─ 1564
hatte einen Lehrstuhl für alte Sprachen inne und übersetzte antike Texte. 1574 publizierte er einen `Dialogo delle Imprese`.
Antonio Francesco Doni / Barbassoro 1513 ─ 1574
war Kleriker. Er studierte in Florenz Jura und lernte die von den Medici initiierten →Orti Oricellai kennen. Für die Gruppe war er daher der Erfahrene.

Teilnehmer
Antonio Bracciforti
Giovambattista Boselli
Bartolomeo Gottfredi
übernahm die Funktion des Sekretärs.
Girolamo Mentovato
Tiberio Pandola

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d‘Ítalia. Bologna 1926-30