Accademia dello Sdegno
dt. des Zorns
auch: degli Sdegnati / der Verschmähten
1541/42 ─ ca. 1545 Rom

Die thematische Ausrichtung der Akademie war humanistisch auf Literatur, Jura und Altertumskunde orientiert. Bei vergleichsweise namhaften Mitgliedern liegen bedauerlicherweise so gut wie keine Aufzeichnungen über die Aktivitäten vor. Die Benennung erscheint dysphemistisch.

Gründer
Girolamo Ruscelli / Alessio Piemontese 1518–1566
definierte sich als filosofo salvatico. 1553 gab er ´Rime di diversi excellenti autori´ heraus und 1558 ein Traktat über die italienische Sprache. Er war als Mathematiker und Kartograph tätig, später zudem als Drucker. Damals verlegte er ´Tutte le rime´ von Vittoria Colonna.
Tommaso Spica

Protektor
Alessandro Farnese 1468 ─ 1549
wurde 1534 Papst Paul III.

Teilnehmer
Giovanni Andrea dell’Anguillara 1517 ─ 1570
war Poet und übersetzte Ovids Metamorphosen.
Arcisdegnato
Dionigi Atanagi 1504 ─ 1573
war befreundet mit Latini.
Trifone Benci(o)
war Sekretär in der päpstlichen Kanzlei und war befreundet mit Atanagi. Ein Brief von ihm wird bei Maylender V S. 141 zitiert.
Giovan Battista Caporali / Bitti ca. 1476 ─ 1560
war Architekt und zeitweilig in Rom tätig.
Annibale Caro 1507 ─ 1566
stand als Diplomat bis 1543 im Dienst von Kardinal Gaddi, danach von Pier Luigi Farnese, Ranuccio Farnese und Alessandro Farnese. Zudem war er Vergil-Übersetzer.
Luca Contile 1505 ─ 1574
war Diplomat und Komödienautor.
Marc Antonio Flaminio 1498 ─ 1550
arbeitete über die Kirchenväter, wurde aber nicht in den Theatinerorden aufgenommen.
Latino Latini ca.1513 ─ 1573
war Philologe und in der Kommission für die Überarbeitung des Corpus Juris Canonici tätig.
Pirro Ligorio 1512/13 ─ 1583
war Architekt für den Vatikan, Altertumsforscher und entwarf die Villa d’Este sowie die Brunnen des Parks in Tivoli.
Faustina Mancini
Francesco Molza 1489 ─ 1544
schrieb als Poet u.a. ein Hirtengedicht auf Faustina Mancini.
Giovanni Battista Palatino ca. 1515 ─ ca. 1575
war Kalligraph und Sekretär der Accademia.
Ottavio Pantagato 1494 ─ 1567
war ein namhafter Humanist, der allerdings nicht publizierte.
Claudio Tolomei 1491 ─ 1556
war als Jurist Lektor in Bologna und hielt sich ab 1530 in Rom auf bei Ippolito de’Medici, ab 1535 bei Pier Luigi Farnese. → Accademia degli Ardenti

Literatur
core.ac.uk/display/199981097 (28.1.2021)

Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia dei Secretorum Naturae
dt. der Geheimnisse der Natur
auch: Accademia dei Segreti
1584 ─ 1578 Neapel

secretorum 240Unbekannter Künstler: Portraitstich H. della
Porta
Sie gehört zu den frühen, naturwissenschaftlich orientierten Akademien des Landes, konnte sich aber nicht entfalten. So sind auch nur wenige Notizen über die Aktivitäten bekannt und kaum Teilnehmer erwähnt. Wahrscheinlich wurden auch Akten vernichtet. Der Gründer wurde in den Vatikan einbestellt und auf Betreiben der Inquisition zur Aufgabe seines Projekts veranlaßt.


Gründer
Giambattista della Porta 1535 ─ 1615
war ein vielseitiger Naturwissenschaftler. Er publizierte über die menschliche Physiognomie und die Camera obscura. 1558/59 veröffentlichte er das mehrbändige Werk ‘Magiae naturalis…‘.

Teilnehmer
Lorenzo Crasso 162q3 ─ 1691
studierte Jura und schrieb ‘Lettera al Lettore‘ sowie ´Istoria de’poeti greci´.
Pompeo Sarnelli 1649 ─ 1724
war Historiker und wurde 1692 Bischof von Bisceglie. Zeitweilig gehörte er zur → Accademia degli Spenserati in Rossano.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30
Bildnachweis
upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e9/Porta_title.jpg/800px-Porta_title.jpg (29.1.2021)


Accademia dei Sempiterni
dt. der Ewigen
auch: Compagnia della Calza
1541/42 Venedig

Träger der Akademie waren Familien der alteingesessenen, reichen Familien. Die Statuten bestanden aus 42 Kapiteln. Jedes Mitglied hatte eine Einzahlung von 50 Dukaten zu hinterlegen. Als Schiedsrichter wurde ein provveditore eingesetzt.
Gemeinsam geplant war ein großes Fest von 200 Personen, bei dem jeder 200 Dukaten Eintritt zu bezahlen hatte.
Der namhafte Autor Pietro Aretino schrieb dazu das Stück ´Talanta´, eine Komödie nach dem Vorbild von Terenz. Talanta war eine Hofdame, die von vier Männern umschwärmt wird. Die Bühnendekorationen hatte Giorgio Vasari in Absprache mit Aretino entworfen.

Gründer
waren zwölf Personen:
Girolamo Valier
Andrea Contarini
Bedauerlicherweise ist die Kenntnis weiterer Angaben verloren gegangen.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia dei Separati
dt. der Abgesonderten
um 1675 Venedig (Giudecca)

Einige prominente Kaufmannsfamilien ─ Signori Mercanti Veneti ─ auf der Giudecca hatten das gleiche Anliegen wie die an der → Academia dei Vigilanti Beteiligten, die Ausbildung ihrer Kinder zu verbessern. Aber sie wollten unter sich bleiben und schufen sich eine eigene Akademie. Zum Rektor bestimmten sie Francesco Andrizzi in Zusammenarbeit mit Giovanni Gaspari. Als Imprese nahmen sie das mythische Schiff Argo; zum Motto diente ihnen ihr Vorsatz: DISCESISSE JUVAT (sich zu trennen hilft). Den Schwerpunkt ihrer Zielsetzung legten sie auf Philosophie, Literatur und Tbeologie.

Vorsitz
Antonio Manzoni

Protektor
Danielle Delfino, 1686 ─ 1762
war Patriarch von Aquileja und wurde Kardinal. Er beauftragte 1734 Tiepolo zu Fresken.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia Sforziana
um 1550 Castell Arquato/Piacenza

sforzaUnbekannter Künstler: Kardinal Guido
Ascanio Sforza. Öl auf Lw.
Palazzo Sforza Cesarini
Die Existenz der Akademie geht aus einem literarischen Dokument in der Biblioteca Estense in Modena her vor. Die Burg gehörte zum Besitz von Guido Ascanio Sforza, Kardinal von Santa Fiore, Bischof von Montefiascone und Patriarch von Alexandria. Er frönte der Poesie und umgab sich mit Gleichgesinnten aus Piacenza. Ihr Motto war: IN SFORZIAM.

Leiter
Guido Ascanio Sforza 1518 ─ 1564

Teilnehmer
Ludovico Cerri
rühmte im ´Carmen Endecasyllabon´ (48 Zeilen mit elf Hebungen) den ´ver sacrum´ (hl. Frühling), verbunden mit einem Lob auf Ciceros Eloquenz.
Antonio Pradoveri
Giambattista Rocca
Giovanni Agostino Veggi(o)
war ein Komponist von Madrigalen.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademi dei Sonnacchiosi
dt. der Schlafwandler
um 1520 Bologna

Das Motto lautete ─ deutlich humanistisch ─ SPERO AVANZAR CON LA VIGILIA ─
Um 1640 bildete sich in Bologna ─ offensichtliche in Anlehnung an die Sonnacchiosi ─ eine Accademia dei Sonnolenti. (Name rech.)

Leiter
Gabriello Brunelli
war Professor für Naturgeschichte in Bologna.

Teilnehmer
Paulo Emilio


Accademia degli Spensierati
dt. der Leichtsinnigen
ca. 1540 Rossano/Kalabrien

Noch vor 1500 war es in dem Adriahafen Rossano zur Bildung einer Accademia dei Naviganti gekommen, über die nur minimale Informationen vorliegen. Darauf fußte um 1540 die Gründung dieser Gruppierung d.h. Camillo Toscani gehörte zu denjenigen, die eine neue Gründung anstrebten. Die treibenden Kräfte waren Marino, Paramati und Toscani. Sie gaben sich das Motto: ADVERSA SECURUS (im Gegenteil: unbesorgt). Nach einigen Jahren revidierten sie ihr Motto in REDIERE IN PRISTINA VIRES (█), als █Gimma eine Reform anstrebte. Danach folgten weitere Änderungen. Die Leitung bestand zeitweilig neben dem Vorsitzenden aus zwei Präfekten, zwei Zensoren, einem Kanzler, einem Sekretär, einem provveditore und einem Pedell. Fachlich gab es neun `Klassen` für Grammatik, Rhetorik, Poetik, Geschichte, Philosophie, Medizin, Mathematik, Jura und Theologie.
Der Vorsitz sollte eigentlich wechseln, befand sich aber lange Zeit bei D. Ignazio Lauro. In ihrer Ausrichtung lehnten sie sich an die → Accademia dei Pellegrini an.

Teilnehmer
Fortunato Amarelli
war Präfekt.
Francesco Barbaro
war Kanoniker und Zensor der Akademie.
Giovanni Bertoni
war Zensor.
Carlo Blasco
Francesco Carbone
war Kanzler.
Marcello Celentano
war Berater.
Giovanni Mario Crescembeni█ s. Arkadia
war Zensor.
Padovano Guasco
war Sekretär.
Ignazio di Lauro
war Kanoniker und hatte 13 Jahre den Vorsitz inne.
Giuseppe Marino
hatte in Medizin promoviert.
Francesco di Lanzo
Antonio de Marco
war Pedell.
Cesare Molina
war Kanoniker und Sekretär.
Michelangelo Monticelli
war Präfekt.
Isidoro Nardi
war Kanoniker und Zensor.
Orazio de Paola
war provveditore.
Mario Paramati
Andrea Perucci
war Kanoniker und Zensor.
Baldassare Pisani
war Berater.
Luca Pozzi
Orazio Roguno
war Sekretär.
Gaetano Tremigliozzi
war Berater.
Carlo Troise
war der Drucker der Akademie.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30