Accademia dei Tassisti

nach 1673 Venedig

Die Initiative zur Akademie ging von Baron Ferdinando de Tassis aus Bergamo aus. Seine Projektidee bestand in einer Anthologie von Werken vonAurelio Amalteo, Nicolò Miniato, Pietro Pariati und Apostolo Zeno ─ Poeten, die sich am Kaiserhof aufhielten. Diese sollten in folgende Rubriken gegliedert werden: Liebesgedichte, Heroisches, Moralisches, Betrübliches und Religiöses. Die Sammlung war gedacht für Kaiser Leopold; jedoch blieb das Projekt als Ganzes stecken.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d'Italia. Bologna 1926-30

Tassistium 1673 Venedig




 









Academia Telesiana
dt. von Telesio
1536 ─ 1588 Cosenza/Kalabrien

Bernardino Telesio ging über Aristoteles hinaus und strebte eine dynamische Theorie an. Dadurch kam er in Berührung mit Francis Bacon und Thomas Hobbes. Um Telesio bildete sich ein philologisch-philosophischer Gesprächskreis. Er hatte auch Fühlung mit Giordano Bruno und Tommaso Campanella. Beim Tod von Giovan Paolo Parrasio gab es einige, die von der →Accademia Parrasiana zu Telesio wechselten.

Gründer
Bernardino Telesio 1509 ─ 1588
hatte europaweite Kontakte und war als Gelehrter sehr beliebt, nicht nur in Süditalien.

Teilnehmer
Francesco Antonio d’Amico
war ein ´rimatore leggiadro´ (anmutiger Reimer).
Gioan Battista Amico 1511/12 ─ 1538
war als Platoniker religiöser Schriftsteller. 1536/37 erschien sein Werk über die Himnmelskörper.
Gian Paolo d’Aquino
war Philosoph.
Giovanni Battista Arduiono
war Poet und hielt die Trauerrede auf Telesio.
Muzio della Cava
war Aristoteles-Anhänger. Er schrieb ´De praegnantium desideriis´.
Giulio Cavalcanti
war Philosoph.
Giammaria Bernardo
war Poet.
Manilio Caputo
war Poet.
Bernando Fabio Cicala
war Philosoph.
Camillo Fera
war Poet und schrieb unter anderem ´La selva della vita umana´.
Peleo Firrao
war Poet.
Giovanni Valentino Gentile ca. 1520 ─ 1566 schloß sich den Antitrinitariern an u d siedelte nach Genf bzw. Bern über.
Pompilio Mollo di Monalto
war Rechtsberater.
Francesco Muto
war Philosoph
Venanzio Negro
war wie Gentile Antitrinitarier.
Antonio Pantusa
Micheli Parrasio 1516 ─ 1578 / il geniale Cosentino
proklamierte das Prinzip, durch Induktion zur eigentlichen Philosophie vorzudringen. Wahrscheinlich war der Akademie-Plan von ihm inspiriert. Sein Hauptwerk wurde ´De Rerum Natura juxta propria principia´. Parrasio setzte sich für Bacon und Descartes ein. Aber sein Werk wurde 1596 auf den Index gesetzt. Über ihn gab es Kontakte zur →Accademia dei Lincei.
Sertorio Quattromani / Cosentina 1541 ─ 1603
war ein Schüler Telesios und Philosoph (→ Accademia Cosentina).
Fabrizio della Valle
war Altphilologe.
Lucrezia della Valle
war eine ´poetessa elegante´.
Francisco Vitale
war Poet und Altertumskenner.
Lucio Vitale
schrieb lateinische Verse.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Academia Todesca

auch: Teutsche Academie

Teutsche-Aka-240Titelblatt der Teutsche Academie von
Joachim von Sandrart, 1662 Nürnberg
Der von der italienischen Renaissance als großes Vorbild erfüllte Künstler Joachim Sandrart schuf nach 15jähriger Vorarbeit analog zu Giorgio Vasaris (1511─1574) Vite de’più eccelenti pittori, scultori ed architetti italiani ein Grundlagenwerk der Kunstgeschichte, insbesondere der mitteleuropäischen. Dieses verknüpfte er mit einem Lehrbuch der antiken Skulptur und Architektur großer Vorbilder. Damit wollte er die Grundlage für die Ausbildung heranwachsender Künstler im deutschen Sprachraum legen.
Diese Idee wurde auch praktisch realisiert und zwar in der Nürnberger Kunstakademie, die noch heute besteht. Sie war die erste im deutschen Sprachraum.

Gründer
Joachim Nützel 1629 ─ 1671
stammte aus einer vermögenden Familie Nürnbergs und war Ratsherr.
Elias von Gedeler 1620 ─ 1693
war Architekt.

Joachim von Sandrart 1606 ─ 1688
war ein weitgereister Mann (Venedig, Bologna, Rom u.a.), der seine malerische Ausbildung in Nürnberg, Straßburg und Prag erhalten hatte. Während des Dreißigjährigen Krieges lebte er in Amsterdam und war ein geschätzter Porträtist. Außerdem schuf er Historienbilder. Dadurch genoß er die Protektion des Kaisers Leopold. Mit seiner Publikation wollte er auch die altdeutschen Maler, darunter Grünewald, wieder bekannt machen.

Teilnehmer
Sigmund von Birken 1626 ─ 1681
war Schriftsteller und Übersetzer. Er redigierte das von Sandrart gesammelte Wissen und lektorierte dessen Hauptwerk.


Academia dei Trasformati
dt. der Umgestalter
ca. 1545 ─ 1555 Mailand

Aus der Oberschicht der Stadt Mailand ging diese Akademie hervor. Es scheint, als sei es eine Gruppe von Freigeistern gewesen zu sein, denn ihr Gründer wurde von der Inquisition wegen irreligiöser Ansichten angegriffen. Da kaum Unterlagen über die Aktivitäten vorhanden sind, könnte es sein, daß sie aus Vorsicht vernichtet wurden.
Die Treffen fanden im Haus von Lancellotto Fagnani statt. 1548 erschien eine Gedicht-Anthologie aus dem Kreis unter dem Titel ´Sonetti degli Accademici Trasformati´. Durch diese Ausgabe sind die Beteiligten bekannt; vermutlich war die Gruppe aber größer.
Das Motto lautete: ET STERILES PLATANI MALOS GESSERE VALENTES (Auch unfruchtbare Platanen können kräftige hervorbringen). Dahinter steckt der Gedanke, daß sich durch Aufpfropfen bessere Erträge erzielen lassen. Ein Leitsatz war »parlar con pulitezza, e adoperar con prudenza« (sauber sprechen, klug formulieren).
Die Akademie erlosch beim Tod von Majoragio; zwei Jahrhunderte später versuchte Conte Giuseppe Maria Imbonati 1743-60 einen Neustart in seiner Villa di Cayallasca.

Gründer
Marco Antonio Majoragio, Conte 1514 ─ 1555
war Philosophieprofessor in Mailand und Schriftsteller. Sein Vorbild war Pomponius Leto. Er publizierte u.a. ´Antiparadoxon´ sowie drei elegante Leichenreden für Prominente.

Teilnehmer
Ottaviano Arcimboldi ─ Giovanni Paolo Barza ─ Francesco Castiglione ─ Lancellotto Fagnani ─ Facio Gallerani ─ Andrea Giussani ─ Francesco Montegazza ─
Marco Antonio Missuglia ─ Filippo Pirogalli ─ Cesare Regna ─ Camillo Rho ─ Carlo Visconti

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Biologna 1926-30


Accademia dei Trionfanti
dt. der Triumphierenden
um 1520 ─ 1525 Venedig

Im Quartier San Marcuolo hatte die Familie Loredan ihr Wohnhaus. Sie lud ein zu einer Darbietung der ´Adelphoe´ (die Brüder) von Terenz und am Folgetag zu ´Aulularia´ (der Goldtopf) von Plautus. Diese Nachricht findet sich bei Sanudo (Tagebuch Teil XXXVIII). Offen bleibt, ob eine Schauspieltruppe engagiert wurde, oder die Beteiligten als Laien auftraten. Die Gäste waren Interessierte der Oberschicht Venedigs.

Vorsitz
Marin Cappello
organisierte 1525 ein Fest mit drei Komödien (in Prosa) u.a. ´Philargio et Trebio et Fidel´ von Zuan Manetti.
Bedauerlicherweise liegen keine Informationen über die Beteiligten vor.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30


Accademia Trissiniana
auch: Cricolana Accademia
1537 ─ ca. 1540 Vicenza

TrissinoVincenzo Catena: Gian Giorgio Trissino.
Louvre, Paris
Giangiorgio Trissino war hochgebildeter venezianischer Diplomat, der in jüngeren Jahren an den → Orti Oricellai teilgenommen hatte. Einige Zeit erlebte er die Barbarei der Türken bei der Besetzung Griechenlands mit und zog sich danach auf seinen Landsitz zurück. Ihm ist die Entdeckung und Förderung von Andrea Palladio zu verdanken. Dieser baute ihm 1537 die Villa Cricoli, in der Nähe von Vicenza, die er als seinen Parnaß ansah. Den zugehörigen Park hatte er als Akademie-Garten anlegen lassen. Alberti hatte die Forderung aufgestellt, daß ein Garten der Architektur zu entsprechen habe. Trissino bezeichnete seinen als hortus amoenissimus. Lascaris und Trinagio rühmten die Villa des Trissino. Er unterhielt Korrespondenz mit vielen Humanissten.

Außerdem war Trissino sehr gastfrei und besaß einen Pferdestall für 10-15 Reitpferde, welche seine Gäste benutzen durften. Außerdem hatte er einen Freundeskreis, mit dem er korrespondierte. Eine Gästeliste existiert allerdings nicht mehr. Aus familiären Problemen mußte er Cricoli schon nach wenigen Jahren verlassen. Das Gebäude steht als Werk Palladios unter Welterbeschutz.

Gründer
Gian Giorgio Trissino 1478 ─ 1550
war Humanist sowie Diplomat und beherrschte Griechisch. Ein zentrales Thema war für ihn: die Systematisierung seines umfassenden Wissens in der ehtischne  Überwindung von Widersprüchen (lt. Puppi S. 26). Er schrieb die Stücke ´Sophonisba´ und ´L'Italia liberata dai Goti´.

Teilnehmer
Janus Lascaris 1434 ─ 1501
war in Konstantinopel geboren und kam über Rhodos nach Italien. Auf ihn geht die Zuwendung der Humanisten zu griechischen Texten zurück.

Alessandro Lionardi
war von Haus aus Jurist, aber auch Poet und schrieb Dialoge sowie Texte für Madrigale. Er hielt die Leichenrede auf Papst Pius IV.
Bernardino Trinagio
war Camaldulensereremit.

Literatur
Michele Maylender: Storia delle Accademie d’Italia. Bologna 1926-30
Lionello Puppi: Andrea Palladio. München 1982

Bildnachweis
wikipedia.org/wiki/Villa_Trissino_(Cricoli)#/media/File:VillaTrissinoTrettenero_2007_07_08_02.jpg (3.3.2021)