Erstveröffentlichung

Lucas Cranach d. J.
Katharina von Hatzfeld

09.11 Cranach-dJ-Hatzfeld 240Das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid führt als Nr. 313 seit dem Ankauf ein Portrait of a Woman von 1539 (Öl auf Holz 61,5 x 42,2 cm) aus stilistischen Gründen als ein Werk von Lucas Cranach d. J. (1515─1586). Die Autoren des Cranach-Œuvreverzeichnis, Friedländer/Rosenberg, mutmaßten für die Entstehung die Zeit um 1540 und vergaben für das Bild die Nr. 419. Im Text des Museums wird zwar erwähnt, daß in dem Portrait Elisabeth von Sachsen vermutet wird, doch diese Zuordnung wird nicht weiter diskutiert.

Der fast olivfarbene Hintergrund und das Format wurden aber bisher nicht mit dem Portrait Lucas Cranach d. J. des Grafen Philipp von Waldeck (s. Beitrag Cranach, Waldeck) in Verbindung gebracht, weil dieses Bild, schwarz-weiß reproduziert, unglücklicherweise im Werkverzeichnis von Lucas Cranach d. Ä. von Friedländer/Rosenberg als ein Werk des Malers der Gregormessen deklariert wurde.

Seit der Dargestellte jedoch als Philipp von Waldeck identifiziert wurde, lag es auf der Hand, einmal die malerische Auffassung und das Format zu vergleichen. Dabei stellte sich heraus: Die Zusammengehörigkeit der beiden Dargestellten wird beim unmittelbaren Vergleich offensichtlich. Das Format der Bilder weicht in der Breite nur gering voneinander ab (42 und 42,2 cm); in der Höhe wäre noch zu prüfen, ob das Grafenportrait (55/56 cm) evtl. einmal gekürzt wurde. Die malerische Auffassung und die Farbgebung der beiden Portraits aber entsprechen einander deutlich.

Zu diesen Faktoren kommt die Datierung. Das Portrait des Mannes wurde 1538 geschaffen. Bei der Identifikation ergab sich aus dem Lebenslauf des Grafen Waldeck, daß es von ihm als ein Brautwerbebild gedacht war. Ein Jahr später ließ sich die Braut und spätere Frau von Philipp von Waldeck, die Gräfin Katharina von Hatzfeld ( 1546), ebenfalls von Cranach jr. porträtieren ─ sozusagen als bildliches Ja-Wort. Bei der Familie Hatzfeld handelte es sich um eine reichsgräfliche Familie aus der Wetterau, die seit dem 6. Jahrhundert vorkommt. Daß sie auch begütert war, zeigt sich an den Ringen. Leider läßt sich aus der Wiedergabe nicht das Familienwappen erkennen. Die Buchstabenkombination AB/ON am Gürtel kommt bei weiblichen Portraits der Zeit verschiedentlich vor und wird aufgelöst mit: A BONA FIDE.
Bei diesen überraschenden Fakten besteht kein Zweifel mehr, daß die beiden Portraits ein Paarbild ergeben. Der Bezug aufeinander ist offensichtlich. Als Bilderpaar werden sie allerdings wohl kaum je zu sehen sein, da die Gemälde leider durch den Atlantik getrennt sind (New York und Madrid).

© Christoph Wilhelmi, Stuttgart 2015

Literatur
s. Beitrag Cranach d.J., Philipp von Waldeck

Bildnachweis
Old Masters. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid 1992 S. 323

Anmerkung
Im CranachDigitaleArchive hat das Portrait die Kennung
ES-MTB-113-1929-14. Der Inhalt ist noch nicht aktualisiert.