Es ist heute schwer nachvollziehbar, daß in der Renaissance ─ sozusagen der ersten Aufklärung ─ Frauen zwar für den Erhalt der Familie von Bedeutung waren, aber sonst kaum eine Rolle spielten durften. Dementsprechend erlangten nur wenige von ihnen eine Erwähnung ihres Lebensablaufs in den historischen Nachschlagewerken. Dementsprechend  treten in der Malerei damals Einzelportraits von Frauen viel seltener auf als von Männern. Eine Ausnahme bilden die relativ gängigen Bilderpaare, die vor allem bei dem Kölner Porträtisten Bartholomäus Bruyn d. Ä. zahlreich vorkamen und sich zumeist erhalten haben (s. Essay Die Portraits von Bartholomäus Bruyn). Hier wurden die Frauen ─ für alle sichtbar ─ kostbar eingekleidet mit juwelenbesetztem Gürtel, Riechkugel und Ringen, um ´dezent´ den eigenen Reichtum präsentieren zu können.
Wo aber namenlose Einzelportraits von Frauen existieren, sind sie schwer zu identifizieren, weil Lebensereignisse und –umstände von Frauen, aus denen Rückschlüsse zu ziehen wären, kaum aufgezeichnet wurden, es sei denn, sie spielten als Adlige eine gewisse Rolle.

Christoph Wilhelmi, November 2017