Erstveröffentlichung

Lucas Cranach/Werkstatt:
Ursula von Rosenfeld

05.14-U.v.Rosenfeld 240Obwohl das Weibliche Portrait von 1525 (Öl auf Holz 61,6 x 38,8 cm. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid Nr. 258) die Hand Cranachs vermuten läßt, weicht es in der Durchführung doch von seinen anderen Frauen-Portraits ab. Daher wurde es früher einem Konstrukt, dem Meister der Gregorsmessen, zugeschrieben; heute zieht sich das Museum auf Anonymous Master oft he School of Lucas Cranach the Elder zurück, denn es fehlt die für Cranach, Vater und Sohn, charakteristische Signatur, die Flügelschlange.

Vor moosgrünem Hintergrund erscheint in leichter Rechtswendung lt. Inschrift links oben eine selbstbewußte Frau von 26 Jahren, die ein rotes Gewand mit schwarzem, geschnürtem Mieder trägt. Darüber liegt ein dunkler Schulterpelz, dessen geöffneter Kragen hellbraunes Fell zeigt. Der Halsausschnitt gibt den Blick auf ein schwarzabgesetztes hellgelbes Hemd frei, das unterm Kinn mit einer schwarzen Schleife versehen ist. Diese hat ─ gewollt oder Zufall? ─ die Form eines Liebesknotens (vgl. Beitrag Bartolomeo Veneto, Charles de Bourbon). Ein zuzuordnendes männliches Pendant soll es in einer Sammlung in New York gegeben haben, wurde aber nicht dokumentiert.

Der Dreiklang aus Grün, Rot und Schwarz ist sehr wirkungsvoll angelegt. Durch die schlichte, aber hellgelbe Haube, die alle Haare verhüllt, bekommt der Kopf starke Leuchtkraft. Die Halbfigur der Frau ist streng geschnürt und um die Hüfte mit einem edlen, rein dekorativen Gürtel versehen. Beide etwas steifen Hände sind vor der Hüfte zusammengelegt. Während die Person außer dem Gürtel keinen Schmuck trägt (man könnte daher vermuten, daß die Dargestellte nicht von Adel ist), tauchen an der linken Hand plötzlich fünf Ringe mit farbigen Steinen auf, zwei am Zeigefinger und drei am Ringfinger. Damit gibt sie mehrfachen Grundbesitz zu erkennen.

Trotz dieser Anhaltspunkte wurde bisher kein Vorschlag für eine Bild-Auflösung gemacht. Das lag wohl an dem Umstand, daß zwar aus den Daten der Inschrift das Geburtsjahr der Frau zu ermitteln ist mit 1499; für diese Zeit liegen aber durch das Fehlen von Geburtsregistern kaum Lebensdaten von Frauen vor. Dieser Sachverhalt entmutigte offenbar. Zeitweilig schien es auch so, als könnte eine Vergleichsabbildung weiterhelfen. In der Porträtsammlung der Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel, befindet sich ein Kupferstich A 10445 mit dem Portrait von Anna Jamnitzer, fast identisch gekleidet, der in diesem Fall seitenverkehrt zutreffend sein könnte. Beide Frauen haben fast die gleiche, die Haare bedeckende Haube aus hellem Tuch. Auch die Hände sind ähnlich zusammengelegt. Aber die sichtbare Hand weist keine Ringe auf. Sie war die Frau des berühmten Kunsthandwerkers Wenzel Jamnitzer, der von Lucas Cranach d. J. (s. Beitrag Cranach d. J.: W. Jamnitzer) porträtiert wurde; das aber erst mehrere Jahrzehnte später: 1546.

Danach erwies sich der Geburtsjahrgang doch als entscheidend. Um 1499 wurde Ursula von Rosenfeld geboren, aus einfachem fränkischen Adel. Sie war das jüngste Kind von Wolf von Rosenfeld (1500) und Anna Bombast von Hohenheim, einer Verwandten des Arztes Paracelsus. Sie wuchs als Waise auf. Ihr Glück war, daß sie, wohl durch verwandtschaftliche Beziehungen, zum Hoffräulein bei der badischen Markgräfin Elisabeth (1494─1518) ausgewählt wurde, die aus dem Hause Brandenburg-Ansbach-Kulmbach stammte. Diese Dame war mit dem Markgrafen Ernst von Baden (1482─1553) verheiratet, starb aber, als Ursula von Rosenfeld knapp 20 Jahre alt war. Offenbar hatte der Markgraf schon vor dem Ereignis ein Auge auf Ursula geworfen, denn er heiratete sie im Todesjahr seiner Frau. Im Folgejahr wurden die Tochter Margarete geboren und danach noch zwei weitere Kinder. Eigentlich war es eine morganate Ehe; doch der Markgraf setzte durch, daß Ursula anerkannt wurde und zur Markgräfin aufstieg. Da die Söhne der ersten Frau von Markgraf Ernst 05.14-NEB-U.v.Rosenfeld 240Unbekannter Bildhauer:
Tumba des Grafen Ernst von Baden.
Ausschnitt: Ursula von Rosenfeld
starben, rückte Ursulas Sohn Karl (*1529) zum Thronfolger von Baden-Durlach auf. So wurde sie Stammmutter der späteren badischen Großherzöge. Sie starb 1538 und wurde in der Pforzheimer Schloßkirche beigesetzt. Auf der Tumba des Paares verdeckt eine Haube ihre Haare; sie ist hier ebenfalls nach links gerichtet und weist ein ebenmäßiges Gesicht auf ─ insofern als Vergleichsbild geeignet, aber durch das andere Material doch nur bedingt.

Vergegenwärtigt man sich die Geographie, so erscheint es zunächst unwahrscheinlich, daß z.B. einer der bei Lucas Cranach arbeitenden Gesellen eine badische Markgräfin porträtiert haben soll. Doch der Hof der fränkischen Hohenzollern (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach) hatte durchaus Geschäftsbeziehung zur Werkstatt Cranach. Dafür stehen die Portraits von Casimir von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach sowie seines Bruders, Georg von Brandenburg-Ansbach. Die Markgräfin Elisabeth war die Schwester dieser Fürsten, die von Lucas Cranach d. J. gemalt wurden; die beiden genannten Tafeln befinden sich in der Gemäldegalerie in Berlin.

© Christoph Wilhelmi, Stuttgart 2017

Literatur
Casimir Bumiler: Geschichte der Stadt Rosenfeld. Stadt Rosenfeld o.J.
José Manuel Pita Andrade / Maria del Mar Borobia Guerrero (Hg.): Old Masters Thyssen-Bornemisza Museum. Madrid 1992
wikipedia.org/wiki/Ursula_von_Rosenfeld (15.6.2017)

Bildnachweis
José Manuel Pita Andrade / Maria del Mar Borobia Guerrero (Hg.): Old Masters Thyssen-Baornemisza Museum. Madrid 1992 S. 290
Die Porträtsammlung der Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel. Reihe A Nr. 10445
www.rosenfeld.de/portrait-buergerservice/unsere-stadt/persoenlichkeiten-der-stadt/detailansicht/archive/2011/june/01/article/ursula-von-rosenfeld-markgraefin-von-baden.html (13.8.2017)