Accademia degli Affidati
dt. der Anvertrauten
auch: Academici Affidati
1565 Pavia (noch 1741 aktiv)

Affidatiarchive.org/details/prosaepoesiedeg
l00acca
Eine gleichlautende Gruppierung gab es bereits um 1548 in Bologna.

In Pavia scharten sich einige Bürger mit literarischem Interesse um den Grafen Beccaria, der sie vermutlich in sein Haus einlud und förderte. Gemeinsam traten sie an die Öffentlichkeit mit einer Anthologie: Rime de gli Academici Affidati di Pavia im Jahr 1565, gedruckt bei Girolamo Bartoli. Untereinander sprachen sie sich mit ihrem Pseudonym an.
Jedoch fanden die Autoren keine Aufnahme unter die scritti italiani.
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Gründer
Aurelio Beccari / Filotima
war Graf, sammelte einige lyrisch begabte Mitbürger um sich und förderte deren Arbeiten durch eine Publikation (s. Abb.).
Teilnehmer
Giovanni Pietro Albuzio 1507 ─ 1583
war Arzt und arbeitete während der Pestepidemie in Mailand in der Seuchenbekämpfung. An der Anthologie war er nicht beteiligt.
Ogniben Ferrari / Errio
war Kinderarzt und publizierte De arte medica infantium… 1577 in Brixen.
Camillo Galina / Incitato
(der Anspornende)
Filippo Rinasci /Endemione
(der schöne Endymion verliebte sich in die Mondgöttin Selene.)

Filippi Zafiri / Immutabile


Accademia Aldina

dt. des Aldus Manutius

auch: Accademia Aldo Manuzio
1494 ─ 1515 Venedig

AldinaDas Signet des Aldus ManutiusAldus Manutius war von der altgriechischen Sprache fasziniert. 1490 kam er von Ferrara nach Venedig. Durch Vermittlung von Bernardo Bembo und Girolamo Donato bekam er Zugang zu venezianischen Intellektuellen. 1490 ermöglichte ihm der Unternehmer Andrea Torresani, seine lateinische Grammatik zu drucken. Als er feststellte, daß eine griechische Presse in Venedig fehlte, warf er sich auf dieses Metier. Erst als er genügend Teilhaber fand, konnte er sein anspruchsvolles Projekt realisieren. Die Gründungstatuten wurden von sieben Personen unterzeichnet. Bei Ausbruch des Krieges der Liga von Cambrai 1508 gegen Venedig mußte Manuzio für die Dauer des Kampfes nach Ferrara ins Exil fliehen.

»Dieser Förderkreis von Philhellenen scharte sich um die Druckerpresse bzw. -werkstatt sowie die für sie tätigen Spezialisten: Autoren, Lektoren und Teilhaber. »Man saß im Winter im Halbkreis um das Feuer herum und führte philologische Gespräche. Die Grundsätze der Aldina waren streng definiert: Dort durfte nur Griechisch gesprochen werden... Bedeutende italienische aber auch andere Humanisten gehörten im Laufe der Zeit dazu« (Verena von der Heyden-Rynsch S. 76).
Zwischen 1494 und 1515 verlegte Aldus 134 Editionen: 68 lateinisch, 58 griechisch und 8 italienisch.
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Gründer
Aldus Manutius + 1515
war Unternehmer und humanistischer Philologe.
Teilnehmer
Girolamo Aleandro 1480 ─ 1542
begann sein Studium an der Schule von San Marco und arbeitete für Kardinal Angelo Grimani. Über Musurus kam er in Kontakt mit der Aldus-Presse. 1508 freundeten Erasmus und er sich an, später entfremdeten sie sich, als Aleander päpstlicher Nuntius wurde.
Francesco Griffo 1450 ─ 1518
war Neffe des Dogen Agostino Barbarigo und Mitbesitzer der Aldus-Presse, schied aber 1502 im Streit aus.
Bernardo Bembo 1433 ─ 1519
war der Vater von Pietro Bembo sowie als Politiker und Poet tätig.
Pietro Bembo 1470 ─ 1547
war Humanist und Poet, später Kardinal. Er publizierte 1501 Petrarcas Rime und Dantes Commedia in der Aldus-Presse.
Bolzanius → Valeriani
Paolo Bombace / Bombasius 1476-1527
1505-12 Lektor für Poesie und Rhetorik in Bologna. Präfekt der Vatikanischen Bibliothek. Er kam 1527 beim sacco di Roma um mitsamt seiner Bibliothek.
Paolo Canal ca. 1481 ─ 1508
studierte Humana und Griechisch sowie Philosophie in Padua. Er arbeitete als Korrektor für die Presse und bearbeitete die vom griechischen Rhetoriker Atheneus überlieferten Reden (Ms. In Heidelberg) und Hipparchicus von Xenophon. Das Manuskript lagert in der Bay. Staatsbibliothek.
Johannes Cuno 1462/63 ─ 1513
war Humanist und Dominikanermönch sowie um 1500 und 1504 beteiligt.
Girolamo Donato 1457 ─ 1511
lebte als Diplomat in Ferrara, zeitweilig auch Gouverneur von Brescia und Cremona.
Demetrios Dukas
war griechischstämmiger Mitarbeiter der Presse.
Giambattista Egnazio 1478 ─ 1553
ausgebildet in alten Sprachen in Venedig betrieb er dort zeitweilig eine Grammatik-Schule und lehrte Rhetorik. Er trat gegen Torresani für Erasmus‘ Edition der Adagia ein. Er blieb ein enger Mitarbeiter von Manutius.
Erasmus von Rotterdam 1466//69 ─ 1536
besuchte 1508 Manutius und wohnte in dessen Haus. Er edierte dort, assistiert von M. Musurus das Neue Testament (Novum Testamentum Graece) und wurde zu »einem führenden Mitglied der Accademia Aldina« (von der Heyden-Rynsch S. 94).
Griffo de Bologna / Francesco da Bologna 1450 ─ 1518
war Goldschmied und als Stempelschneider 1494/95 für Manutius tätig.
Grillo, ‘maybe the most important figure’ of the company of Manutius (Lowry).
Janus Lascaris / Constantinus / Rhyndacenus 1445 ─ 1534
geboren in Konstantinopel, kam über Kreta nach Venedig. Professor für Griechisch am Studio in Florenz, Beschaffer von Codices aus Kleinasien für die Bibliothek der Medici. 1503 ─ 1509 beteiligt
Thomas Linacre ca. 1460 ─ 1524
aus Canterbury studierte 1488-90 in Florenz und hielt sich 1497-99 in Venedig auf und wirkte mit an der editio princeps der griechischen Ausgabe des Aristoteles.
Marcus Musurus ca. 1470 ─ 1517
Professor für Griechisch in Padua, stammte aus Kreta und wurde Mitarbeiter/Lektor von Manutius und dessen Bibliothekar. Nach M.C.J. Lowry bezeichnete Erasmus dessen Bibliothek als Schatzkammer.
Alberto Pio, Prinz von Carpi 1475 ─ 1531
Dort wollte er für Aldus Manutius eine Werkstatt einrichten, mußte aber sein Eigentum im Stich lassen.
Gerolamo Soncino / Mosheh ben Israel Natan
1460 ─ 1533 
war ebenfalls Drucker und auf Grund seiner Hebräischkenntnisse ab 1489 in Kontakt mit Manutius. 1501 verlegte Manutius seine introductioallo studio della lingua ebraica; später wurde er wegen des Taldmud-Drucks von der Inquisition angeklagt.
Andrea Torresani 1451 ─ 1528
war der Schwiegervater von Manutius und stiller Teilhaber des Unternehmens, während des Exils blieb er in Venedig und war formaler Inhaber.
Urbanus Valeriani ca. 1443 ─ 1524
war Experte für Griechisch mit Studium bei Lascaris.
Besucher u.a.

William Grocyn
+ 1519 
studierte Theologie in Oxford und 1485-90 in Florenz.
William Latimer
+ 1545
hatte 1498 Kontakt mit Aldus Manutius.
Johannes Reuchlin
(1455 ─ 1522)
besuchte 1498 den Betrieb.
Literatur
Verena von der Heyden-Rynsch: Aldo Manuzio. Berlin 2014
Bildnachweis
typolexikon.de/manutius-aldus/druckerzeichen-der-offizin-aldina-in-venedig/(28.9.2020)


Accademia dell’Arcadia / Gli Arcadi
dt. von Arkadien / Die Arkadier
später auch: Pontifica Accademia degli Arcadi
seit 1690 Rom

Arcadia-Wasa-1Emblematische Darstellung ´Gli Arcadi´
für die Akademie. Die Panflöte steht für
die Arkadier im Mittelpunkt, flankiert von
zwei Pan-Gestalten
Ursprünglich eine Weidelandschaft des Peloponnes wurde Arkadien in der Hirtendichtung zum Land der Glückseligkeit stilisiert. »Das Land ist gebürgig, und hat viele Wälder, giebt aber auch dabey schön Getreide und allerhand Früchte, hat schöne Wasserquellen, Seen und Flüsse, und ist deswegen sehr gut zur Viehweide, wie denn schon Virgilius getichtet, daß derer Hirten Gott, Pan, daselbst residiere« (Zedler). Der Barock-Maler Guercino verwendete um 1616 den Begriff zeittypisch mit einem Motto im Gemälde: et in Arcadia ego.
Christina Wasa, ehemalige Königin von Schweden, ließ sich nach ihrer Konversion 1656 in Rom 1659 nieder, logierte im Casino innerhalb des zugehörigen Renaissancegartens. Als Christina 1689 starb, war es der Wunsch ihrer Anhänger, sich diesen Rahmen zu erhalten. Arcadia-Wasa-3 Franz Roesler: Ansicht der Bebauung
Tor di Nona von ca. 1880
Insofern handelt es sich bei dieser Akademie um einen Sonderfall, da er erst post mortem der Initiatorin durch 14 Sponsoren als wirtschaftliche Träger verwirklicht wurde.
Der Impulse für die Gruppe kamen von Crescimbeni und Gravina, dem Philosophen und dem Juristen; doch deren unterschiedlicher Ansatz löste auch vielerlei Spannungen aus. Der Schwerpunkt der Neuerung lag primär auf der tragedia pastorale con musica und sekundär auf der tragedia pastorale. Kerngedanke dabei war, daß der der göttliche Hirte die Metapher für den Poeten darstellte.
Arcadia nannte ein Werk von Jacopo Sannazaro (→Porticus), das als bukolische Dichtung sehr erfolgreich war. Ob die Accademia Arcadia, wie die Encyclopedia Italiana von 1929 behauptet, die erste wissenschaftliche, moderne Akademie Italiens und der Moderne war, sei dahingestellt (vgl.→ Lincei). 1714 bildete sich aus den Gravina-Anhängern die Accademia dei Quirini.
Die Arcadia existierte noch 1788, als Goethe vom Fürsten Liechtenstein dort eingeführt wurde. 1925 wurde sie in Accademia letteraria italiana umbenannt.

Arcadia-Wasa-2Filippo Gagliardi u.a.: Festlichkeit zu Ehren von Christina von Schweden im Hof des Palazzo Barberini
in Rom 1556. Museo di Roma

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Patronage
Christina Alessandra Wasa, Exkönigin von Schweden 1626 ─ 1689
war die Tochter von Gustav Adolf von Schweden, des Anführers der Protestanten im Dreißigjährigen Krieg.
Custode di Arcadia bis 1711
Giovanni Maria Crescimbeni 1663 ─ 1728
war Literaturwissenschaftler, Historiker und Petrarkist (Arcadia 1711). Außerdem schrieb er über Della bellezza della volgar poesia.
Beteiligte
Filippio Acciaioli 1637 ─ 1700
bekam als Kompetitor die Lizenz für das Theater von Papst Clemens X., während Innozenz XI. es zeitweilig blockierte.
Jacques d’Alibert 1626 ─ 1713
war als Graf Theaterdirektor des Teatro Tor di Nona und plante 1671 mit Christina das Programm.
Decio Azzolino/i d. J. 1623 ─ 1689
war als Kardinal vom Vatikan beauftragter Vertrauter von Christina für die Hofhaltung und Schöngeist.
Giovanni Campini 1633 ─ 1698
war Archäologe, Kirchenhistoriker und Alchimist.
Lelio Colista 1629 ─ 1680
war Lautenist und Komponist.
Arcangelo Corelli 1653 ─ 1713
war als Komponist Schöpfer des concerto grosso und Konzertmeister bei Christina.
René Descartes / Cartesius 1596 ─ 1650
Der französische Botschafter in Stockholm machte Christina mit der Philosophie von Descartes bekannt; sie korrespondierte daraufhin jahrelang mit ihm und lud ihn nach Stockholm ein. Er wird hier erwähnt, weil er für Christina angeblich die Statuten für eine Akademie, Leges Arcadum, entwarf.
Girolamo Gigli / Amarante Sciaditico 1660 ─ 1722
war Jesuitenschüler und wurde Literarhistoriker an der Universität Siena, aber auch Komödienautor und Petrarkist; daher lehnte er die Tendenz von →Crusca ab. Als er das Vocabulario cateriniano mit spezifischen Ausdrücken von Siena drucken ließ, w
urde die Auflage durch Cosimo III. weitgehend vernichtet.
1684 – 90 komponierte er Oratorien. 1698 – 1708 hatte er einen Lehrstuhl für Eloquenz inne. 1706/07 kam es zu einer prima rappresentazione im Teatro Grande in Siena. 1708 ging er nach Rom, lag aber im Streit mit Crescembeni (→ Arcadia), und wurde Präzeptor in der Casa Ruspoli. Nach 1707 wollte er in seiner Heimatstadt die Accademia Sanese gründen als Plattform für die dortigen Schriftsteller.
Stefano Gradi / Stjepan Gradi 1613 ─ 1683
war Philosoph (Aristoteliker) und Poet, ab 1661 als Kustos der Biblioteca Vaticana tätig.
Giovanni Vincenzo Gravina 1664 ─ 1718
war als Mitbegründer Jura-Professor, Librettist und Autor (u.a. Della tragedia 1715) sowie Stiefvater von Metastasio.
Vincenzo Leonio 1650 ─ 1720
war als Petrarkist auch Librettist und Mitbegründer. Er hatte in Spoleto Philosophie, Grammatik und Rhetorik studiert. 1671 kam er nach Rom.
Carlo Ambrogio Lonati ca. 1645 ─ ca. 1712
war Sänger, Geiger und Komponist.
Marco Marazzoli ca. 1602 ─ 1662
war Sänger in der päpstlichen Kapelle sowie Komponist der von ihr sehr geschätzten Oper Il Trionfo della Pietà.
Pietro Metastasio / Trap
Cuessi 1698 ─ 1782
war der bedeutendste Librettist der Geschichte (Rolf Fath).
Miguel de Molinos 1628 ─ 1696
war als Mystiker religiöser Schriftsteller und geistiger Wegweiser (Guida spirituale, 1677).
Pietro Metastasio / Trapassi 1698 ─ 1782
schrieb als Poet zahlreiche Melodramen, 1723 auch für Mozart (La clemenza di Tito).
Ludovico Antonio Muratori 1672 ─ 1750
war Philologe und Jurist und wurde Kleriker. Sein Hauptwerk sind die Antiquitates ITALICAE Medii Aevi, die 1738 erschienen. Kardinal Borromeo holte ihn an die Ambrosiana. Mitglied seit 1705
Bernardo Pasquini 1637 ─ 1710
war Organist und Komponist.
Paolo Rolli 1687 ─ 1765
war Schüler von Gravina und Librettist in London.
Alessandro Scarlatti 1660 ─ 1725
komponierte1680-84 für Christina.
Silvio Stampiglia / Palemone Licurio 1664 ─ 1725
war Librettist (u.a. Il trionfo di Camilla 1696) und Mitbegründer.
Loreto Vittori 1604 ─ 1670
war Sänger (Kastrat) der päpstlichen Kapelle und Komponist sowie Christinas Gesangslehrer.
Literatur
Christina – Queen of Sweden. Stockholm 1966
Camilla Guaita: Per una nuova estetica del teatro : l'Arcadia di Gravina e Crescimbeni. Rom 2009
Bildnachweise
wikipedia.org/wiki/Accademia_dell’Arcadia#/media/Datei:Arcadi.jpg (19.8.2020)
wikipedia.org/wiki/Marco_Marazzoli#/media/File:Christina_barberini.jpg (19.8.2020)
wikipedia.org/wiki/Tor_di_Nona (31.8.2020)


sodalitas Celtica
auch: sodalitas litteraria Germaniae, sodalitas Staupiziana
dt. literarischer Freundeskreis in Deutschland
1501 ─ nach 1516 Nürnberg

Die meisten Nürnberger dieser Gruppe kannten sich schon vorher, zumal einige von ihnen öffentliche Ämter in der Stadt bekleideten. Das Auftreten von Johann von Staupitz in Nürnberg ließ sie jedoch zur Gruppe zusammenrücken. Der reise- und kontaktfreudige Johann von Staupitz hatte in Rom die →Accademia Pomponiana um Pomponius Laetus kennengelernt. Daraufhin initiierte er bei seiner Rückkehr in den deutschen Sprachraum nach dem Vorbild weitere Gruppenbildungen zum geistigen Austausch unter der lateinischen Bezeichnung sodalitas (Bruderschaft). Die Humanisten hatten die Erfahrung gemacht, daß sie nur gegenseitige Anregung und Gedankenaustausch in ihrer Entwicklung weiterbringen würden. Durch Staupitz wurde aus dem losen Kreis von Humanisten die sodalitas.
Wenig beachtet wurde bisher, daß das Kupferstichkabinett, Berlin, über einen von Albrecht Dürer 1501 geschaffenen Holzschnitt zu den Opera Hroswite von Celtis verfügt mit dem Herausgebervermerk sodalitas Celtica. Demnach operierte die Gruppe mit mehreren Bezeichnungen.
»Der Kreis um Staupitz, den Scheurl als „sodalitas Staupiziana“ bezeichnete, hatte sich zusammengefunden, nachdem Staupitz in der Adventszeit 1516 unter großem Zulauf gepredigt hatte, daß die Nürnberger Augustinerkirche die Andächtigen nicht zu fassen vermochte« (lt. Alfred Jeremias). Der Freundeskreis, der sich mit Staupitz zu geselligem Beisammensein im Augustinerkloster oder während seiner Abwesenheit im Hause eines Freundes traf, beurteilte daher den Thesenanschlag Luthers zunächst nur als das mutige Vorgehen eines Staupitz-Schülers (lt. Fedja Anzelewsky).
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Gründer
Johann von Staupitz (ca. 1465 ─ 1524)
begegnete 1488 dem Philosophen Marsilio Ficino in Florenz. 1503 Professor in Nürnberg. 1503-1530 Generalvikar der Augustiner. Da er an verschiedenen Orten als Initiator genannt wird, trifft auf ihn die Bezeichnung Wander-Humanist (lt. Max Wehrli) zu.
Teilnehmer
Martin Behaim (1459 ─ 1507 Lisboa)
Aus Nürnberg stammender Geschäftsmann; vor allem Kosmograph. Als solcher entwickelte er 1492 den ältesten erhaltenen Globus, den nach ihm benannten Erdapfel.
Konrad Celtis / Protucius (ca. 1465 ─ 1524)
1487 war er von Kaiser Friedrich III. als erster Deutscher gekrönt worden. Der Wanderhumanist Celtis war jedoch nur sporadisch in Nürnberg und wohnte dann bei Sebald Schreyer. 1502 legte er mit Norimberga eine Städtebeschreibung vor.
Peter Dannhauser
Jurist
Albrecht Dürer (1471 ─ 1528)
»Die Bekanntschaft mit Celtis [1496/97] muß den Künstler bestärkt haben, die von Barbari empfangenen Anregungen zum Studium der menschlichen Proportionen fortzusetzen« (Fedja Anzelewsky S. 71). ─
»Der Humanist [Celtis] und der Maler sind [in dem Gemälde Marter der 10.000 Christen. 1508] in die Betrachtung der Leiden der Märtyrer vertieft, stellen also im Sinne Ficinos eine platonische Freundschaft dar. Nur aus dieser Sicht gewinnen die beiden Figuren im Bildzusammenhange wirklich Sinn« (Anzelewsky S. 140)
Hieronymus Ebner (1477 ─ 1532)
war Jurist und humanistisch gebildeter Patrizier und Losunger.
Konrad Heinfogel (+ 1517)
Ein Astronom, der eine Sternkarte in Zusammenarbeit mit Dürer fertigte.
Hieronymus Holzschuher (1469 ─ 1529)
war Ratsherr und zeitweilig Oberster Hauptmann.
Sebastian Kammermeister (+ 1503)
war Ratsherr und Grubenbesitzer, Schwager von Schreyer und förderte die Weltchronik.
Anton Kolb (*1470 Nürnberg)
Unternehmer und Ratsherr in Nürnberg, vielfach tätig in Venedig. Er entwarf für die serenissima eine Baggermaschine und organisierte eine Arbeitsgruppe von Fachkräften für die große ´Luftaufnahme´ von Venedig, einen mehrteiligen Holzschnitt von 1500, der fälschlich Jacopo de Barbari zugeschrieben wird.
Johann Löffelholz (1448 ─ 1509)
Jurist und Poet, Pseudonym Cocles (dt. einäugig)
Hieronymus Münzer (1437/47 ─ 1508 Nürnberg)
1480 Stadtarzt in Nürnberg; vor allem Geograph und Astronom. Mitarbeiter an der Weltchronik von Schedel durch seine Deutschlandkarte
Kaspar Nützel (1471 Nürnberg ─ 1529)
war Ratsherr und Bürgermeister von Nürnberg. Er übersetzte Luthers Lateinisch abgefaßte Thesen und publizierte sie.
Willibald Pirckheimer (1470 ─ 1530)
war Geschäftsmann und Ratsherr in Nürnberg. Bedeutender publizierender Humanist ohne akademische Karriere, weil diese ihn daran gehindert hätte, in den Rat der Stadt Nürnberg aufgenommen zu werden. Europaweite Korrespondenz
Hartmann Schedel (1440 ─ 1514)
Stadtphysikus und Unternehmer, vor allem Autor und Organisator der Weltchronik von 1493, dem »größten Buchunternehmen der Dürerzeit«. Seine Bibliothek umfaßte 670 Druckwerke und rd. 400 Handschriften.
Christoph II. Scheurl (1481 Nürnberg ─ 1542)
organisierte 1504 in Nürnberg ein Nachrichtenzentrum, das die neusten Informationen auf allen Gebieten mit Express-Extrapost an Regierungen, Kanzleien und Höfe verschickte (Karl Ipser: Venedig und die Deutschen. München 1976 S. 39). 1525 Präses im Rat der Stadt Nürnberg
Sebald Schreyer (1446 Nürnberg ─ 1520)
vermögender Pelzhändler und häufig Gastgeber der Gruppe. Er war humanistisch geschult, aber wissenschaftlich nicht tätig, und nahm in der Gruppe eine Sonderstellung ein.
Lazarus Spengler (1479 ─ 1534)
Liederdichter. Ratsschreiber und Delegierter Nürnbergs auf dem Reichstag. 1518 veröffentlichte er in Augsburg anonym seine Schutzrede für Martin Luther.
Anton Tucher (1458 ─ 1524)
Großkaufmann und Erster Losunger
Dietrich Ulsen /Theodoricus Ulsenius (1460 ─ 1508)
Arzt
Bernhard Walther (ca. 1430 ─ 1504 Nürnberg)
Kaufmann und Astronom. Ratsherr in Nürnberg und Lehrer von Heinfogel
Johannes Werner (1468 Nürnberg ─ 1522)
Theologe, Mathematiker und Astronom. 1500 entdeckte er einen Kometen.
Literatur
Fedja Anzelewsky: Dürer. Werk und Wirkung. Erlangen o.J.