Erstveröffentlichung


Barthel Beham (?)

Hans Urmiller

77.01-Beck-Ur 240Dieses elegante Portrait eines vermögenden jungen Mannes schrieb Friedrich Winkler 1948 dem Augsburger Künstler Leonhard Beck (ca.1480─1542) zu. Die Zeichnung lagert im Kupferstichkabinett, Berlin als Nr. KdZ 523 und wurde u.a. im Princeton University Art Museum ausgestellt. Wen sie darstellt, diese Frage konnte bisher nicht beantwortet werden, da sich anscheinend kein als Gemälde ausgeführtes Portrait erhalten hat, obwohl das Blatt (Kreidezeichnung 34,6 x 27,5/27,9 cm) mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Vorstudie zu einem Gemälde darstellt.

Der vielleicht 25jährige Mann ist im Dreiviertelportrait nach links dargestellt und trägt ein betont breites, gefaltetes schwarzes Barrett auf seinem blonden Pagenkopf. Sein schwarz-weiß gehaltener Rock ist bedeckt mit einem breiten, hellbraunen Schulterpelz, der am Hals den Blick auf einen Ausschnitt des Gewands mit dem auf ein gesticktes Hemd freigibt. Ob es sich um einen Adligen, oder einen Patrizier Augsburgs handelt, ist somit nicht eindeutig zu beantworten.

Um seinem Publikum die Portraitkunst zur Zeit der Renaissance in Süddeutschland nahezubringen, hatte sich das Princeton University Art Museum vom Städel in Frankfurt/M. das um 1525 entstandene Portrait Hans Urmiller und sein Sohn von Barthel Beham (1502─1540) ausgeliehen, da es selbst über Behams zugehöriges Portrait verfügt. Dieses Bild zeigt Frau Urmiller mit Tochter (Öl auf Nadelholz 65,4 x 47,3 cm. Nr. 728).

Die Zusammengehörigkeit beider Portraits wurde schon frühzeitig von Max J. Friedländer erkannt. Der Städel konnte seinerzeit sein Portrait auf Grund des Wappens mit dem Brunnen oben links als Hans Urmiller identifizieren. Nun zeigen 77.01-Beham-Urmiller 240Barthel Beham: Hans Urmiller
und sein Sohn. Städel, Frankfurt/M.
beide Männerportraits deutliche Übereinstimmungen und das trotz der Altersdifferenz: im Profil, Nasenverlauf, Pelz, exquisiter Garderobe; der vom Pelz gegebene Ausschnitt läßt zudem ein weißes Hemd mit goldener Stickerei am Kragen erkennen. Außerdem ist der angenommene Entstehungszeitpunkt der Zeichnung, ca. 1520, vom Lebenslauf Urmillers her wahrscheinlich, nur ist bedauerlicherweise Urmillers Geburtsjahr nicht belegt.


O
bwohl Hans Urmiller schon in relativ jungen Jahren zum herzoglich-bayerischen Rat aufstieg und Kämmerer Herzog Albrechts V. wurde, der ebenfalls von Beham porträtiert worden ist, weiß man über sein Leben wenig, außer daß er für die Hochzeit seines Landesherrn »Kleinodien für die Braut im Wert von 1000 rheinischen Gulden« zu beschaffen hatte. Er selbst konnte es sich leisten, 1552 Schloß Leutstetten zu erbauen, da er Pfleger zu Wolfratshausen geworden war. Offenbar starb Urmiller 1572 an der Pest in Wolfratshausen. Seine Witwe, Kunigunde Rosenbusch von Notzing, verkaufte das Schloß bereits 1576.

77.01-Beham-Urmiller-NEBBarthel Beham: Frau Urmiller mit Tochter.
Princeton University Art Museum
In diesem Punkt gibt es eine abweichende Auffassung von Stephan Kemperdick. Mit Bezug auf Solleder nennt er für die Ehefrau Urmiller den Namen Margarete Schwab (statt Notzing) und begründet dies mit dem Wappen oben rechts (zweigeteilt, ein Ast positiv, der andere negativ). Doch bei einer Überprüfung in dem Wappen-Atlas von Rietstap stellte sich heraus, daß es für den Familiennamen Schwab zwar fünf verschiedene Wappen in Europa gibt; doch keines davon weist einen Zweig ohne Blätter auf. Damit ist diese Identifikation hinfällig.

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, ob die Kreidezeichnung wirklich von Leonhard Beck angefertigt wurde, oder ─ analog zu den beiden Gemälden der Familie ─ nicht doch von Barthel Beham stammt. Es ist schwierig, das abschließend zu beantworten, da es zwar viel Druckgraphik von Beham gibt, aber kaum Zeichnungen von ihm verfügbar sind, die man zum Vergleich heranziehen könnte. Behams Portrait im Städel von Hans Urmiller hat übrigens eine gewisse Prominenz dadurch erfahren, daß sein Bild auf dem früheren 50-DM-Schein als Hintergrundsbild verwendet, jedoch seitenverkehrt ─ und so millionenfach gedruckt wurde.

Literatur
Bodo Brinkmann/Stephan Kemperdick: Deutsche Gemälde im Städel 1500-1550. Mainz 2005 S. 79
LeutstettenLeutstettenKurt Löcher: Barthel Beham. Berlin 1999 S. 75
Paintings from Europe and the Americas in the Philadelphia Museum of Art. Philadelphia/PE 1994

Bildnachweise
Paintings from Europe and the Americas in the Philadelphia Museum of Art. Philadelphia/PE 1994 █
pinterest.com/pin/410672059749022727/ (17.3.2017)
Bodo Brinkmann/Stephan Kemperdick: Deutsche Gemälde im Städel 1500-1550. Mainz 2005 S. 79
wikipedia.org/wiki/Schloss_Leutstetten (17.3.2017)