Hans Schäufelein
Lorenz Truchseß von Pommersfelden

64.03-SchäufeleinTruchseß 240Von dem Dürer-Schüler Hans Schäufelein (1480/85─1538/40) hat sich eine Zeichnung erhalten, Profilbild eines Geistlichen (Kohlezeichnung 28,8/28,2 x 19,3/19 cm), die sich in der Universitätsbibliothek von Erlangen (Nr. B 747) befindet. Da undatiert, wurde sie 1962 von Franz Winzinger auf 1510/11 geschätzt und Schäufelein zugewiesen. Welchen Kleriker sie darstellt, blieb dabei jedoch offen.
Wegen der bruchstückhaften Daten bleibt als einzige Möglichkeit, diese Person über eine Vergleichsabbildung zu identifizieren. Tatsächlich gibt es diese Möglichkeit und zwar durch eine Bildnismedaille in der Kress Collection in Washington (National Gallery). Es handelt sich um eine Zinnlegierng aus dem Jahr  1530. Dem höheren Alter der Person entsprechend ist das Profil des Kopfes energischer ausgefallen, als auf der Zeichnung. Ansonsten stimmen die Details weitgehend überein:

Beide Köpfe tragen ein Barett. In der Zeichnung sind die sichtbaren Haare gekräuselt und verdecken die Ohren; in der Medaille desgleichen, nur sind sie über den Ohren glatter. Beide Portraits zeigen eine besonders füllige Physiognomie; beide haben eine Hakennase, sowie vorgeschobene Lippen. Das Doppelkinn ist jeweils deutlich, und die Wangen füllig. Diese Medaille hat Lorenz Truchseß von Pommersfelden 64.03-SchäufeleinTruchseß-Neb1Matthes Gebel:
Lorenz Truchseß von Pommersfelden 1530
(1473─1543) selbst in Auftrag gegeben.

Er war Domkapitular in Mainz, Worms und Würzburg und ein Freund des Kurfürsten und Kardinals Albrecht von Mainz (1490─1545), dieses kunstsinnigen Humanisten.

Merkwürdigerweise gibt es über Lorenz Truchseß von Pommersfelden, diesen relativ hochrangigen Kleriker, in den einschlägigen Lexika kaum Biographisches; nur Zedler macht einige Angaben: »Lorentz, Dom-Dechant zu Mayntz, befand sich 1520 auf dem Kayserlichen Wahltage zu Franckfurt am Mayn als Chur-Mayntzischer Abgesandter. Dieser ist vermutlich eine Person mit Lorentz Truchseß, Chur-Mayntzischer Rathe und Domscholaster, welcher im Jahr 1509 nach Erfurt geschickt wurde, einen Tumult daselbst zu stellen«. Außerdem erwähnt Zedler einen Sigismund von Pommersfelden, der 1538 ebenfalls in Mainz tätig war. Das Erzbistum Mainz war über Generationen eine Art ´Erbhof´ der Familie Truchseß v64.03-SchäufeleinTruchseß-NMatthes Gebel:
Lorenz Truchseß von Pommersfelden 1530
on Pommersfelden bzw. bot ihr respektable Versorgungstellen für nachrangige Söhne.

Diese Basis an Informationen über Lorenz Truchseß ist zweifellos schmal, jedoch durch die Brandverluste an Urkunden über das Erzbistum Mainz bedingt, weswegen auch die Vita von Meister Mathis resp. Matthias Grünewald, dem dortigen Hofmaler, immer noch nicht hinreichend geklärt ist.

© Christoph Wilhelmi, Stuttgart 2019

Literatur
Hans Dickel (Hg.). Zeichnungen seit Dürer. Erlangen 2014 S. 260 Text, S. 261
Georg Habich: Die deutschen Schaumünzen des XVI. Jahrhunderts. München 1931 Bd. I,2 Nr. 1025, 1026
John Graham Pollard u.a.: Renaissance Medals. Vol. II. Oxford/USA 2007. S. 273 Abbildung Nr. 723
Johann Heinrich Zedler: Das Grosse vollständige Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste. Leipzig 1732-56

Bildnachweise
Hans Dickel (Hg.). Zeichnungen seit Dürer. Erlangen 2014 S. 260 Abbildung Nr. 402
Georg Habich: Die deutschen Schaumünzen des XVI. Jahrhunderts. München 1931 Bd. I,2 Nr. 1025, 1026